Bild: Kleiner Fünf SH
"Willst du mit mir wählen gehen?"

An diesem Sonntag wird in Schleswig-Holstein ein neuer Landtag gewählt. Und das erste Mal hat auch die AfD in Deutschlands nördlichstem Bundesland eine Chance auf Sitze im Parlament. Das macht vielen Menschen Sorgen.

Auch den Aktivisten vom Bündnis "<5" ("Kleiner Fünf"). Die Bewegung macht sich deswegen gegen einen Wahlerfolg der rechten Partei stark.

Dafür wollen die Aktivisten vor allem junge Menschen gewinnen. Denn: Bei der Landtagswahl dürfen erstmals auch 16-Jährige ihre Stimme abgeben. Die Jungen könnten also den entscheidenden Ausschlag geben, ob die AfD die Hürde von fünf Prozent nimmt – und es in den Landtag schafft. 

Wie werden sie entscheiden? 

Und wie bekommt man sie dazu, sich für Politik zu interessieren, und die Wichtigkeit der Wahl zu begreifen? Diese Fragen will Kleiner Fünf beantworten – und die AfD am Einzug in den Landtag hindern

Aaron Jessen, einer der Organisatoren, hat mit bento über die Aktion gesprochen:
Was genau ist das Ziel von Kleiner Fünf?

Wir glauben, dass sich die überwiegende Mehrheit der jungen Leute für eine offene und tolerante Gesellschaft entscheidet. Wir fordern auf, aktiv zu werden. 

Durch eine hohe Wahlbeteiligung junger Menschen können wir verhindern, dass Rechtspopulisten in den schleswig-holsteinischen Landtag gewählt werden, weil sie dann eher an der 5-Prozent-Hürde scheitern. Deshalb der Name, "Kleiner Fünf". 

Wen meint ihr mit "populistische Parteien"?

Wir denken an die Parteien, die sich offensichtlich eine Welt von gestern wünschen und mit einfachen Lösungen die vielschichtigen Herausforderungen unserer Zeit beantworten wollen. In Schleswig-Holstein sehen wir diese Positionen zurzeit bei der AfD.

(Bild: Jessen (privat))

Aaron Jessen

Aaron, 28, kommt aus Flensburg. Er hat in Göttingen Politik und Wirtschafts- und Sozialgeschichte studiert. Heute arbeitet er in Schleswig-Holstein an einem Bildungszentrum und ehrenamtlich in der Jugendarbeit. 

Warum wäre es schlecht, wenn die AfD in den Landtag einzieht?

Wir wünschen uns eine offene, tolerante und demokratische Gesellschaft, die alle Menschen unabhängig ihrer Herkunft, Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Religion mit einbezieht. Ziehen Rechtspopulisten in den Land- oder Bundestag ein, dann erhalten ihre politischen Forderungen, die die Gesellschaft spalten und bewusst Ängste schüren, mehr Gehör und Einfluss auf die politische Debatte. 

Können wir ihren Einzug in die Parlamente verhindern, wird ihren Angst- und Ausgrenzungsbotschaften weniger Aufmerksamkeit geschenkt und unsere Gesellschaft weniger verunsichert.

Zum Weiterlesen:

Für welche Art von Politik setzt ihr euch denn ein?

Dazu haben wir einmal folgendes formuliert: "Wir sind überzeugt, dass Egoismus, Misstrauen und Isolation die falschen Wege sind. Wir teilen die Erfahrung, dass 'miteinander' fast immer besser ist als 'gegeneinander'. Dass es sich lohnt, etwas, das einem fremd ist, erst einmal kennenzulernen, bevor man es ablehnt. Wir sind davon überzeugt, dass alle Menschen die gleichen Rechte haben sollen."

Wir machen deutlich, dass wir gegen rechtspopulistische Positionen stehen, aber sagen niemandem, welche Entscheidung zu treffen ist.
Aaron Jessen, Kleiner Fünf
Wie genau geht ihr vor? 

Radikal höflich! Wir machen online und offline auf die Wahl in Schleswig-Holstein aufmerksam. Im Mittelpunkt unserer Initiative steht unser Slogan: "Willst du mit mir wählen gehen?". Wir sagen niemandem, welche Entscheidung zu treffen ist. Informationsangebote gibt es viele, wie zum Beispiel den Wahl-O-Mat, auf den wir auf unserer Homepage aufmerksam machen.

