Alle guten Dinge: Was motiviert junge Leute? Folge 1: Seenotretterin Mattea

Menschen kämpfen auf dem offenen Meer um ihr Leben, sie können nicht schwimmen, versuchen sich verzweifelt über Wasser zu halten, schreien, schlagen um sich. Mattea Weihe hat solche Szenen immer wieder erlebt. Als Crewmitglied des Schiffes "Sea-Watch 3" hat die 28-jährige Studentin Menschen aus Seenot gerettet.  

Mattea hat an Bord die Aufgabe, den ersten Kontakt zu in Seenot geratenen Menschen aufzubauen. Sie muss herausfinden, welche Sprache sie sprechen und sensibel auf die Extremsituation eingehen, in der sich die Geflüchteten oft schon seit vielen Tagen befinden. Manche von ihnen sind krank, oder haben auf der Flucht Familienmitglieder oder Freunde verloren. Diese Arbeit bringt Mattea manchmal an ihre Grenzen.

„Da ist man ja im Leben nicht drauf vorbereitet, jemandem zu erzählen, dass eine Person vermutlich ertrunken ist.“
Mattea

Für ihren Einsatz im Mittelmeer und ihr Engagement bei Demonstrationen und im Verein "Sea Watch" bekommt Mattea kein Geld, keine Aufwandsentschädigung. 

Im Gegenteil: Engagierte in der Seenotrettung werden oft sogar angefeindet, ihnen wird vorgeworfen, sie würden Geflüchtete dazu animieren, die gefährliche Flucht über das Mittelmeer auf sich zu nehmen.

Wie verarbeitet Mattea, was sie auf dem Schiff erlebt? Was movitiert sie, weiter zu machen? Das erzählt sie oben im Video. 

Videoreihe: "Alle guten Dinge"

In unserer Reihe "Alle guten Dinge" sprechen wir mit aktiven jungen Menschen über ihr Engagement. Welche drei Dinge sind es, die sie motivieren? Oder inspirieren? Die ihnen helfen, weiter zu machen? Die Videoserie zeigt, wofür junge Menschen sich einsetzen, was sie persönlich antreibt – und was sie dazu brauchen. 


Gerechtigkeit

Aktivist und Autor Ali Can: Wie radikal müssen wir Integration denken?
Ein Interview über neue Ideen für unser Miteinander.

Als Ali Can zum ersten Mal klar wurde, dass das mit der Integration alles nicht so schwer ist, war er an Weihnachten bei einem Kumpel. Seine eigene Familie, Kurden aus der Südtürkei, war erst vor Kurzem nach Deutschland gekommen und feierte kein Weihnachten. Also ging Ali zu einem Schulkameraden und lernte, was Deutsche so "zwischen den Jahren" machen. 

Heute sagt Ali, dass genau darin der Schlüssel von Integration liege: Nicht in der Frage, ob man Weihnachten feiert oder nicht, sondern ob man akzeptiert, dass die Feiertage für jeden etwas anderes bedeuten.

Diese Erkenntnis hat Ali Can zu seinem Lebensinhalt gemacht – mit seiner Arbeit will er zeigen, wie Integration in Deutschland gelingen kann.

Der Aktivist spricht seit 2016 unter seiner "Hotline für besorgte Bürger" mit Menschen, die das mit der Integration eher kritisch sehen. Im Sommer 2018 hat er mit der Hashtag-Aktion "MeTwo" auf die Probleme von Deutschen mit Migrationshintergrund aufmerksam gemacht. In seinem neuen Buch "Mehr als eine Heimat" macht er den Versuch, Deutschsein neu zu definieren. 

Kurzum: Ali versucht, Integration radikal neu zu denken – und nicht nur auf Zuwanderinnen und Zuwanderer zu beschränken. 

Wie genau er sich das vorstellt fragen wir ihn im Interview.