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Was das bedeutet.

Wenn Frauen in Saudi-Arabien sexuell belästigt wurden, hatten sie bisher keine Chance, gegen ihren Peiniger vorzugehen. Das soll sich nun ändern: Ein neues Gesetz stellt Übergriffe und Belästigungen künftig unter Strafe.

Wer in Saudi-Arabien übergriffig wird, kann künftig mit Haft von bis zu fünf Jahren und einer Geldstrafen in Höhe von umgerechnet knapp 70.000 Euro bestraft werden. Dem entsprechenden Gesetzesentwurf wurde am späten Dienstagabend vom Schurarat, dem saudischen Pseudo-Parlament, zugestimmt. Das teilte die saudische Nachrichtenagentur SPA mit. (Arab News)

Frauen wurden in Saudi-Arabien über Jahrzehnte als Menschen zweiter Klasse behandelt – das Gesetz bedeutet für sie eine wichtige Neuerung.

Der Schurarat teilte mit, die Einführungen der Strafen würde eine längst überfällige Gesetzeslücke schließen: 

"Das Gesetz zielt darauf, sexuelle Belästigung zu bekämpfen, zu verhindern und Strafen für entsprechende Angreifer zu verhängen. Es soll Opfer und deren Privatsphäre, Würde und persönliche Freiheit schützen, die nach islamischen Regeln und Gesetzen garantiert sind."

Es ist nicht die erste Besserung, die es derzeit für Frauen in Saudi-Arabien gibt. Die Maßnahme passt zu einer ganzen Reihe von Reformen, die der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman voranbringt.  

Der 32-Jährige gilt unter jungen Saudis als Star, wird von allen nur "MbS" abgekürzt. 70 Prozent der Saudis sind unter 30, das Durchschnittsalter liegt bei 27 (CNN). Viele leben längst sehr viel moderner, als es ihnen die Greise im Königshaus vorschreiben wollen – und glauben nun, ihr "MbS" kann das Land wirklich öffnen. 

Allerdings besteht der Wandel, den Mohammed bin Salman verspricht, bisher vor allem aus Worten – nicht aus Taten.

Das sind die Maßnahmen, die kommen sollen:

Er hat die "Vision 2030" gestartet – um Start-ups zu fördern und erneuerbare Energien voranzubringen. Und vor allem, um Frauen mehr Rechte einzuräumen.
Lange waren Frauen bevormundet, jetzt dürfen sie arbeiten, ohne einen Mann um Erlaubnis zu bitten und Sozialleistungen nutzen (mehr bei bento).
Noch eine überraschende Änderung: Frauen dürfen erstmals Auto fahren (mehr bei bento).
Das strenge Verhüllungsgebot soll fallen. Es gibt keinen Schleierzwang, hat Salman im Frühjahr 2018 verkündet (mehr bei bento).
Und auch ein Mädchenrat wurde erstmals gegründet – der gezielt Schülerinnen fördern soll (mehr bei bento).
Auch für Touristen soll Saudi-Arabien geöffnet werden: MbS will mehrere Inseln im Roten Meer zum Ferienressort ausbauen. Offen ist, ob Alkohol und Bikinis erlaubt werden (mehr bei bento).
Außerdem soll am Roten Meer für mehr als 420 Milliarden Dollar eine neue nachhaltige Megacity entstehen, "Neom" genannt.
Und selbst das Kino-Verbot wurde aufgebaut. 35 Jahre lang durfen Saudis nicht in Kinos gehen – nun ist das wieder möglich (mehr bei bento).
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Vor allem der Kampf ums Fahrrecht zeigt aber, dass sich für Frauen nicht wirklich viel bessert. 

Am 24. Juni soll das Fahrverbot für Frauen aufgehoben werden. Sie dürfen dann erstmals im Auto selbst am Steuer sitzen.

Um an den Führerschein zu kommen, werden ihnen Hürden auferlegt. In den vergangenen Wochen sind in Saudi-Arabien die Preise für Fahrstunden stark angestiegen – allerdings nur für Frauen:

Anfang Mai hatten die Behörden außerdem mehrere berühmte Aktivistinnen festgenommen, die jahrelang für die Aufhebung des Fahrverbotes gekämpft hatten. Die Frauen wurden aus ihren Wohnungen verschleppt, im Netz werden sie als "Terroristinnen" verunglimpft.

Erst am Dienstag hatten die Vereinten Nationen Saudi-Arabien aufgefordert, Auskunft über den Verbleib der Frauen zu geben und deren Rechte zu wahren. Ob sie die Einführung der Fahrerlaubnisse in Freiheit erleben können, bleibt völlig unklar: 


Fühlen

Weil er schwul ist, darf Hannes kein Blut spenden – er macht es trotzdem

Hannes* ist 21, er ist schwul und hat mehrmals pro Jahr Sex. Trotzdem geht er regelmäßig Blut spenden. Eigentlich darf er das nicht.

Homosexuelle Männer waren bis 2017 völlig von der Blutspende ausgeschlossen. Das galt unter anderem ebenso für männliche und weibliche Prostituierte, sowie für Heterosexuelle mit häufig wechselnden Sex-Partnern. 

Diese Regelung wurde von Schwulenverbänden als "diskriminierend" bezeichnet, schließlich ging sie davon aus, dass Homosexuelle grundsätzlich häufig ihre Sex-Partner wechselten. Es war wie ein Generalverdacht: Du bist schwul, dann bist du ein potenzielles HIV-Risiko. (Spiegel Online)