Dazu haben wir Ringe aus Silikon mit einer <5-Gravur herstellen lassen. Die Ringe sind auffällig und erleichtern es einem, über die Landtagswahl ins Gespräch zu kommen, da man oft auf die Ringe angesprochen wird. Wir wünschen uns, dass die Menschen sich so gegenseitig motivieren, zur Wahl zu gehen. Man kann die Ringe auch für 3 Euro "offline" kaufen, viele Geschäfte, Cafés und Bars haben uns angesprochen und wollten die gerne bei sich auslegen. Mit dem Erlös finanzieren wir unsere Aktionen.

So sieht das aus: 
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Wer seid ihr?

Wir sind ein bunter Haufen aus Schülerinnen und Schülern, Studierenden, FSJlern, Selbstständigen und Angestellten, die ganz unterschiedliche Interessen verfolgen. Sich zum Beispiel bei den Pfadfindern, im Sportverein, im Chaostreff oder für Geflüchtete engagieren. Was uns eint, ist das gemeinsame Ziel und das Bewusstsein, dass es sich lohnt, für unsere Überzeugungen einzustehen und etwas zu bewegen.

Um hinterher nicht sagen zu müssen "Ach hätten wir doch bloß …"
Aaron Jessen
Wie seid ihr zusammengekommen? 

Ich habe mich Ende vergangenen Jahres mit Freunden über meine Bedenken zur aktuellen politischen Situation ausgetauscht. Brexit, Trump-Wahl und die steigende Zustimmung für die AfD machten uns zugleich ratlos und wir fühlten uns ohnmächtig. 

Das ging vielen in unserem Umfeld so. Und daraus ist dann Kleiner 5 Schleswig-Holstein gewachsen. In der Landtagswahl sahen wir eine Chance, endlich aktiv zu werden, mitzubestimmen und diesen Tendenzen etwas entgegen zu setzen. Auch um hinterher nicht sagen zu müssen: "Ach hätten wir doch bloß."

Inzwischen sind wir gut 40 Leute, die aktiv vernetzt sind und Aktionen durchführen. 

Wie bezahlt ihr das alles?

Die bundesweite Kampagne wird auch von der Bewegungsstiftung gefördert. Wir in Schleswig-Holstein haben aber alles aus eigener Tasche oder durch Spenden finanziert. Wir haben das Glück, dass unter uns viele talentierte Menschen sind, die ihre Fähigkeiten ohne Gegenleistung zur Verfügung stellen. Die Homepage, Social Media und so weiter machen wir alles ehrenamtlich

Sollte am Ende trotzdem ein Überschuss entstehen, wird dieser einem gemeinnützigem Verein gespendet.

Wie reagieren die Menschen auf euch? 

Die Rückmeldungen sind fast ausschließlich positiv. Negative Resonanz gab und gibt es ab und an in sozialen Netzwerken. Der Zuspruch für unsere Aktion ist aber wesentlich höher. 

Viele Sportvereine haben Foto-Aktionen mit unseren Bannern gemacht, Läden legen die Ringe aus – ebenfalls eine super Unterstützung! Alles zusammengenommen gibt uns das viel Rückenwind und überwiegt jegliche Kritik oder Pöbelei die hier und dort aufkommt. 

Und es zeigt uns, wie viele – vor allem junge – Leute in Schleswig-Holstein es wichtig finden, zur Wahl zu gehen und andere mitzureißen.


Art

Yay! J.K. Rowling gründet einen Online-Lesezirkel für "Harry Potter"-Fans

Selten wurde wohl ein Buch-Jubiläum so groß gefeiert: Nicht nur verkündete J.K. Rowling, dass zum 20. Geburtstag von "Harry Potter und der Stein der Weisen" das Buch als Neuauflage in die Läden kommen soll (bento). Jetzt eröffnet sie auch noch zu Ehren des ersten Teils der Potter-Serie den Wizarding World Book Club, wie auf Rowlings Fan-Portal Pottermore berichtet wurde.