Wir haben angerufen.

Ist Luisa hier? Es ist eine einfache Frage, die aber in einer schwierigen Situation helfen soll: Wenn Frauen sich beim Ausgehen sexuell belästigt fühlen.

Die Idee: Wenn eine Frau bedrängt wird, kann sie sich an die Mitarbeiter wenden und nach der imaginären Luisa fragen. Das Barpersonal soll dann helfen. Ein Taxi rufen, zum Beispiel. Oder an einem ruhigen Ort das weitere Vorgehen besprechen. 

Entstanden ist das Projekt Ende 2016 in Münster, wo der Frauen-Notruf mit einigen Bars zusammenarbeitet. Das Angebot sei gut angenommen worden, sagt Initiatorin Daniela Stöveken. Es hätten sich einige Gastronomen gemeldet und berichtet, dass nach “Luisa” gefragt worden sei. Mittlerweile machen in Deutschland rund 120 Bars und Kneipen mit. (Hier findet sich eine unvollständige Liste.)

Die Voraussetzungen: Das Personal sollte von einer Frauenberatungsstelle geschult werden. In den Lokalen werden dann Plakate und Flyer verteilt, die auf das Hilfsangebot aufmerksam machen. In einer Notsituation können die Frauen sich dann erst ans Barpersonal und später wieder an die Fraueninitiativen wenden.

Sexuelle Gewalt in Deutschland

2016 wurden laut Polizeistatistik 33.533 Straftaten gegen sexuelle Selbstbestimmung begangen, 6476 Fälle hiervon wurden als Vergewaltigung oder sexuelle Nötigung eingestuft. (Polizeiliche Kriminalstatistik) Dabei werden längst nicht alle Vergehen zur Anzeige gebracht.

Fast jede Frau kennt sie, diese Momente: Wenn man sich im Club plötzlich nicht mehr wohlfühlt, weil man angestarrt oder sogar angefasst wird. Und genau hier will die Kampagne helfen. Sie will beim Feiern diskret Hilfe anbieten.

Wie funktioniert das?

Wir haben in 25 teilnehmenden Bars und Kneipen angerufen und wollten wissen: Wurdet ihr schon mal nach Luisa gefragt?

Das sind ein Fünftel aller teilnehmenden Bars. Daraus lässt sich keine allgemeine Schlussfolgerung ablesen – nicht alle Lokale sind gleich lang dabei, nicht alle gleich stark frequentiert – aber eine Tendenz:

  • Von 25 Kneipen hat nur eine in Erlangen berichtet, dass schon mal nach "Luisa" gefragt wurde.
  • 3 Bar-Betreiber berichten, dass sie gezielt von Frauen angesprochen worden seien, wenn diese sich belästigt fühlten  – ohne Codewort.
Den Initiatoren geht es aber vor allem um etwas anderes:

"Es geht uns nicht darum, dass oft nach Luisa gefragt wird. Sondern darum, dass wir einen sicheren Raum für Frauen schaffen", sagt Initiatorin Daniele Stöveken. "Es geht um Prävention."

So sieht das auch Oliver Storch, Mitarbeiter des "Bogarts" in Erlangen. "Wir machen seit Ende Mai mit. Bisher hat niemand nach Luisa gefragt, sexuelle Belästigungen passieren aber mal. Die Frauen sprechen uns dann allerdings ganz direkt an. Wir schmeißen die Männer dann raus und erteilen Hausverbot." Das komme etwa einmal die Woche vor.

Und manchmal ist es eben auch mehr als Prävention: 

In Erlangen arbeitet Kathi Melcher im Kulturzentrum E-Werk. Sie arbeitet abends, bekommt einiges mit. Sie sagt: "Bisher wurde fünfmal nach Luisa gefragt."

Dreimal sei allein bei der sogenannten Bergkirchweih, einem Volksfest mit viel Bier im Juni, das Codewort ausgesprochen worden. "Das waren Frauen, die sich von ihrem Freund bedroht fühlten. Eine Frau war zum Beispiel alleine dort, plötzlich tauchte ihr Partner auf und war sehr eifersüchtig." Sie habe Angst gehabt, dass er sie schlagen würde. Deshalb hätte sie an der Bar das Codewort gesagt. 

"Die anderen zweimal waren es Frauen, die sich beim Tanzen beobachtet fühlten und denen Männer zu nah kamen. Sie wurden bedrängt. Das sind Situationen, in denen eine Hand einfach auf den Körper einer Frau wandert", sagt Kathi Melcher. 

