Bild: imago/ United Archives International

Unzählige nackte Frauen, die sich auf Betten, zwischen Bäumen oder im Wasser rekeln. Die Brüste mal mit ihren langen Haaren bedeckt, oder völlig entblößt. Was klingt wie der Hintergrund für beliebige erotische Wald- und Wiesen-Filmchen, hängt in vielen Museen und Galerien weltweit an der Wand. Und niemand regt sich auf, denn das ist schließlich Kunst

Und Kunst darf alles! Freiheit der Kunst! Wer würde dem jemals widersprechen wollen?

Niemand, der sich auch nur halbwegs als aufgeklärter Mensch versteht. Das Problem ist: Mit genau diesem Argument wird gerade eine sehr wichtige Debatte niedergeschrieben und geschrieen: die Debatte um Sexismus in der Kunst. Frei nach dem Motto:

Eine Debatte um Sexismus in der Kunst? Das geht nicht, denn Kunst darf ja alles! 

Die Sache ist nur: Vielleicht wollte niemand die Freiheit der Kunst in Frage stellen. Sondern die Art, wie wir mit ihr umgehen. Wie wir sie ausstellen, betrachten, kommentieren, rezensieren. 

Denn natürlich hat es einen Einfluss auf unser Rollenverständnis, wenn wir von Kindheit an durch Museen geführt werden, in denen Frauen vorwiegend als Sexobjekte und Nymphomaninnen  ausgestellt werden – völlig unkommentiert und unhinterfragt.

Fakt ist, dass Frauen in unserer Gesellschaft lange benachteiligt waren. Hätten Frauen im 18. und 19. Jahrhundert vergleichbare Rechte gehabt wie im 21. Jahrhundert, würden heute in den Museen vielleicht mehr Bilder von nackten Männern hängen. Oder mehr Bilder von angezogenen Frauen – vielleicht gar bei der Arbeit. 

Fakt ist auch, dass Frauen in der Kunst heute immer noch nicht die gleiche  Anerkennung bekommen wie Männer: 

Künstlerinnen kriegen für ihre Kunstwerke im Durchschnitt nur halb so viel Geld wie ihre männlichen Kollegen (manager magazin). Und auch wenn Frauen auf Leinwänden überpräsent sind, so sind Künstlerinnen in Museen und Galerien deutlich in der Unterzahl. 

(Bild: Guerrilla Girls)

Die amerikanischen Aktivistinnen "Guerrilla Girls" protestieren seit über 30 Jahren gegen diese Ungleichbehandlung. Auf Plakaten halten sie fest, was Realität in vielen Museen ist: 

(Bild: Guerrilla Girls)
Künstlerinnen bekommen weniger Aufmerksamkeit und Anerkennung für ihre Werke. Kreativer Protest ist wichtig, um darauf  aufmerksam zu machen. 

Das heißt nicht, dass damit die Freiheit männlicher Künstler oder die von Kuratoren eingeschränkt werden soll - sondern dass wir uns klar machen müssen, was es bedeutet, wenn wir Kunst so rezipieren, wie wir es tun. 

Wenn wir heutzutage ein Museum betreten, dann ist es im Moment sehr wahrscheinlich, dass wir uns eine männliche Interpretation der Welt anschauen – ganz egal, ob aus dem 18. Jahrhundert oder aus der Neuzeit. 

Das muss nicht immer schlecht sein. Denn ja, Museen bilden Geschichte ab, das ist Teil ihrer Aufgabe. Auch, wenn sie Bilder aus dem 19. Jahrhundert ausstellen, auf denen das Frauenbild der damaligen Zeit deutlich wird. Damit ermöglichen sie es unter anderem, die Vergangenheit zu begreifen, Fortschritte und Rückschritte zu erkennen, unser Leben in einen Kontext zu setzen.


Ausstellungen müssen nicht nach aktuell angesagten Ideologien und Moralvorstellungen ausgerichtet werden. Aber sie sollten mit diesen abgeglichen werden.  Es geht nicht darum, die Werke der alten Meister zu zensieren. Sondern darum, sie in den richtigen Kontext zu setzen. 

Zum Beispiel, in dem wir ihre Entstehung und ihre Perspektive berücksichtigen, ansprechen und diskutieren. 

"Wenn Kunstwerke ein Frauenbild zum Ausdruck bringen, das im Widerspruch zu gesellschaftlichen Normen steht, ist die Pflicht des Museums zur Vermittlung umso größer", sagt Marion Ackermann, die Direktorin der Dresdner Kunstsammlung im aktuellen SPIEGEL. 

Wie diese Vermittlung aussehen kann, hat Anfang Februar ein Museum im britischen Manchester gezeigt: Die Kuratorin ließ das Gemälde "Hylas und die Nymphen" aus dem 19. Jahrhundert für eine Woche von der Wand nehmen. Sie wollte eine Diskussion darüber anstoßen, wie Museen und Galerien mit Bildern von nackten Frauen umgehen sollten. 

(Bild: imago/ United Archives International)

Die Aktion war ein Erfolg: Das Bild hängt mittlerweile wieder, auf der Seite des Museums kommentierten zahlreiche Besucher, und Medien aus der ganzen Welt berichteten – und auch in deren Kommentarspalten wurde wild diskutiert. 

Die nackten Frauen an dieser Wand blieben also nicht unhinterfragt. Es wurde eine Debatte angestoßen. Viele  verschiedene Menschen haben sich Gedanken darüber gemacht, ob und wie mit diesen Bildern umgegangen werden soll. 

Das ist keine Gefahr für die Freiheit der Kunst. Das ist eine gute Nachricht für die Freiheit der Frau. 


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Der CDU-Generalsekretär Peter Tauber will sein Amt niederlegen. Das melden die Tagesschau und die Deutsche Presse-Agentur. Die Medien berufen sich auf Parteikreise. Der 43-Jährige wolle seinen Rückzug bereits an diesem Montag in den Spitzengremien erklären. Auf dem Parteitag am 26. Februar soll ein Nachfolger gewählt werden können.