Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit dem Mitglied von Sea-Watch.

Ruben Neugebauer hat Sea-Watch mit aufgebaut. Seit Anfang 2015 war die ständig wachsende Organisation für Seenotrettung an der Rettung von weit über 35.000 Menschen beteiligt. Sea-Watch besteht vor allem aus engagierten Freiwilligen aus ganz Europa und finanziert sich komplett über Spenden. 

Bei Sea-Watch kümmert sich Neugebauer neben der Kampagnenarbeit auch um den Bereich Luftaufklärung. Der Fotojournalist machte extra einen Flugschein, um für Sea-Watch aus der Luft nach Menschen in Seenot suchen zu können. 

Wir haben mit Ruben Neugebauer über die größten Herausforderungen für das kommende Jahr gesprochen.

Was war dein größter Erfolg im vergangenen Jahr?

Ich möchte gleich vorweg klarstellen: Wir arbeiten im Team. Das war kein persönlicher Erfolg von mir allein. 

Als die Lifeline mit 243 Menschen an Bord vor Malta ausharren musste (bento), haben wir von Sea-Watch es gemeinsam mit anderen Organisationen geschafft, Bundesländer und Städte dazu zu bringen, sich gegen den Bundesinnenminister zu stellen. Sie haben gesagt, dass sie sehr wohl die Kapazitäten haben, Menschen in Not bei sich aufzunehmen (bentobento). Die Seebrücke-Bewegung ist gestartet, über 100.000 Menschen waren für sichere Häfen und für das Recht auf Flucht auf der Straße. Das macht Mut weiterzumachen. 

Welche Herausforderung gab es dabei – und wie hast du sie gemeistert?

Wir zivilen Seenotretterinnen und Seenotretter durchkreuzen das Konzept der EU-Staaten, Migration um jeden Preis zu verhindern. Die EU lässt Menschen lieber ertrinken oder völkerrechtswidrig nach Libyen zurückbringen, als dass sie in Europa ankommen. 

Auf Regierungsebene gibt es schlicht kein Interesse, das Sterben auf dem Mittelmeer zu beenden. Statt mit Staaten zu verhandeln, traten wir deshalb an Städte und Bundesländer heran. Die waren durchaus bereit, Geflüchtete bei sich aufzunehmen – Zehntausende gingen dafür auf die Straße. Fast 30 Städte sind jetzt sichere Häfen.

Unsere Forderung ist auch eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Wir wollen, dass die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte konsequent angewendet wird. Auf die hat man sich vor 70 Jahren mit gutem Grund geeinigt, gerade Konservative sollten dem doch zustimmen.

Leider ist das aktuell überhaupt nicht selbstverständlich. Gegen unsere Kapitänin Pia zum Beispiel wird in Italien wegen Beihilfe zur illegalen Einreise ermittelt. Ihr und einigen Weiteren drohen 20 Jahre Haft für das Retten von Menschenleben und weil sie sich konsequent an internationales Recht gehalten haben.

Was ist dein persönlicher Wunsch für 2019?

Langfristig wünsche ich mir, dass Sea-Watch überflüssig wird – weil niemand mehr sein Leben riskieren muss, um zu fliehen. Wir brauchen sichere und legale Fluchtwege.

In diesem Zusammenhang wünsche ich mir, dass Bewegungs- und Reisefreiheit für alle wieder eine Forderung der CDU wird, so wie das zu den Zeiten des Eisernen Vorhangs war. Nur weil es jetzt keine weißen Deutschen sind, die fliehen, hat sich an der Richtigkeit dieser Forderung nichts geändert.

Ich wünsche mir außerdem ein Ende der Kriminalisierung von Seenotrettung. Wir retten Menschenleben – das sollte keine Diskussion sein. Ich möchte mit Freundinnen und Freunden wie unserer Kapitänin Pia weiter an italienischen Stränden Urlaub machen können, das hilft dann auch der Wirtschaft dort, vielleicht müssen dann Flüchtende nicht mehr als Sündenbock herhalten, für das was unser Wirtschaftssystem angerichtet hat.

Und da es im Märchen immer drei Wünsche sind: Ich wünsche Horst Seehofer einen dicken Pickel an den Hintern.

Was brauchst du, um es umzusetzen?

Wir müssen zeigen, dass Solidarität ein mehrheitsfähiges Konzept ist. Die großen Demos im Herbst von "Welcome United" bis "Unteilbar" waren da ein guter Anfang. Das macht Mut, wir werden uns ein solidarisches Europa der Vielen erkämpfen.

19 für 2019

Sie helfen Menschen in Not, retten Bäume für das Klima, kämpfen für faire Löhne, engagieren sich gegen Rechts, streiten für Gerechtigkeit und sind ganz einfach Vorbilder: Wir stellen 19 junge Menschen vor, die uns 2018 inspiriert haben – und von denen wir 2019 noch viel hören werden. Hier geht es zur Übersicht


Gerechtigkeit

19 für 2019: "Mein Grundeinkommen" macht unsere Welt ein bisschen gerechter
Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit Meera Leilani Zaremba und den Verfechtern des Grundeinkommens.

Die Grundidee ist schnell erklärt: Alle Bürgerinnen und Bürger bekommen ein bedingungsloses Grundeinkommen – vom Kassierer bis zur Top-Managerin. Ähnlich wie beim Kindergeld, das alle Eltern bekommen, egal wie viel sie verdienen. 

Meera Leilani Zaremba, 27, ist Verfechterin so eines Grundeinkommens. Sie hat Politische Soziologie an der London School of Economics und Sozialwissenschaften in Düsseldorf studiert und engagiert sich im Vorstand von "Mein Grundeinkommen".

Das Team forscht, stößt Debatten an und will noch mehr Leute zum Mitmachen bewegen. Außerdem verlosen sie ein Grundeinkommen. Ihre Vision: Eine Gesellschaft, die sich für alle gut anfühlt.