Was passiert, nachdem nach "Luisa" gefragt wird?

Wenn eine Frau ins E-Werk kommt und nach Luisa fragt, wird sie laut Melcher in den Mitarbeiterraum geführt — hier darf sie entscheiden, wie sie mit der Situation umgehen will. "Die fünf Frauen, die nach Luisa fragten, wollten alle nach Hause."

Die Betroffenen seien dann durch einen Hintereingang rausgelassen worden. "Wenn wir wissen, welche Männer belästigt haben, werden sie rausgeschmissen und bekommen Hausverbot", sagt Melcher. In anderen Situationen sei auch schon mal die Polizei gerufen worden. 

Auch wenn in anderen Kneipen noch nicht auf diese Art um Hilfe gebeten wurde, sehen die Barbesitzer das Projekt als sinnvoll an. Eine Mehrzahl der Lokale berichtet von einem positiven Feedback.

Barkeeperin Yvonne Popp aus dem "Sax" in Erlangen erzählt, dass "einige ältere Damen" zu ihr gekommen seien. Sie hätten es schön gefunden, dass "Frauen jetzt eine Möglichkeit haben, diskret um Hilfe zu bitten". Das falle leichter, als offensichtlich "bitte helfen Sie mir" zu sagen.

Dass es sich um ein heikles Thema handelt, ist den Bar-Betreibern der Läden bewusst. "Wir hängen die Plakate sehr diskret in der Damentoilette auf, damit darüber nicht gelästert wird", sagt beispielsweise Tim Schur aus dem "Das Schön" in Essen.

Jemand, der sich jeden Tag mit dem Thema sexuelle Belästigung und der Sicherheit von Frauen auseinandersetzt, ist Anne Reichert vom örtlichen Frauenforum im nordrhein-westfälischen Unna. Ihr ist es wichtig, dass viele Gastwirte mitmachen und das Barpersonal genau weiß, wie es sich in einem Notfall zu verhalten hat. 

Reichert brachte die "Luisa ist hier"-Kampagne im Mai nach Unna

Bei einem Straßenfest machte sie den Test. Sie wollte wissen: Was passiert, wenn ich die Frage stelle?

"Ich bin auf dem Fest rumgelaufen und habe getestet, was die Wirte tun, wenn ich frage: 'Ist Luisa hier?'", sagt Reichert.

Die Reaktion sei genau richtig gewesen.

"Die Wirte sagten: 'Na klar ist sie da, komm her.' Einige haben mich dann in den Bierwagen gebeten, andere haben gefragt, ob ich Hilfe bräuchte." Zu weiteren Zwischenfällen, bei denen die Codefrage gebraucht worden sei, sei es bei dem Straßenfest nicht gekommen. "Genau das wollten wir auch erreichen", sagt Reichert: "Es geht ja vor allem um Prävention." 

Der nächste Schritt von Anne Reichert ist nun weitere Bars und Kneipen zum Mitmachen zu bewegen. Und auch beim Frauennotruf in Münster arbeitet man daran, das Projekt voranzutreiben. 

Denn Frauen sollen sich im Club sicher fühlen – immer. 

Mit diesem Brief rüttelt eine Frau die Clubszene in Jena auf: 


Gerechtigkeit

"Schau mir ins Gesicht und sag mir, ich bin nichts wert"
So mutig reagieren Soldaten auf Trumps neues Transgender-Verbot

Transgender haben laut US-Präsident Donald Trump nichts beim Militär verloren. Am Mittwoch hat er ein entsprechendes Verbot via Twitter angekündigt – weil Transgender angeblich eine zu große Belastung für die US-Truppen darstellen (bento).

Konkret twitterte Trump:
"Nach Beratung mit meinen Generälen und Militärexperten, beachten Sie bitte, dass die US-Regierung weder akzeptieren noch erlauben wird, dass Transgender an irgendeiner Stelle des US-Militär dienen sollen. 
Unser Militär muss sich auf einen entschiedenen und überwältigenden Sieg konzentrieren und kann sich nicht mit den enormen medizinischen Kosten und der Zerrüttung belasten, die Transgender mit sich bringen. Danke." (bento)

Erst 2016 waren Transmenschen im US-Militär durch Ex-Präsident Barack Obama überhaupt erstmals zugelassen worden.

Mit nur drei Tweets hat Trump also eine der größten Gleichstellungserrungenschaften der letzten Zeit zunichte gemacht.