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Serbien hat zum ersten Mal in seiner Geschichte eine Frau als Regierungschefin. 

Am Donnerstag ernannte Präsident Aleksandar Vucic die 41-jährige Ana Brnabic zur Premierministerin. Sie ist außerdem das erste Regierungsmitglied, das offen homosexuell lebt. Das sorgt in dem größtenteils konservativen Land für gespaltene Reaktionen.

Was du über Ana Brnabic wissen musst:
Sie ist erst vor einem Jahr in die Politik gegangen.

Im August holte Vucic, der damals noch Premierminister war, die Parteilose in sein Kabinett als Ministerin für Öffentliche Verwaltung. Nachdem Vucic nun im April zum Präsidenten gewählt wurde, übergab er sein vorheriges Amt an Brnabic. 

Vor ihrem Eintritt in die Politik arbeitete Brnabic als Wirtschafts- und Verwaltungsfachfrau. Studiert hat sie in den USA und in England, machte danach Karriere als Projektleiterin bei der US-Entwicklungshilfeorganisation USAid und als Direktorin einer US-Windkraftfirma in Serbien. Sie gilt als pro-europäisch und international sehr gut vernetzt. (SPIEGEL ONLINE)

Ihre Homosexualität ist für viele im Land ein Problem.

Auf dem Balkan ist Homophobie noch immer weit verbreitet. In Serbien sind 80 Prozent der Bevölkerung orthodoxe Christen und Homosexualität ist für viele ein Tabu. Die Serbisch-Orthodoxe Kirche hat sich offen gegen Brnabics Nominierung ausgesprochen. Und auch in Vucics nationalpopulistischer Regierungspartei SNS regt sich Widerstand.

Die LGBT-Community feiert es – zumindest größtenteils.

LGBT-Menschen haben es in Serbien nicht leicht. In der Vergangenheit wurden in der Hauptstadt Belgrad sogar schon Pride Paraden abgesagt – "aus Sicherheitsgründen", wie es hieß. In den vergangenen Jahren fanden sie stets unter großem Polizeischutz statt. 2016 nahm Brnabic an der Parade teil und ließ sich fähnchenschwingend fotografieren. Das gefiel der Community.

Ana Brnabić, the premijerka!

Posted by www.gayecho.com on Donnerstag, 15. Juni 2017

Nach ihrer Ernennung zur Premierministerin schrieb die Seite "Gayecho", der Schritt sei:

"von historischer Bedeutung für Serbien und die gesamte Region. Was die LGBT-Community in Serbien sich bis vor ein paar Jahren noch nicht als eine Möglichkeit vorstellen konnte, wird heute Realität."

Kritiker sind allerdings der Meinung, das Ganze sei nur Augenwischerei: "Das Problem ist, dass die wahren Situation der Menschenrechte in Serbien damit maskiert wird", sagte der Bürgerrechtsaktivist und Organisator der Belgrader Pride Goran Miletic zum Guardian. Die Ernennung einer LGBT-Premierministerin würde seiner Meinung nach nur als Beweis dafür benutzt werden, dass in Serbien die Menschen- und Bürgerrechte geachtet werden. "Das ist nicht realistisch", sagte er.


Obwohl sie nun Regierungschefin ist, wird sie nur wenig Macht haben.

Präsident Vucic hat bereits angekündigt, dass Brnabic hauptsächlich für die wirtschaftlichen Aspekte der Regierung zuständig sein wird. Um die politische Seite soll sich der sozialistische Außenminister Ivica Dacic kümmern. Generell wird erwartet, dass Vucic in seiner neuen Rolle als Präsident noch genau so viel Macht haben wird wie bisher. Sowohl Dacic als auch Brnabic seien ihm gegenüber sehr loyal. (Zeit Online)

Die Ernennung von Brnabic könnte also eine Strategie von Vucic sein, um gegenüber der EU besser dazustehen. Seine Politik gilt ansonsten eher als nationalistisch und autoritär. Serbien ist seit 2012 Beitrittskandidat für die EU.


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