Eine Frau schaut mit entschlossenem Blick in die dunkle Fabrikhalle. In der Hand hält sie einen Vorschlaghammer. Vor ihr stehen Statuen – alle zeigen klischeehafte Frauenrollen: Eine hält High Heels in der Hand, eine andere ist Poledancerin und wird von Männerhänden bedrängt, wieder eine andere Skulptur zeigt einen Mann im Business-Anzug, der auf einer am Boden liegenden Frau steht. 

In den folgenden 30 Sekunden geht die Frau brüllend auf die Statuen los, zerschlägt eine nach der anderen. 

Keine besonders überraschende Metapher – aber trotzdem eine erfrischende.

Denn der Clip stammt nicht aus einem Film und ist auch kein Video von feministischen Aktivisten. Es ist eine Werbung, die zwischen Germany's Next Topmodel und dem Bachelor laufen könnte. Da man solche Szenen selten in der Werbung sieht, wurde der Spot nun für sein fortschrittliches Frauenbild ausgezeichnet.

Am Donnerstag hat der Verein Pinkstinks zum ersten mal den "Pinken Pudel" vergeben. Es ist der erste Positiv-Preis für Werbung in Deutschland. Bisher gab es nur negative Auszeichnungen, wie den "Zornigen Kaktus" der Organisation "Terre des Femmes". 

"Pinkstinks" setzt sich seit Jahren gegen Sexismus und Stereotype in der Werbung und den Medien ein. Im vergangenen Jahr bekamen sie vom Bundesfamilienministerium den Auftrag, zwei Jahre lang deutsche Werbekampagnen auf Geschlechterdiskriminierung zu beobachten. Damit Bürger negative Beispiele aus der Werbung melden können, wurde die Plattform Werbemelder.in eingerichtet. Wer sich die anschaut, ist meist schockiert, was für Plakate und Anzeigen es selbst 2018 noch gibt. 

Hier haben wir mit ihnen darüber gesprochen:

Doch immer nur gegen böse Beispiele kämpfen, macht keinen Spaß. Sie wollten auch mal loben – und so ist der "Pinke Pudel" entstanden. Nun wurde er erstmals verliehen. 

Der Sieger 2018 heißt: Hornbach!

Und zwar mit diesem Clip, der den Titel "Niemand hat gesagt, dass es einfach wird" trägt:

Die Begründung der Jury: Hornbach habe gezeigt, dass man kreative und erfolgreiche Werbung machen kann ohne Stereotype zu benutzen – und sogar gegen sie anzukämpfen. Außerdem zeichne sich das Unternehmen seit Jahren durch einen fortschrittlichen Ansatz in ihrer Werbung aus. 

Verantwortlich für die Umsetzung des Clips ist die Agentur "Heimat". Bei der Preisübergabe sagten deren Vertreter: "Wir wollten dem Kundenwunsch 'Macht doch mal was mit Frauen!' nachkommen. Und wir wollten unbedingt eine Zerstörungsorgie" – also habe man einfach beides kombiniert.

Was ist Pinkstinks?

Als Stevie Schmiedel vor einigen Jahren eine Geburtstagsfeier für ihre Zwillingstöchter veranstaltete, lagen auf dem Geschenketisch hinterher nur rosa Dinge: die Mädchenvariante von Lego, ein Mädchen-Monopoly, viel rosa Glitzer. 

Stevie hatte genug von den ständigen Geschlechterklischees und gründete den Verein "Pinkstinks". 

Dieser kämpft seitdem mit Netzkampagnen, Öffentlichkeitsarbeit und Bildungsprogrammen gegen Sexismus in der Werbung und in den Medien sowie gegen Gender-Stereotype bei Kinderprodukten.

Seit August 2017 hat "Pinkstinks vom Bundesfamilienministerium die Aufgabe, zwei Jahre lang die deutsche Werbeindustrie zu überwachen. Das Ziel: Die Auswertung soll zeigen, ob es ein Gesetz gegen Sexismus und Stereotype in der Werbung braucht. 

Zur Preisverleihung im Hamburger Schanzenviertel kamen mehrere hundert Menschen, die meisten aus der Werbeindustrie. "Wir freuen uns sehr über das große Interesse und danken für die Offenheit", sagte Pinkstinks-Vorsitzende Stevie Schmiedel bei der Eröffnung der Veranstaltung. Es zeige, wie sehr die Industrie auch selbst daran interessiert sei, sich zu verändern.

