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Hautstraffung, Implantate und Botox bei Tieren – what?

Sie haben ihren eigenen Frisör, ihre Abteilung in der Designer-Boutique und ein persönliches Nagel-, äh, Krallen-Studio. Hunde. Es gibt Besitzer, die ihnen Leinen mit Strasssteinchen oder enge Pullover kaufen. Besitzer, für die Hunde mehr sind als nur treue Begleiter auf langen Spaziergängen und überhaupt im Leben – Besitzer, die ihre Hunde zu Stars machen wollen.

Doch die Perfektionierung des Tieres hat nun eine neue Dimension erreicht: Es gibt Leute, die ihrem Hund eine Schönheitsoperation verpassen lassen.

Wenn das eine Ohr zu sehr hängt oder die Falten im Gesicht ein bisschen zu tief gehen, dann helfen Menschen nicht mehr nur bei sich selbst nach, sondern auch beim Hund.

Hunde sind natürlich am schönsten – findet der Fotograf Andrius Burba und macht besondere Fotos von ihnen:
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"Vor kurzem kam eine Hundebesitzerin in meine Praxis, ich sollte ihr Tier operieren", sagt Corinna Cornand, Hamburger Tierärztin. "Die Zitzen der Hündin hangen etwas herunter, weil sie Welpen bekommen hatte – und das sollte ich mit einer Hautstraffung korrigieren. Ich habe natürlich gesagt, dass ich das nicht mache." 

Die Nachfrage nach schönheitschirurgischen Eingriffen bei Tieren sei gestiegen. "Ich lehne diese Operationen ab, weil sie nur dem menschlichen Auge dienen und der Gesundheit des Hundes schaden", sagt Cornand, die auch Vorstandsmitglied des Tierschutzvereins in Hamburg ist. "Er hat Schmerzen, er leidet, wenn er sinnlos operiert wird."

Manche ihrer Kollegen sehen das anders – in Deutschland, aber vor allem auch im Ausland. So hat sich eine Tierklinik in Los Angeles darauf spezialisiert, kastrierte Hunde mit Silikonhoden auszustatten – damit Rüden weiterhin männlich aussehen. Kim Kardashian ließ ihrem Boxer bereits vor einigen Jahren solche künstlichen Hoden verpassen. 

Hunde leiden, wenn sie sinnlos operiert werden
Corinna Cornand

Dasselbe bietet auch die Gießener Uniklinik an, die Fachtierärztin Sandra Goericke-Pesch hat dort schon einigen Vierbeinern Silikonimplantate in den Hodensack operiert. "Ich hatte viele Hundebesitzer, die aus optischen Gründen keine Kastration ihres Rüden wollten, die Operation aber medizinisch notwendig war", sagt sie (Stuttgarter Zeitung). 

"Für mich stand letztendlich im Vordergrund, dem Hund zu helfen, und dafür kriegt er halt von mir aus ein Hodenimplantat – wenn es die Leute glücklich macht."  Doch das genau diese Implantate gefährlich werden können, scheinen viele zu missachten: "Das sind Fremdkörper, die Infektionen auslösen können", sagt Corinna Cornand.

Noch mehr natürlich schöne Hunde – Christian Vieler fotografiert sie, wenn sie nach einem Leckerli schnappen:
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Eine andere Klinik in São Paulo, Brasilien, bietet die folgenden Hunde-Operationen an: Augenlifting, Nasen-Korrektur, Fettabsaugung – und Hautstraffung.  Die Klinik gehört Edgard Brito, Tierarzt. Sein Ziel: die falsche Position von Ohren oder Schwänzen zu korrigieren oder beim Äußeren des Tieres etwas nachzuhelfen. Brito möchte den rassetypisch-perfekten Hund schaffen, sagt er selbst – zum Beispiel mithilfe von Botox (Dogster). 

"Botox ist ein Nervengift, das zu Lähmungen im Gesicht führen kann", sagt Cornand dazu. Nicht nur beim Menschen, auch bei Tieren. Brito aus São Paulo begründet sein Vorgehen so: "Je attraktiver die Besitzer ihren Hund finden, desto mehr Aufmerksamkeit schenken sie ihm auch." 

Bekomme der Hund mehr Aufmerksamkeit, steige seine Lebensqualität. Eine bizarre Rechtfertigung für das sinnlose Aufschneiden der Tiere.

Denn der Hund selbst wünscht sich sicherlich keine Verschönerung. Sein Halter entscheidet für ihn, sobald er das Tier operieren lässt – und der Hund muss mitmachen, ob er will oder nicht. "Nicht vergessen", sagt Cornand: "Einem Hund ist es völlig egal, wie er aussieht."


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Wissenschaftler warnen: Meeresspiegel steigt viel stärker als gedacht

Der Klimawandel lässt die Meeresspiegel offenbar wesentlich schneller ansteigen, als bislang gedacht. Und auch die Höhe soll sich drastisch verändern: Bis 2100 könnte das Meer 1,70 Meter höher sein, als heute. Das berichten Wissenschaftler des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie in einem Papier, das dem NDR vorliegt (Tagesschau).