Die Schweiz hat jetzt ihren eigenen Aufschrei: Unter dem Hashtag #SchweizerAufschrei teilen Schweizerinnen auf Twitter seit einigen Tagen ihre Erfahrungen mit Sexismus im Alltag. Auslöser für diese Debatte war ein Interview der SVP-Politikerin Andrea Geissbühler mit dem privaten Fernsehsender Telebärn. ("Neue Zürcher Zeitung")

In dem Interview sagte sie, es sei möglich, dass bei Vergewaltigungen Opfer auch eine Mitschuld hätten:

"Naive Frauen, die fremde Männer nach dem Ausgang mit nach Hause nehmen und dann ein bisschen mitmachen, aber plötzlich dennoch nicht wollen, tragen ja auch ein wenig eine Mitschuld. Da sind die bedingten Strafen vielleicht gerechtfertigt."

"Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht", sagt Franziska Schutzbach zu bento. Franziska ist Geschlechterforscherin an der Uni Basel und bloggt als Netzfeministin. Sie hat den Hashtag ins Leben gerufen. "Wichtig war, diese Themen wieder zu politisieren, damit Frauen realisieren, dass sie mit ihren Erfahrungen nicht alleine sind."

Als Reaktion auf ihren Tweet berichten nun Frauen und Männer über ihre Erfahrungen mit Alltagssexismus in der Schweiz. Die beschriebenen Situationen gehen von anrüchigen Bemerkungen über Grapschen hin zur Diskrimierung.

Eine Auswahl der Tweets als Slideshow:
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Laut Franziska sei die Aufmerksamkeit dringend nötig:

"Wenn ich Sexismus kritisiere und dafür ein 'Fick dich Schlampe' zu hören bekomme, dann wird klar: Ich habe Recht.

Frauen hätten zu lange nicht füreinander eingestanden: "In der Schweiz war da in den letzten Jahren wirklich tote Hose."

Jetzt habe der Hashtag eine neue Solidarität hervorgerufen, auch mit Männern, die sich engagieren. Franziska erhofft sich, dass nun alle gemeinsam mehr über "Machtstrukturen" in der Gesellschaft diskutieren.

Die Aufmerksamkeit funktioniere – viele Schweizer Medien berichteten über die Debatte:

Auch in Deutschland gab es vor drei Jahren eine Aufschrei-Debatte. Frauen teilten ihre Erfahrungen mit diskriminierenden Alltagserfahrungen auf Twitter, nachdem die Journalistin Laura Himmelreich im Magazin "Stern" über eine Begegnung mit dem damaligen FDP-Fraktionsvorsitzenden Rainer Brüderle, geschrieben hatte.

Brüderle hatte an der Bar zu ihr gesagt:

"Sie können ein Dirndl auch ausfüllen."

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