Der Fall könnte einen Wandel mit sich bringen.

200 Millionen Frauen sind weltweit von Genitalverstümmelung betroffen. Weibliche Genitalverstümmelung – das bedeutet das Abschneiden der Klitoris, der inneren Schamlippen, manchmal auch das Vernähen der Vulva, um Sex vor der Hochzeit zu verhindern. Beschnitten werden die Mädchen bereits sehr jung, mit Messern, Rasierklingen und Glasscherben.

In Somalia ist die grausame Praxis besonders weit verbreitet – laut Unicef sind dort 98 Prozent der Frauen im Alter zwischen 15 und 49 Jahren von Genitalverstümmelung betroffen, so viele wie in keinem anderen Land.

Doch endlich bewegt sich in Somalia etwas. Damit es so weit kam, musste jedoch erst ein Mädchen sterben.

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Was ist passiert?

Nach der Beschneidung im Juli ist die 10-jährige Deeqa verblutet. Bei der Verstümmelung ihrer Genitalien wurde offenbar eine Vene verletzt. Als auch nach zwei Tagen die Familie die Blutung nicht stillen konnte, wurde sie ins Krankenhaus gebracht, wo sie verstarb. (Guardian)

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Wie reagieren Politiker in Somalia?

Nach ihrem Tod regt sich jetzt Kritik an der Praxis der Genitalverstümmelung: Der Generalstaatsanwalt des Landes, Ahmed Ali Dahir, sagte, er habe ein zehnköpfiges Team entsandt, um Deeqas Eltern und die Beschneiderin zu befragen. Gegenüber Journalisten und religiösen Führern sagte er, dass der Fall vor Gericht kommen werde. 

Der stellvertretende Ministerpräsident Somalias, Mahdi Mohamed Gulaid, sagte, es sei nicht akzeptabel, dass im 21. Jahrhundert die weibliche Genitalverstümmelung in Somalia noch immer praktiziert werde. "Es sollte kein Bestandteil unserer Kultur sein. Es ist definitiv kein Teil der islamischen Religion."

Die Strafverfolgung derjenigen, die am Tod von Deeqa beteiligt waren, werde eine starke Botschaft an das Land senden, so Gulaid weiter. Und:

Das ist wirklich ein entscheidender Moment für Somalia.
Mahdi Mohamed Gulaid, stellvertretender Ministerpräsident

Obwohl die Genitalverstümmelung in Somalia bereits rechtlich gesehen verboten ist, kommen die Äußerungen überraschend – vorherige Kampagnen von Aktivistinnen und Aktivisten gegen die Praxis verliefen aufgrund der Macht von Konservativen und religiöse Gruppierungen bisher ins Nichts. Das Verbot gilt auch nur formal – eine Strafe gibt es dafür nicht. 

Die Initiative "28 Too Many" sagte, Täterinnen und Täter könnten dennoch nach dem Strafgesetzbuch verurteilt werden, welches die Verletzung anderer als kriminelles Vergehen beschreibt. (Reuters)

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Was sagen Aktivistinnen und Aktivisten?

Die Aktivistin Ifrah Ahmed sagte der "NZZ", die Untersuchung sei ein wichtiges Zeichen, selbst wenn am Ende niemand verurteilt werde. Die Journalistin Nafisa Ogle hatte Deeqas Geschichte an die Öffentlichkeit gebracht – sie ist eine entfernte Verwandte des Mädchens. Ogle sagte: "Das Traurige ist, dass die Eltern denken, die weibliche Genitalverstümmelung sei normal. Sie erkennen die Gefahren nicht."

Maggie O'Kane von der globalen Medienkampagne zur Beendigung der weiblichen Genitalverstümmelung ("Global Media Campaign to End FGM") sagte: "Der Fakt, dass der Generalstaatsanwalt aus der Deckung herauskam und ankündigte, den Fall zu verfolgen, ist außergewöhnlich." 


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