Bild: Screenshot Twitter
Ihr Vorschlag ist ein Lehrstück über Gleichberechtigung in der arabischen Welt.

Es war ein einfacher Tweet von Nadine al-Budair, der eine gigantische Kontroverse auslöste:

"Religiöse Evolution heißt, dass wir beim Gebet neben oder auch mal vor Männern stehen können und nicht immer hinter ihnen. Islam ist eine Religion der Gleichberechtigung."

Ein revolutionärer Ansatz für eine saudi-arabische TV-Moderatorin, denn:

Im Islam beten gläubige Muslime fünfmal am Tag. Wer kann, kommt in der Moschee zusammen, dort leitet ein Imam das Gebet. Traditionell stehen die Männer vorn, die Frauen müssen in den hinteren Reihen Platz nehmen. 

Fast immer sind sie sogar in einem abgeschirmten Raum untergebracht, der Imam wird über Lautsprecher zugeschaltet. Viele Männer fühlen sich sonst beim Gebet "abgelenkt", ist die absurde Meinung von Religionsgelehrten.

Nadine al-Budair wollte an dieser überholten Eintstellung rütteln – und auch Frauen als Vorbeterinnen ins Gespräch bringen.

Doch stattdessen wurde die Moderatorin für ihren Vorschlag angefeindet. Den Tweet hat sie mittlerweile gelöscht. Hier hat jemand einen Screenshot erhalten: 

"Das ist der gelöschte Tweet von Medienstar Nadine al-Budair", steht im Tweet.

Al-Budair arbeitet für "Rotana", einen beliebten Satellitensender, der im gesamten arabischen Raum empfangen wird. Man kann ihn ein bisschen als arabisches MTV begreifen. Sie selbst lebt in den Vereinigten Arabischen Emiraten anstatt in Saudi-Arabien.

In ihren Sendungen rüttelt al-Budair regelmäßig an den Glaubensregeln des Islam. Sie kämpft damit gegen den Stillstand in der arabischen Welt – die Gleichstellung von Mann und Frau gehört dabei zu ihren wichtigsten Themen. (Al Ghad)

Vor allem Männer regten sich über Nadine al-Budairs Vorschlag auf. Und beleidigten sie auf Twitter:

"Du hast hier für mich rote Linien überschritten, Nadine."

"Ihr Intellekt und Glaube ist minderwertig ... was soll man anderes erwarten?"

Frauen hingegen bestärkten sie – und wissen, dass noch viel Arbeit vor ihnen liegt.

Die Nutzerin schreibt: 

Im Islam standen Frauen 1400 Jahre lang hinter den Männern. Wir haben noch einen langen Weg vor uns.
Mit ihrer liberalen Einstellung ist al-Budair also nicht allein. 

In Saudi-Arabien kämpfen Frauen für mehr Gleichberechtigung. Es gibt junge YouTuberinnen, die an gesellschaftlichen Regeln rütteln (bento), ein Mädchen zeigte sich jüngst im Minirock auf Instagram (bento). Diese Aktionen lösen fast immer große Debatten aus. 

Die Politik zieht langsam und zögerlich nach – immerhin wurde das rückständige Fahrverbot für Frauen abgeschafft (bento) und Frauen neue Jobs in Aussicht gestellt.

Der Wandel in Saudi-Arabien wird vor allem vom Kronprinz Mohammed bin Salman vorangetrieben. Er hat eine Öffnung des Landes versprochen.

Allerdings treibt er gleichzeitig den Krieg im Jemen voran und stiftet Chaos im Libanon und in Syrien. Viele der neuen Frauengesetze könnten nur Ablenkung sein – um seinem populistischen Kurs einen liberalen Anstrich zu geben. 


Fühlen

Wie rede ich mit meiner Freundin über meine sexuellen Vorlieben?
Sie mag es laut und wild, ich eher ruhig. Und jetzt?
Angelo, 28, fragt: