Bild: dpa/Jens Kalaene

Wer von den Vergewaltigungsvorwürfe gegen Regisseur Dieter Wedel hört, fragt sich unweigerlich sofort: Wie konnte so etwas Schreckliches mehrere Jahrzehnte lang geduldet werden? Obwohl es bereits konkrete Hinweise gab?

Jetzt äußert sich erstmals auch ein Mann zu den Missbrauchsvorwürfen. Filmemacher Simon Verhoeven ("Willkommen bei den Hartmanns") klagt seine Kollegen an: "Jeder, der in der Filmbranche eine Zeitlang gearbeitet hat, wusste von den ätzenden Geschichten über Wedel."

Ich kann nur jedem empfehlen, den Artikel über den Regisseur Dieter Wedel in der aktuellen ZEIT zu lesen. Fakt ist:...

Posted by Simon Verhoeven on Sonntag, 28. Januar 2018
Das sind die wichtigsten Stellen aus seinem Facebook-Posting: 
  • "Ich schäme mich für die Mechanismen meiner Branche, die es diesem Sadisten und brutalen Gewalttäter erlaubt haben, jahrzehntelang Frauen zu vergewaltigen und Menschen zu quälen – Geschützt durch das Schweigen der Sender, Produktionen und Filmschaffenden, die mit Wedel arbeiteten."
  • "Es wurde verharmlost, verdrängt, verschwiegen. Aus Angst. Aus Scham. Aus falsch verstandenem Respekt vor einem kranken Tyrannen und seiner Macht."
  • "Ich danke den mutigen Frauen, die ihre Scham überwunden haben und jetzt geholfen haben, diesen Mann zu entlarven."
  • "Und ich erwarte – so wie viele andere auch – vom ZDF, dem Saarländischen Rundfunk und von allen anderen Sendern und Produktionsfirmen, allen Verantwortlichen, auch aus den Filmteams, die mit diesem Drecksack jahrzehntelang gearbeitet und Erfolge gefeiert haben, daß sie jetzt schleunigst beginnen, diese Zeit aufzuarbeiten und offen zu sagen, was sie damals wußten, ahnten, in Kauf nahmen."
  • "Ich hätte mich jedenfalls über jeden Aufnahmeleiter, Kameramann, Schauspieler etc. gefreut, der diesem Scheiß-Typen einfach mal eine geknallt hätte. Schade, daß damals dazu anscheinend keiner bereit war."

Verhoeven findet klare, aber gleichzeitig auch brutale Worte. Nach seinem Posting rechtfertigt er sich: "Vielleicht ist meine Wortwahl zu hart und auch zu beleidigend. Aber es macht mich einfach wütend, dass solche Menschen unsere ganze Branche mit Schmutz besudeln und dass sie solange unbehelligt davon kommen." (Bild)

Der Fall Dieter Wedel

Mehrere Frauen werfen dem Regisseur Dieter Wedel, 75, ("Die Affäre Semmeling", "Der König von St. Pauli") sexuelle Belästigung und Missbrauch vor. Ehemalige Schauspielerinnen, unter anderem Esther Gemsch und Ute Christensen, berichten anonym oder mit ihrem Namen darüber in der "Zeit". Wedel bestreitet die Vorwürfe, seine Sprecherin teilte mit, er habe eine Herzattacke erlitten. 

Da die Fälle zum Teil mehrere Jahrzehnte zurückliegen, können sie juristisch nicht mehr verfolgt werden. Derzeit steht Aussage gegen Aussage. (SPIEGEL ONLINE

Wie geht es jetzt weiter?

Derzeit untersucht der Saarländische Rundfunk (SR) den Fall. Der Sender hatte mehrfach mit Wedel zusammengearbeitet und will das Geschehene intern aufarbeiten. Intendant Thomas Kleist hat bereits bestätigt, dass es einen Arztbericht gibt, der die Vorwürfe gegenüber Wedel bestätigen. Es handele sich um "Verdichtung von Hinweisen, noch keine Beweise". (FAZ)

Konkret geht es um die SR-Vorabendserie "Bretter, die die Welt bedeuten" von 1980. Dort soll es am Set zu Übergriffen gekommen sein. Besonders heikel: Der Sender soll damals bereits von Wedels Übergriffen gewusst haben.

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