Bild: Imago
Die Reaktionen darauf sind gemischt.

Jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit und wieder zurück läuft die ehemalige Grünen-Politikerin Sigi Maurer aus Österreich an einem kleinen Geschäft für Craftbeer in Wien vorbei. 

Nachdem sie am vergangenen Mittwoch wieder einmal dort vorbeikam, hatte sie eine halbe Stunde später eine Facebook-Nachricht von dem Account des Inhabers in ihrem Postfach, schreibt sie. In der Nachricht wurde sie aufs Übelste beleidigt und belästigt.

Sigi Maurer veröffentlichte einen Screenshot auf Facebook und Twitter: 

Ziel der Veröffentlichung war es, die Menschen zum Nachdenken darüber anzuregen, bei wem sie konsumieren, sagt sie. Maurer schreibt:

Jetzt scheint mir das Geschäft von Herrn L. generell nicht von großem Erfolg gekrönt zu sein, aber ich dachte mir in einer Stadt voller Hipster schadet es ja nicht darüber zu informieren, bei welchem frauenverachtenden Arschloch man potenziell sein (craft) Bier kauft.

Maurer ruft die Menschen außerdem dazu auf, sich doch bei L. zu erkundigen, warum er Frauen belästigt, und schreibt Adresse und Öffnungszeiten des Geschäfts in den Post rein. 

Der Post wurde fast 4000 Mal geliked und etwa 1500 Mal geteilt. Unter dem Hashtag #mindyourcraftbeer verbreiten Menschen die Meldung weiter – und nehmen Maurer vor jenen in Schutz, die sie nun angreifen und sagen, sie würde L.s Ruf schädigen. 

1/12

Der Inhaber L. dagegen wehrt sich – und hatte kurze Zeit später selbst einen Facebook-Post verfasst, in dem er behauptet, er hätte die Nachricht nicht geschrieben.

Der Computer stehe öffentlich im Geschäft, jeder könne das gewesen sein, sogar ein Kunde. Inzwischen ist der Account gelöscht.

Viele glauben dieser Darstellung von L. nicht. Sie machen es unter anderem daran fest, dass sowohl die Nachricht an Maurer, als auch die "Stellungnahme" und seine Webseite alle eine gemeinsame "orthographische Eigenheit" vorweisen: Jedes Satzzeichen ist von dem vorangehenden Wort im Satz von einem Leerzeichen getrennt – was eher untypisch und grammatikalisch nicht korrekt ist. 

Auf Google haben in den letzten Stunden einige Menschen den Craftbeer Shop von L. negativ bewertet – sicher auch einer Folge von Maurers Aufruf. 

Juristisch kann Maurer nicht gegen L. vorgehen, sie sagt auf Twitter, das sei praktisch aussichtslos: 

Verbale Belästigung ist strafrechtlich in vielen Ländern immer noch nicht relevant. 

Auch gegen Catcalling kann man vielerorts nicht vorgehen. Frankreich beispielsweise hat das jetzt endlich geändert: Sexuelle Belästigung auf der Straße kostet dort in Zukunft mindestens 90 Euro. (bento

Sigi Maurer war bis 2017 noch bei den Grünen in Österreich. Sie zog sich im vergangenen Jahr aus der Politik zurück und arbeitet seither am Institut für Höhere Studien in Wien. 


Style

H&M bringt eine CSD-Kollektion raus – wir haben queere Menschen gefragt, wie sie das finden
Nicht alle sind begeistert.

H&M hat eine Pride-Kollektion entworfen. Seit heute kann man sie online und in den Filialen kaufen: T-Shirts auf denen "Equality", "Pride" und "Love" steht, geschmückt von Regenbogenfarben und Glitzer