Trotzdem: Selbst nach ausgiebiger Suche und einem Aufruf, Vorschläge einzusenden, waren im Vorfeld des "Pinken Pudels" nur sechs Nominierungen zusammengekomen. Bei einer Diskussionsrunde nach der Preisverleihung vermutete Ralf Nöcker, Geschäftsführer des Gesamtverbandes der Kommunikationsagenturen und einer der Jurymitglieder, es hätten sich eben nicht genug Menschen an der Einsendung beteiligt. Doch wer sich in der Werbelandschaft umsieht, merkt schnell: Es gab nicht viel, was man hätte einreichen können. 

So war einer der Nominierten die Deutsche Bahn – nur weil sie in einer Stellenanzeige nach einer "Elektronikerin (m/w)" sucht:

Eine Frau wird auf einer Anzeige für einen technischen Job abgebildet – und es wird auch noch die weibliche Ansprache verwendet: Dass man sich darüber so sehr freue, sei ziemlich traurig, findet Stevie Schmiedel. Aber so etwas sei in Deutschland leider noch immer selten zu finden, daher sei jeder kleine Schritt besser als gar keiner.

Ausgelutschte Klischees, wie die perfekte, weiße Familie, in der die Frau stets die passive Rolle spielt, seien noch immer für viele Werbetreibende die einfachere und sichere Variante, so Werbetexterin Sabine Cole, die ebenfalls in der Jury für den Preis saß. 

Aus Angst würde noch immer häufig behauptet, Werbung sei eben ein Spiegel der Gesellschaft. Aber das stimmt nicht: Werbung schafft Normalität. 

Durch die Bilder, die sie zeigt – und denen man nicht entkommen kann, weil sie überall hängen oder ausgestrahlt werden – gewöhnt man sich an bestimmte Vorstellungen davon, wie man selbst oder das Leben zu sein habe. Über diesen Effekt sind sich alle Diskussionsteilnehmer einig.

Auch die Frauentags-Aktion von Rossmann, das jetzt "Rossfrau" heißt, wurde auf der Bühne diskutiert. 

Auf der Pudel-Bühne fällt zu Rossmann das Fazit: An sich nur eine Marketing-Strategie, die zwar feministisch tut, aber am Ende nur Frauen Rabatte auf Haushaltsprodukte gibt – ziemlich klassisches Rollenbild. Doch allein die Tatsache, dass auf diese Weise der Weltfrauentag überhaupt in die Aufmerksamkeit des Mainstreams gerate, sei schon etwas Besonderes, so Schmiedel.

Vielleicht sind Aktionen wie der Pudel ein Anreiz für die Werbeindustrie, mutiger zu sein und kreativere Ideen zu suchen, anstatt sich immer wieder auf dieselben langweiligen Klischees zu berufen. 

Es gibt jedenfalls noch weitere Chancen: Der Preis soll ab jetzt jedes Jahr vergeben werden. Hoffentlich gibt es in Zukunft mehr schöne Beispiele, unter denen die Jury auswählen kann.


Musik

Diese 8 Vögel singen schöner als Ed Sheeran
Und trotzdem verlegt ihretwegen niemand Konzerte.

Prominenz hat gewiss ihre Vorteile. Hast du es einmal zum Promi-Status geschafft, tanzen auf einmal alle nach deiner Pfeife – und versuchen alles, um es dir recht zu machen. Manchmal auch auf Kosten anderer.

So geschieht es gerade auch im Ruhrgebiet: Am Flughafen Essen-Mülheim will man einen seltenen Vogel umsiedeln, um ein Konzert des Megastars Ed Sheeran zu ermöglichen. Schon im März soll die Zwangsräumung der wehrlosen Feldlerchen beginnen. (SPIEGEL ONLINE)

Tierschützer sind davon nicht begeistert. Und auch wir fragen uns: Muss das wirklich sein? Denn eigentlich kann Ed Sheeran nichts, was Vögel nicht auch können – singen halt.

Hör dir zum Beispiel die Feldlerche an, die Ed nun weichen soll: