Bild: imago / Ralph Peters
"Wir werden mit all den herzlichen Menschen feiern, vermutlich am Dom"

Das hätte nicht passieren dürfen. Vor einem Jahr verlor die Polizei die Kontrolle am Kölner Hauptbahnhof, die ohnehin chaotische Situation eskalierte. Schlägereien, Diebstähle und vor allem sexuelle Übergriffe auf Frauen sorgten für Entsetzen und Empörung. Als Täter wurden immer wieder männliche Migranten genannt.

Der Staat lässt seine Bürger mit einem Sex-Mob alleine, es gilt das Recht des Stärkeren – so fühlt sich die Situation für viele in der Silvesternacht an. Das brüllen seitdem immer wieder Rechtspopulisten und Nazis, wenn es um Flüchtlinge geht. Die Politik reagierte: Nach den Übergriffen in Köln wird das Sexualstrafrecht verschärft, auch wegen Köln gibt es neue Einschränkungen im Asylrecht.

Die Kölner Polizei, die so kläglich versagt hat, setzt nun alles daran, dass sich die Ausschreitungen und Übergriffen nicht wiederholen. Es gibt ein neues Sicherheitskonzept, mehr Beamte, mehr Überwachung und der Polizeichef sagt: "Ich verspreche Ihnen, dass Sie sich dort am Dom außerordentlich sicher fühlen können."

Was denken junge Menschen in Köln? Was haben die Übergriffe ausgelöst, fühlen sie sich sicher, wie feiern sie Silvester dieses Jahr? Das haben wir gefragt, hier sind ihre Antworten:

Theresa, 27, aus Köln

Was ich mit der Kölner Silvesternacht vor allem verbinde, ist, dass sie benutzt wird, um gegen Flüchtlinge Stimmung zu machen. Ich persönlich sehe die Ereignisse nicht zwangsläufig im Zusammenhang mit der Flüchtlingsdebatte. Klar, wenn Millionen Menschen nach Deutschland kommen, sind da natürlich auch schwarze Schafe darunter. Aber seit dieser Nacht werden Flüchtlinge unter einen Generalverdacht gestellt und das ist Quatsch.

Wenn Nazis Ausländer vermöbeln oder ein Priester sich an einem Kind vergreift, erwartet niemand, dass alle anderen der jeweiligen Zunft auf die Straße gehen und dagegen ein Zeichen setzen – von Flüchtlingen aber erwartet man genau das. Warum denn? Es wäre schön, wenn Menschen sich endlich klar machen würden, dass es nicht "die" Flüchtlinge gibt. Es wird Zeit, dass wir wieder differenzierter darüber sprechen.

Elena, 28, (mit ihrem Freund Giorgio), zu Besuch aus Italien

Wir sind zum ersten Mal in Köln. Wir haben uns bewusst für diese Stadt entschieden, weil sie offen ist und viel Geschichte hat. Nicht nur in Deutschland hat sich der Ton gegenüber Flüchtlingen leider geändert. Die Ereignisse der Silvesternacht wurden auch in Italien viel diskutiert. Ich kann nur hoffen, dass sie in Deutschland sachlicher besprochen wurden. Was da passiert ist, war extrem, und zu erklären, wie es soweit kommen konnte... Puh, ich weiß nicht, ob das möglich ist.

Deutschland ist ein tolles Land und Köln eine wunderschöne Stadt: freundlich, herzlich, entspannt. Wir werden Silvester mit all den herzlichen Menschen in der Stadt feiern, vermutlich am Dom. Natürlich hoffe ich, dass niemand sich daneben benimmt und es dieses Mal ruhiger wird. Aber ich habe keine Angst.

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Franck, 20, und Justin, 18, zu Besuch aus Frankreich

Als wir von den Ereignissen in Köln gehört haben, waren wir vor allem überrascht, dass so etwas in einem westlichen Land geschehen kann. So ganz verstehen wir es bis heute nicht. Unsere Einstellung gegenüber Flüchtlingen hat sich nicht geändert, aber die vieler anderer Menschen schon. Das ist ja nicht nur ein deutsches Problem, sondern ein europäisches. Je hitziger die Debatte wird, desto lauter müssen wir sagen: Wir sind offen gegenüber Flüchtlingen.

Gleichzeitig sollten allerdings auch schärfere Gesetze her. Wer Zuflucht sucht, den müssen wir willkommen heißen. Doch auch Abschiebungen müssen leichter möglich werden, wenn Menschen Straftaten begehen. Es gibt nunmal Regeln, an die sich alle halten müssen.

Die Ereignisse der Silvesternacht haben uns jedenfalls nicht beschäftigt, als wir unsere Reise nach Köln geplant haben. Wir kommen aus Straßburg, da gibt es ja zum Beispiel auch einen großen Weihnachtsmarkt. Und dort wie hier ist die Polizei überall präsent. Vermutlich waren wir noch nie so sicher wie jetzt – wir fühlen uns nur nicht so. Schräg, oder?

Sami, 20, aus Syrien, möchte sein Gesicht nicht zeigen

Ich bin seit etwas mehr als einem Jahr in Deutschland und in Köln. Das, was an Silvester passiert ist, war schlimm für mich. Ich bin selbst Ausländer aus Syrien, für mich ist es seitdem schwieriger geworden. Ich merke leider, dass viele Menschen mir gegenüber misstrauisch sind. Wenn ich zum Beispiel Arabisch statt Deutsch spreche, gehen sie auf Distanz. Das tut mir sehr leid.

Köln ist eine super Stadt. Ich habe sehr viel Glück gehabt und fühle mich sehr wohl hier. Aber damit das auch für andere möglich bleibt, muss die Regierung strikter werden. Wer Straftaten begeht, gehört bestraft, das gilt für jeden. Wie sollen die Menschen sonst lernen?

Für das Jahr 2017 hoffe ich einfach, dass weniger schlimme Dinge passieren und wir uns alle darüber Gedanken machen, wie man Menschen helfen und Probleme in Deutschland lösen kann.

Angela, 26, aus Köln

Ich fühle mich auf keinen Fall unsicherer als noch vor einem Jahr. Als ob so etwas jetzt noch einmal passieren würde, gerade an Silvester. Die öffentliche Debatte hat sich natürlich verändert, nicht nur durch die Silvesternacht, auch durch Ereignisse wie den Anschlag in Berlin. Mich nervt es aber, wie darüber gesprochen wird, vor allem in den Medien. Das Thema Flüchtlinge wird hochgebauscht. Dabei spielt es doch gar keine Rolle, wer Straftaten begeht, ob Deutscher oder Flüchtling.

Ich kenne aber auch Leute, deren Einstellung sich seit Silvester verändert hat. Die sagen dann: Warte ab, das wird noch viel schlimmer, hier geht bald alles hoch. Ich halte das für Unsinn. Überall sieht man nur noch Polizisten auf den Straßen. Ich finde das vermittelt eher ein bedrohliches Gefühl als ein Gefühl von Sicherheit.


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