"Wir sind die erste feministische Regierung der Welt"

Schweden ist mal wieder einen Schritt voraus: Die Regierung hat am Freitag eine neue Behörde eingeweiht – die "Gender Equality Agency"

Es ist der logische nächste Schritt für die schwedische Regierung. Denn sie bezeichnet sich selbst als "die erste feministische Regierung der Welt" – und will ihr Kernthema in allen Bereichen des Lebens zur Priorität machen. (Schwedische Regierung)

Die Behörde ist dem Ministerium für Gesundheit und Soziales untergeordnet und soll:
  • Alle Initiativen der Regierung und Kommunen zur Gender-Gleichstellung koordinieren. Dazu gehören alle Lebensbereiche – von Bildung und Gesundheit bis zur unbezahlten Arbeit im Haushalt und Gewalt gegen Frauen. 
  • Die Fortschritte in diesen Bereichen analysieren.
  • Die nationale Strategie zur Bekämpfung der Gewalt von Männern gegen Frauen unterstützen.
  • Die internationale Kooperation zur Gender-Gleichberechtigung vorantreiben.

Am Freitag fand in Göteborg die offizielle Eröffnung statt. Asa Regner, die Ministerin für Kinder, Senioren und Gender, hatte zuvor gesagt, die Behörde solle dabei helfen, dass "die feministische Politik der Regierung deutliche Auswirkungen hat und das Leben der Menschen verändert".

Schweden liegt schon an der Spitze.

Laut eines Reports des European Institute for Gender Equality liegt Schweden europaweit auf Platz eins, was die Gleichstellung von Frauen angeht. 

Das Institut sah sich die Jahre 2005-2015 an und verglich die 28 EU-Länder anhand von Faktoren wie Macht, Bildung, Geld, Gesundheit und Gewalt. Die Länder, in denen Frauen die besten Chancen auf ein gleichberechtigtes Leben haben, bekamen die höchste Punktzahl. 

Schweden erreichte in diesem Index 82,6 von 100 möglichen Punkten. Der EU-Schnitt lag bei 66,2 – Deutschland lag mit 65,5 Punkten knapp darunter. 

Asa Regner sieht den Grund für Schwedens Erfolg in der gezielten, jahrelangen Arbeit für mehr Gerechtigkeit. Doch sie sagt auch, dass es noch viel zu tun gibt: "Die Regierung will, dass Frauen und Männer dieselben Möglichkeiten haben, die Gesellschaft und ihr Leben zu formen – und das ist noch nicht der Fall", sagte sie in Bezug auf den Index. (Schwedische Regierung)

Auch in Deutschland gibt es Gleichstellungsbeauftragte – nur anders.

In Deutschland gilt aktuell: Jede Behörde mit mehr als 100 Mitarbeitern muss eine oder einen Gleichstellungsbeauftragte/n haben. Diese Person hat die Aufgabe, die internen Abläufe sowie geplante Initiativen der Behörde daraufhin zu prüfen, ob sie für die Gleichstellung von Männern und Frauen förderlich sind. 

Aber: Diese Person hat nur eine beratende Funktion.

Schweden hat übrigens auch ein neues Gesetz gegen sexuelle Übergriffe eingeführt.


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