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"Wir riskieren täglich unsere Gesundheit"

Radfahren kann tödlich sein. Allein im vergangenen Jahr sind im deutschen Straßenverkehr mehr als 380 Menschen auf dem Rad ums Leben gekommen sein. Im Schnitt heißt das: Täglich verliert mehr als ein Mensch sein Leben, wenn er oder sie mit dem Fahrrad fährt. (bento)

Beim "Ride of Silence" erinnern heute Radfahrerinnen und Radfahrer in aller Welt an diese Gefahr. Er findet jedes Jahr am dritten Mittwoch im Mai in immer mehr Städten weltweit statt. Die Teilnehmenden fahren dabei in heller Kleidung an Orte, an denen bei einem Verkehrsunfall Radfahrer ums Leben gekommen ist.

Allein in Berlin nahmen daran letztes Jahr mehr als 1.200 Menschen teil. 

Viele Radfahrerinnen und Radfahrer erleben täglich, was es bedeutet in einer Welt unterwegs zu sein, die vor allem für Autofahrer gebaut wurde. Welche Probleme gibt es? Und welche Verantwortung haben Radfahrerinnen selbst im Straßenverkehr?

Das sagen fünf Radfahrerinnen und Radfahrer aus Hamburg:

Leon, 24

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"Radwege enden im Nichts, wenn ich an einer Ampel zwischen den Autos fahre, werde ich beleidigt. Auf dem Weg zur Uni muss ich immer wieder Umwege fahren oder an Fußgängerampeln warten. Der Radverkehr hat bei uns eine sehr niedrige Priorität, finde ich. 

Viele Radler kennen ihre Rechte nicht. Dabei sollte der öffentliche Raum allen gehören. In der Großstadt ist der Platz teuer und begehrt, aber für Autos gibt es genug davon. Das finde ich falsch. In anderen Ländern wie Schweden oder den Niederlanden klappt es besser."


Kai, 33

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"Wenn wir als Radfahrer respektiert werden wollen, sollten wir uns selbst mehr an die Regeln halten. Manche Radfahrer denken, sie stehen über allen. Auf der Straße geht es oft zu wie im Bürgerkrieg: jeder gegen jeden. 

Ich denke, das hat auch mit der Angst vieler Radler zu tun. Natürlich ist man auf dem Rad sehr verwundbar. Gegen tonnenschwere Autos hat man mit zwei Reifen und ein bisschen Rahmen eben keine Chance. Aber wenn wir ernstgenommen werden wollen, sollten wir auch anderen mit Respekt begegnen."


Nora, 22

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"Ich war gerade in Israel. Seitdem weiß ich wieder, dass wir es als Radfahrer hier eigentlich ganz gut haben. Natürlich ist vieles noch nicht perfekt. Aber ich denke, manche Radfahrer legen es auch darauf an. Ich finde es heftig, wie viele keinen Helm tragen und unterwegs Musik hören. Das würde ich nie tun."


Hagen, 68

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"Ich habe selbst wenig Probleme und fühle mich sicher beim Radfahren. Wenn man selbstbewusst fährt, kommt man in Hamburg eigentlich ganz gut durch den Verkehr. Genau daran hakt es aber wohl bei manchen. Ich erlebe immer wieder, dass manche selbst nicht wissen, wie man die Straße als Radfahrer richtig nutzt.

Die meisten Autofahrer sind nett – mit wenigen Ausnahmen. Vielen wird das nicht gefallen, aber manche Menschen mit Migrationshintergrund benehmen sich im Straßenverkehr immer wieder wie Machos. Die fahren dicke Autos, sind aber nicht bereit, Fahrradfahrer als gleichberechtigte Teilnehmer zu sehen.


Tanja, 38

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"Auf dem Rad muss ich immer doppelt aufpassen. Ich darf keine Fehler machen und muss zusätzlich auf das Verhalten der anderen achten. Man ist halt der Schwächere. Erst vor kurzem habe ich wieder einen Unfall erlebt, der mich wachrüttelte. Mir ist bislang zum Glück noch nichts passiert, aber ich bin inzwischen wirklich vorsichtiger geworden.

Mich stört vor allem, wie gedankenlos viele Radwege gebaut werden. Oft sind es richtige Mogelpackungen. Immer wieder enden Radwege mitten auf einer Kreuzung. Dann stehe ich da und weiß plötzlich einfach nicht mehr, wie ich weiterfahren soll. Das ist einfach unfair und unüberlegt."


Doch auch Radfahrer in anderen Städten haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Auf einen Aufruf von bento reagierten mehrere hundert Menschen aus ganz Deutschland. Dutzende schickten innerhalb weniger Stunden ausführliche Berichte. Nicht alle Geschichten können zweifelsfrei verifiziert werden. Doch die Erlebnisse ähneln sich, immer wieder berichten Radfahrende von ähnlichen Situationen. 

Hier sind 27 weitere Berichte, die wir ausgewählt haben:

"Ich fahre jeden Tag mit dem Rad zur Arbeit. Ein Problem ist das Fehlen einer durchgängigen Infrastruktur. In Dresden enden Radwege oft abrupt. Das heißt, du musst dich als Radfahrer in den 30 km/h schnelleren Autoverkehr einordnen. Trotzdem radel ich gerne." – Gesine
"Die Radwege werden ständig von anderen blockiert. Parkende Autos, Fußgänger, Laternen, Werbeschilder... Beim Abbiegen werde ich oft ignoriert und weiter überholt. Das ist gefährlich. Ich wünsche mir eine strikt getrennte Infrastruktur, oft haben Autofahrer es besser." – Benjamin
"Ich glaube nicht, dass Autofahrer generell Radfahrer gefährden möchten. Der Abstand von 1,5 Meter wird mir trotzdem selten zugestanden. Vielen ist gar nicht bewusst, wie viel das ist. Spätestens, wenn Gegenverkehr kommt, ist es mit der Geduld der meisten vorbei. Ich wünsche mir, Autofahrer würden öfter mal aufs Rad umsteigen. – Annika
"Ich finde, der Autoverkehr sollte zurückgedrängt werden. Wir brauchen ein grundlegend anderes Bewusstsein bei Autofahrern. Wer Auto fährt, muss Rücksicht nehmen. Das wird sich wohl nur durchsetzen, wenn die Strafen für rücksichtsloses, regelwidriges Autofahren erhöht und deutlich härter durchgesetzt werden. – Martin
"Ich fahre täglich 20 bis 30 Kilometer durch Berlin. Viele Autofahrer sind einfach zu faul, sich richtig umzusehen. Das betrifft übrigens auch einen Großteil der Radfahrer. Ohne vorausschauendes Fahren wäre ich mit Sicherheit schon tot oder schwer verletzt." – Andrea
"In einspurigen Gassen werde ich fast täglich zu eng überholt. Manchmal streifen mich die Autos sogar mit ihrem Seitenspiegel. Fährt man in der Mitte, sodass Autos nicht überholen können, erntet man Aggressionen und die Autofahrer machen bei der nächsten Gelegenheit noch gefährlichere Überholmanöver." – Sven
"Seit ich fünf bin, fahre ich gerne und schnell Fahrrad, meist Rennrad. Ich weiß mich zu behaupten und kenne die Regeln. Es fehlt leider an Rücksichtnahme und Empathie. Einfühlungsvermögen in andere. Nur ohne Feindbilder besteht eine Chance auf ein friedliches Miteinander." – Brigitte
"Ich habe in den letzten Jahren etwa 15 teilweise schwerwiegende Zusammenstöße erlebt. Angriffe mit dem Radkreuz oder mit Lenkradschlössern und Eisenstangen. Der Führerschein wird von vielen als selbstverständliche Belohnung gesehen." – Tilman
"Ich radle viel in und um Köln. Einmal wurde ich so abgedrängt, dass ich beinahe gestürzt wäre. Von der Polizeibeamtin durfte ich mir anhören, dass ich mich an sowas gewöhnen sollte, da der Verkehr ja stetig zunähme. Das finde ich absolut nicht hinnehmbar." – Sophia
"Viele Probleme gibt es bei Fahrradstreifen, die zugeparkt sind und mit Autofahrern, die das Konzept einer Fahrradstraße nicht verstehen. Mich nerven aber auch Radfahrer, die penetrant über rote Ampeln fahren, auch wenn manche Ampelschaltungen irrwitzig sind." – Simon
"Geschichten kann ich viele erzählen. Vom Taxifahrer, der mich an einer Haltestelle nicht überholen konnte und so ausgerastet ist, dass er an der nächsten Kreuzung versucht hat, mich vom Rad zu zerren. Bis zu Leuten, die sich entschuldigt haben. Oft helfen direktes Ansprechen und Freundlichkeit." – Andre
"Die drei größten Gefahren sind für mich sinnlose Überholmanöver, Handys im Verkehr und rechts abbiegende Autos. Kürzlich sah ich, wie ein Radfahrer nicht mehr abbremsen konnte und über die Motorhaube flog. Zum Glück ist ihm nichts passiert." – Petra
"Oft ist es die Polizei, die mich von der Straße hupt mit dem Hinweis, ich solle den Radweg benutzen. Bezeichnend ist dabei nicht nur die Unwissenheit über die Rechtsgrundlage, sondern auch das aggressive Auftreten." – Kristian
"Es sind die täglichen Kleinigkeiten: wilde Ausweichmanöver wegen aufgerissener Autotüren, wütende Autofahrerinnen und Autofahrer. Ich wünsche mir mehr richtige Radwege, die gut ausgebaut sind, aber auch einfach ein entspanntes Miteinander." – Markus
"Autos nutzen Radwege als Parkbuchten, Radler fahren quer ohne zu gucken bei Rot über die Straße, Radler überholen rechts oder fahren als Geisterfahrer auf der falschen Seite. Rücksicht und Vorsicht gibt es nicht mehr. Wir riskieren täglich unsere Gesundheit." – Anna
"Ich war mit meiner Tochter auf dem Kindersitz unterwegs. Ein Audi A3 zog neben mich und beschimpfte mich, wie ich meine Tochter gefährden würde - er wäre mir ja fast reingefahren. Die Welt mancher Autofahrer steht auf dem Kopf." – Nikolaj
"Ich fahre täglich zehn Kilometer mit dem Rad zur Arbeit. Ich denke viele Autofahrer können sich nicht in die Situation herein versetzen, dass es ziemlich beängstigend ist, von einem tonnenschweren Auto mit weniger als einem Meter Abstand bei 50 km/h überholt zu werden." – Franziska
"Häufig überholen mich Autofahrer so eng wie nur möglich, um mir anschließend vorwurfsvoll den Radweg zu zeigen. Um ein Bewusstseinswandel herbeizuführen müssen Radwege abgebaut werden und Informationskampagnen stattfinden, dass das Fahrrad auf die Straße gehört." – Felix
"Plötzlich aufgehende Autotüren sind ein ständiges, sehr gefährliches Risiko. Die aufgemalten Markierungen auf den Wegen verleiten Radfahrer dazu, mittig auf diesen zu fahren – genau im Öffnungsbereich der Autotüren." – David
"Den öffentlichen Raum könnte man wunderbar für Radinfrastruktur nutzen. Autos gehören nicht in Städte. Sie verbrauchen viel zu viel öffentlichen Raum, stinken, fördern Krebs und die Produktion ist mehr als undurchsichtig." – Daniela
"Probleme erlebe ich praktisch immer. Viele vergessen, dass Radfahrer keinen physischen Schutz um sich haben und ein Unfall zwischen einem Auto und einem Radfahrer immer körperliche Verletzungen und auch sehr schnell den Tod des Radfahrers zur Folge haben kann." – Marc
"Es sind nicht immer die Autofahrer, die nicht aufpassen. Heutzutage fahren so viele ihr Rennrad ohne Rücksicht auf Verluste, während andere Radfahrer gemütlicher fahren." – Ira
"Generell ist es ein großes Problem, dass die Polizisten oft die Regeln selbst nicht ganz kennen. Ich wurde auch schon öfter angehalten und sollte einen nicht benutzungspflichtigen Fahrradweg nutzen." – Jonas
"Ich wurde erst gestern wieder angefahren. Aber ich will weiter Fahrradfahren, um die Umwelt zu schützen, nebenbei Sport zu treiben, schneller auf der Arbeit zu sein und einfach ein gutes Gefühl zu haben, wenn mir der Wind durch die Mähne weht." – Deniz
"Die Radwege sind oft scheiße, weil Bäume ihre Wurzeln so durchdrücken, dass man gar nicht mehr fahren kann. Wenn man dann auf dem Gehweg oder auf der Straße fährt, scheinen einen die Leute aber für rücksichtslos zu halten. Würden Straßen so aussehen, wäre der Aufschrei groß." – Kati
"Mein schlimmstes Erlebnis war ein Unfall mit Fahrerflucht, der für mich mit einer Schädelprellung endete. Der Fahrer tippte sich an die Stirn und fuhr davon. Nur Sekunden später sprang die Ampel auf grün. Ich habe es mit Hilfe von Passanten gerade noch rechtzeitig von der Fahrbahn geschafft." – Sarah
"Ein großes Problem sind Fußgänger, die auf den Radweg laufen, auch, wenn man mit einem guten Rad mal locker 40 Sachen drauf haben kann. Niemand würde vom Roller springen, aber von den Radfahrern wird das erwartet." – Robert
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Die Berichte zeigen, dass es auch im Jahr 2018 viele Probleme für Radfahrende gibt. Seit Jahren stagnieren die Unfallzahlen. Wenn sich in Zukunft daran etwas ändern soll, müssen ihre Erlebnisse ernstgenommen werden.


Today

Neue Masche: Erpresser behaupten, ihre Opfer beim Masturbieren gefilmt zu haben
Warum du darauf nicht hereinfallen solltest.

Stell dir vor, du bekommst eine E-Mail, die mit den Worten beginnt: 

"Guten Tag, masturbieren ist natürlich normal, aber wenn deine Familie und Freunde davon zeugen, ist es natürlich eine große Schande." 

In Hessen treten immer mehr dieser Fälle von "Sextortion", also sexueller Erpressung, auf. Nutzern wird erzählt, man hätte Videos von ihnen, in denen sie masturbieren. Also soll man zahlen. 

Das Landeskriminalamt warnt jetzt davor, auf diese E-Mails hereinzufallen.