Bild: Arne Immanuel Bänsch/dpa

Schwarzfahren – fast jede und jeder von uns hat es schon einmal gemacht. Manche machen es häufiger und kommen damit ganz gut durch, andere gehen dafür sogar ins Gefängnis

Denn Schwarzfahren ist – anders als beispielsweise Falschparken – eine Straftat. Bei den meisten großen Verkehrsbetrieben werden Wiederholungstäter beim dritten Mal angezeigt. Dann droht eine Geldstrafe – und wer die nicht bezahlt, der kann auch im Gefängnis landen. Im Jahr 2016 traf das allein in Berlin etwa 400 Menschen.

Die Berliner Landesregierung will das jedoch ändern: Mit einer Bundesratsinitiative sollen die Gesetze geändert und Schwarzfahren künftig so entkriminalisiert werden. Damit soll vor allem die Justiz entlastet werden – der Aufwand der Strafverfolgungsbehörden stünde zur Tat "in keinem vernünftigen Verhältnis", sagte Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller bereits im November. (Berliner Morgenpost)

Hier erzählen vier Menschen, die regelmäßig ohne Fahrschein fahren, weshalb sie das tun – und was sie von den Plänen halten.

Andreas*, 18

Wenn ich Bahn fahre, tue ich das schwarz. Meistens so zweimal pro Woche. Mir sind die Tickets einfach zu teuer, ein Jahresticket lohnt sich für mich nicht. Oft müsste ich sonst überlegen, ob ich zu Freunden fahre oder nicht. Diese 6,40 Euro beeinflussen mich also sehr stark in meinen Entscheidungen – aktuell wäre es die Hälfte meines Taschengeldes.

Bislang wurde ich erst einmal erwischt und musste die 60 Euro zahlen. Sollte das noch einmal passieren, würde ich darüber nachdenken, ob ich weiterhin schwarz fahre. Solange das nicht der Fall ist, mache ich mir aber keine Gedanken. 

Deshalb fände ich die Abschaffung der Strafen sehr gut. Ich denke, dass es sehr viele Menschen gibt, die es sich einfach nicht leisten können. Wenn man Menschen mit Freiheitsstrafen dafür bestraft, dann ist das total unangemessen – vor allem, wenn es Drogenabhängige oder Obdachlose trifft.

Hannah*, 30

Ich habe mit dem Schwarzfahren angefangen, als ich nach dem Studium arbeitslos wurde. Am Anfang habe ich nicht drüber nachgedacht. Das Studi-Ticket war einfach nicht mehr im Geldbeutel. Als es mir dann klar wurde, habe ich kurz überlegt, was ich mir so leisten kann – und weitergemacht. ÖPNV ist in Deutschland wirklich verdammt teuer.

Tickets habe ich nur gekauft, wenn ich mit meiner Mutter oder Freundinnen unterwegs war. Vor ihnen wollte ich nicht erwischt werden, das wäre mir peinlich gewesen. Zum Glück ging fast zwei Jahre lang alles gut.

Inzwischen habe ich einen Job und ein Abo-Ticket. Das ist auf jeden Fall angenehmer. 

Wenn man an jeder Haltestelle aus dem Fenster schaut und den Bahnsteig nach Kontrolleuren abscannt, macht mindestens eine Stunde des Tages keinen Spaß mehr.
Hannah

Ich finde die Berliner Initiative gut. Noch besser wäre es allerdings, den öffentlichen Nahverkehr einfach gleich kostenfrei zu machen. Wir reden die ganze Zeit davon, wie man Busse und Bahnen attraktiver machen könnte, und dass es viel zu viele Autos in den Innenstädten gibt. Das wäre ein Weg. Mobilität sollte keine Frage des Geldbeutels sein. 

Wird Schwarzfahren bald straffrei? Darüber wird in Berlin gerade gestritten:

SPD, Grüne und Linke in Berlin wollen, dass Schwarzfahren künftig nur noch als Ordnungswidrigkeit zählt. Damit gäbe es immer noch Geldstrafen, Wiederholungstäter müssten aber nicht mehr ins Gefängnis. Die rot-rot-grüne Landesregierung will so Gerichte entlasten und die Kosten für die Justiz senken. Um das Vorhaben umzusetzen, plant die Landesregierung eine Bundesratsinitiative.

Die BVG reagierte skeptisch auf die Ankündigung. Sie fürchtet nach Angaben einer Sprecherin, "dass die Schwarzfahrerquote dadurch deutlich steigt". Auch CDU und FDP sind gegen den Plan. "Schwarzfahren legalisieren zu wollen, bedeutet eine gefährliche Verlotterung unseres Rechtssystems", so der rechtspolitische Sprecher der CDU, Sven Rissmann.

Jonas*, 18

Früher bin ich jeden Tag zur Schule schwarzgefahren. Mittlerweile besitze ich jedoch eine Jahreskarte, da ich schon mehrmals erwischt wurde und sonst mit einer Anzeige zu rechnen hätte. 

Aufgrund der wenigen Kontrollen gehe ich ein geringes Risiko ein. Sollte ich erwischt werden, ist es immer noch günstiger. Ich ärgere mich über Preiserhöhungen und die oft mangelhafte Sauberkeit in Bussen und Bahnen.

Ich wurde schon dreimal erwischt, das hatte aber keine weiteren Konsequenzen für mich.
Jonas

Jemanden fürs Schwarzfahren einzusperren, finde ich zu penibel. Schwarzfahrende sollten meiner Meinung nach nicht mit Schwerkriminellen über einen Kamm geschoren werden. 

Für mich ist Schwarzfahren eher mit Ordnungswidrigkeiten wie beispielsweise zu schnelles Autofahren zu vergleichen. Ein Bußgeld ist dennoch legitim, weil es der Abschreckung dient und die Autorität der Bahn als Unternehmen unterstreicht.

Kristof*, 22

Aktuell finanziert mir mein Arbeitgeber mein Ticket, davor bin ich aber seit meinem Schulabschluss immer schwarzgefahren, also beispielsweise auch zur Arbeit. In der Bahn habe ich dann schon darauf geachtet, ob Kontrolleure einsteigen. Das war kein entspanntes Bahnfahren. 

Ich fahre schwarz, einfach weil es mir zu teuer ist. Ich könnte es bezahlen, aber es würde sich schon deutlich bemerkbar machen, wenn ich mir jeden Tag für sieben Euro ein Ticket holen würde. Dazu bin ich einfach nicht bereit.

Erwischt wurde ich schon mehrmals – nach dem dritten Mal kam ich schon ins Grübeln. Ich überlegte öfter, ob ich jetzt wirklich schwarzfahren muss, und war dabei auch ein bisschen nervöser. Ein Freund, der schon viel häufiger erwischt wurde, sagte mir aber, dass man einfach immer rechtzeitig bezahlen sollte, dann würde auch nichts weiter passieren. Das hat mich beruhigt.

Schwarzfahren nicht mehr als Straftat zu behandeln, halte ich für extrem vernünftig. Es ist völlig absurd, dass man dafür in den Knast gehen kann. Das ist für mich kein Verbrechen.

*Die Namen wurden auf Wunsch der Gesprächspartner geändert. Sie sind der Redaktion bekannt.

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Klar, "Game of Thrones" ist krass und jeder hat es gesehen. Aber auch in Deutschland gab es schon Serien, die allen im Gedächtnis geblieben sind. Vor allem die Nullerjahre waren voller Serien-Klassiker: GZSZ, "Verliebt in Berlin" oder auch Gerichtsshows wie "Richter Alexander Hold". 

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