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Jenna Behrends hat einen offenen Brief geschrieben. Wir haben mit ihr gesprochen

Jenna Behrends ist Mitglied der CDU. Und sie ist wütend: Ihrer Meinung nach behandelt die Partei ihre Frauen sexistisch, alte Männerrunden hindern junge Politikerinnen am Aufstieg. Um daran etwas zu ändern, hat die 26-Jährige einen offenen Brief auf Edition F geschrieben: "Warum ich nicht mehr über den Sexismus in meiner Partei schweigen will."

Am Freitag hat der Brief direkt für Ärger in der CDU gesorgt. Jenna wirft unter anderem dem Berliner CDU-Chef Frank Henkel Sexismus vor. Ihrer Schilderung nach brachte sie ihre Tochter zu einem Parteitag mit. Henkel soll erst zu dem Kind gesagt haben: "Oh, eine kleine süße Maus." Und sich dann an die Mutter gewandt haben: "Und eine große süße Maus." In einem späteren Moment habe er einen Kollegen über Jenna befragt: "Fickst du die?"

Henkel hatte vergangenen Sonntag bei der Berlinwahl das schlechteste Wahlergebnis der Berliner CDU seit 1948 eingeholt (bento). Jenna zog bei der Wahl als Lokalpolitikerin in die Bezirksverordnetenversammlung Berlin-Mitte ein. Die Anschuldigungen kommentierte Henkel zunächst nicht. Er zeigte sich auf Anfrage nur "verwundert" (SPIEGEL ONLINE).

Auf bento spricht Jenna jetzt über ihre Erfahrungen in der CDU – und die Reaktionen auf ihren Brief.

bento: Dein Brief war ziemlich wütend. Welches Erlebnis hat dich dazu bewogen, ihn zu schreiben?

Jenna Behrends: "Der Auslöser war wohl die Burka-Debatte der vergangenen Wochen. Es gab da einen Moment, bei dem ich als einzige Frau mit zwölf Männern bei einer Tagung saß. Keiner hörte mir zu, keiner fragte überhaupt nach meiner Sicht auf das Thema.

Alle wussten schon, dass die muslimische Frau auf jeden Fall befreit werden muss. Als ich eine andere Sicht präsentieren wollte, wurde ich als 'naiv' und 'weltverbesserisch' beschimpft. Einer sagte, sie seien halt bessere Feministen als ich. Und ich dachte mir bloß: Aha, ausgerechnet ihr!"

Über Jenna Behrends

Jenna ist 26 Jahre alt und macht gerade ihren Abschluss in Jura. Seit anderthalb Jahren engagiert sie sich in der CDU. Sie lebt mit ihrer Tochter in Berlin.

Weil sie sich alles andere als feministisch geben?

"Ja, weil sie sonst in den gleichen Runden hörbar über die 'schönen großen Brüste' von Kolleginnen tratschen. Und weil sie vor allem auf junge Kolleginnen immer so von oben herab argumentieren – es ist einfach die ganze Art und Weise, wie in der CDU über Familienpolitik nachgedacht wird. Mich stört zum Beispiel, wenn Kollegen mir vorschreiben wollen, wann ich meine Tochter in die Kita bringen darf und wann nicht. Dabei ist das eine meine politische Arbeit und das andere Privatsache."

Das schreibt Jenna in ihrem Brief:
"Liebe Partei, ich weiß, du lästerst gerne bei zu viel Bier."
"Aber die junge Frau, die bereit wäre, sich [...] hochzuschlafen, gibt es nur in deiner schmutzigen Fantasie."
"Kannst du dir in deiner kleinen Welt wirklich nicht vorstellen, dass ich als junge Mutter meine Freizeit lieber mit meiner Tochter verbringen würde, als in einer Männerrunde?"
"Ich wollte [einer Freundin] vom Abgeordneten erzählen, der besonders aktiv Gerüchte über meine angeblichen Affären verbreitetet, weil er mich offenbar als Konkurrenz sieht..."
"und vom Senator, der einen Kollegen aus dem Abgeordnetenhaus vor meiner Nominierung fragte: 'Fickst du die?'."
Auch die Frauenunion kritisiert Jenna: Dort finde man keine Verbündete, sondern nur Konkurrentinnen. "Auch wenn ich mich anfangs mehr am angeblichen Hochschlafen gestört habe..."
"...bin ich mir unschlüssig, ob ich den 'Die-hat-zu-große-Ambitionen'-Vorwurf von einer anderen Frau nicht noch vernichtender finde."
Trotz oder wegen des ganzen Sexismus denkt sich Jenna: "Politik ist zu wichtig, um sie hauptsächlich alten Männern zu überlassen."
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Du schilderst in deinem Brief vor allem Begegnungen mit einem Berliner Senator – dem CDU-Spitzenpolitiker Frank Henkel. Wie hat er auf deinen Brief reagiert?

"Er sagt lediglich, er sei sehr verwundert. Dass er die Vorwürfe nicht dementiert, sagt also meiner Meinung nach alles."

Und wie reagierte der Rest der CDU?

"Sehr unterschiedlich: Der Vorstand hat sich nicht bei mir gemeldet, lediglich die Vorsitzende der Frauenunion äußerte sich auf Facebook. Sie hat versucht, meine Anschuldigungen herunterzuspielen.

Allerdings deckt sich das nicht mit den Leserbriefen, die ich bekommen habe: rund 200 E-Mails und etwa gleich viele Meldungen auf Facebook. Darin haben mir andere Politikerinnen zu meinem Mut gratuliert und sich bedankt. In vielen Nachrichten berichten mir Frauen, dass sie ähnliche Erfahrungen gemacht haben."

Sexismus findest du in der Politik unabhängig vom politischen Spektrum.

Und die sind alle aus der CDU?

"Nein, nicht nur. Ich habe auch Zuschriften von Politikerinnen der Grünen, der FDP, der SPD. Es ist also nicht nur ein CDU-Problem – Sexismus findest du in der Politik überall, unabhängig vom politischen Spektrum."

Wie gehst du mit den Erfahrungen um?

"Es ist auf jeden Fall sehr belastend – und ich habe lange darüber nachgedacht, mich aus der Politik wieder zurückzuziehen. Aber dann dachte ich mir, jetzt erst recht! Ich will hier was verändern, also ist die einzige Reaktion auf die Männerbünde noch mehr Engagement. Ich habe jetzt einen Posten als Lokalpolitikerin und damit bin ich glücklich. Auch wenn es nach dem Brief jetzt sicher erst mal nicht so einfach laufen wird."

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