Bild: dpa/Frank Rumpenhorst
Die neue Shell-Jugendstudie zeigt: Junge Menschen in Deutschland stehen Flüchtlingen weitgehend gelassen gegenüber.

Die Flüchtlingskrise ist eins der politischen Themen, die junge Leute derzeit besonders umtreibt. Das zeigen die Ergebnisse der 17. Shell-Jugendstudie, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurde. Die Einstellung der Jugendlichen ist dabei gelassen bis positiv.

Die Ergebnisse im Einzelnen:

  • Nur gut ein Drittel der jungen Erwachsenen findet, dass weniger Zuwanderer nach Deutschland kommen sollten. 2006 vertraten diese Meinung noch fast sechs von zehn.
  • 39 Prozent der Jugendlichen glauben, dass Deutschland künftig genauso viele Zuwanderer aufnehmen sollte wie bisher; 15 Prozent wollen sogar mehr Zuwanderung.
(Bild: Shell Jugendstudie 2015 / TNS)
  • Die Einstellung zur Aufnahme von Flüchtlingen wurde gesondert abgefragt. Hier ist das Bild sogar noch eindeutiger: Rund jeder Dritte will weniger Flüchtlinge aufnehmen (32 Prozent) oder genauso viele (36 Prozent). Fast ein Viertel glaubt, dass Deutschland in Zukunft mehr Flüchtlinge aufnehmen sollte als bisher.
  • Es zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen West und Ost: Während in den westlichen Bundesländern 25 Prozent der Befragten mehr Flüchtlinge aufnehmen wollen, sind es im Osten nur 15 Prozent. Für eine Begrenzung der Flüchtlingszahlen plädieren im Westen 30 Prozent (und damit noch weniger als im Bundesdurchschnitt), im Osten 44 Prozent.

Interessant ist auch: Junge Erwachsene in Deutschland haben mehr Angst vor Ausländerfeinden als vor Zuwanderern. Laut Shell-Studie fürchten sich 29 Prozent der Befragten vor Zuwanderung (2006 waren es noch 34 Prozent); vor Ausländerfeindlichkeit haben 48 Prozent Angst (gegenüber 42 Prozent 2006).

Die Befragung wurde allerdings bereits am Anfang diesen Jahres durchgeführt; in den vergangenen Monaten kamen noch einmal deutlich mehr Flüchtlinge nach Deutschland.

Die Shell-Jugendstudie

Wissenschaftler versuchen immer wieder zu ergründen, wie die Jugend in Deutschland tickt. Für die Shell-Studie befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Infratest Anfang dieses Jahres 2.558 Menschen zwischen 12 und 25 Jahren. Forscher der Universitäten Bielefeld und Dortmund sowie der privaten Hertie School of Governance in Berlin begleiteten die Umfrage. Sie können auf eine lange Datenreihe zurückschauen: Bereits seit 1953 beauftragt der Energiekonzern Shell Forschungsinstitute mit der Studie. Sie erscheint alle drei bis fünf Jahre.
Mehr Ergebnisse aus der Shell-Jugendstudie gibt es bei SPIEGEL ONLINE.