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Möchte das streng konservative Land nun etwa auch Touristinnen Bikinis erlauben?

Saudi-Arabien ist: eine Monarchie, die Frauen unterdrückt, Kriege führt und Waffen durch seinen Ölreichtum finanziert.

Saudi-Arabien will werden: ein touristenfreundliche Erholungs-Oase, in der man gerne mit Bikini am Strand liegen würde.

So wirkt es auf jeden Fall, wenn man von den neuen Plänen des saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman hört. Salman ist 31 Jahre alt, Verteidigungsminister und so etwas wie der heimliche Regent hinter seinem Vater, König Salman ibn Abd al-Aziz.

Jetzt will er auf mehreren Inseln im Roten Meer Luxusresorts errichten – und so Saudi-Arabien auf die Zukunft vorbereiten.

Die saudische Regierung sagte, die Gesetze auf den Inseln sollen sich an "internationalen Standards" orientieren. Das bedeutet: Sie könnten vor allem für Frauen weniger streng ausfallen. Selbst das Tragen eines Bikinis könnte möglicherweise erlaubt werden – obwohl sonst strenge Kleidervorschriften gelten. (CNN)

Die Anlage soll nachhaltig und umweltbewusst konzipiert werden. Auf den Inseln wird es Luxusvillen geben, Zielpublikum sind Touristen aus Europa und den USA (Arab News). Baubeginn ist für 2019 geplant, 2022 soll das Touri-Paradies schon fertig sein. Salman verspricht ein "Tourismuszenturm von Weltrang".

In der Theorie sieht es erst mal hübsch aus:
Woher kommt der Sinneswandel?

Bisher verlässt sich Saudi-Arabien fast komplett auf Einnahmen aus Ölverkäufen. Aber das Geschäft geht schlecht. Also hat Salman die "Vision 2030" ins Leben gerufen, einen gesellschaftlichen Reformversuch (bento). 

  • Zu der Vision gehört, Unternehmen ins Land zu holen und die Start-up-Szene zu fördern. 
  • Außerdem sollen mehr Frauen Arbeitsplätze finden. Allein in den kommenden drei Jahren sollen mehr als 140.000 Jobs für Frauen geschaffen werden ("Arab News"). Um das überhaupt zu ermöglichen, wurden bereits im Mai Gesetze für Frauen gelockert – sie dürfen jetzt ohne Genehmigung ihres Mannes arbeiten, Universitäten besuchen und Sozialleistungen nutzen (bento).
  • Und Saudi-Arabien soll dem Tourismus geöffnet werden. Bestenfalls macht die konservative Monarchie den luxuriösen Emiraten am Golf Konkurrenz.
Was bedeutet das für die Frauen im Land?

Das lässt sich schwer sagen. Bisher müssen sich Frauen nach wie vor komplett verhüllen, dürfen nicht Auto fahren und nicht ohne Erlaubnis eines Mannes verreisen (bento). Die Regierung begründet all diese Gesetze mit islamischen Regeln – auch wenn sich im Koran solch explizite Verbote gar nicht finden lassen.

Wenn nun Luxusresorts am Roten Meer gebaut werden, dann werden saudische Frauen dort wohl erst mal nicht im Bikini herumlaufen. Trotzdem könnten diese Inseln zu einem freiheitlicheren Ort werden, der auf den Rest des Landes abstrahlt. Oder Kommerz für reiche Westler, die wegschauen. 

Saudi-Arabiens Erzfeind Iran ist ebenfalls sehr konservativ – doch hat mit der Insel Kisch längst so ein Urlaubsparadies, wo alles lockerer zugeht (SPIEGEL ONLINE).

Dass sich etwas ändert, zeigt dieser Vorfall: 

Vor wenigen Wochen snapte eine junge saudische Frau Bilder im Minirock. Sie wurde festgenommen. Aber es ging gut aus:

Die Überschrift hatte zunächst suggeriert, dass Saudi-Arabien Bikinis im Luxusresort erlauben will. Die Aussage der Regierung lässt diesen Rückschluss nicht zu. Wir haben die Überschrift korrigiert.


Streaming

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