Seit Sonntags 0 Uhr ist Saudi-Arabien ein anderes Land: In dem erzkonservativen Königreich ist es Frauen nun erstmals erlaubt, selbst Auto zu fahren. Bislang hatten religiöse Hardliner ihnen das verboten. Doch im vergangenen Jahr stellte saudische Kronprinz Mohammed bin Salman ein Ende des Verbots in Aussicht. 

Nun ist das Fahrverbot aufgehoben – und die Frauen in Saudi-Arabien posten jubelnd Videos und Bilder ihrer ersten Minuten hinterm Steuer.

Unter den Hashtags #SaudiWomenDriving und der arabischen Entsprechung قيادة_المرأة_للسيارة# zeigen Hunderte Frauen ihre Erlebnisse, Illustratoren feiern den Tag mit Bildern und auch Männer posten Nachrichten, in denen sie ihre Frauen, Schwestern, Mütter oder Töchter feiern.

Hier sind die glücklichsten Posts aus Saudi-Arabien:

Diese Nutzerin teilt ihre erste Fahrt beim Morgengrauen. Sie sagt:

Für alle Frauen in Saudi-Arabien, für ganz Saudi-Arabien, ist das ein neuer Morgen, ein neuer Tag, ein neuer Anfang.

Diese Nutzerin schreibt das Wort "glüüüüüücklich" und zeigt das Video eines kleinen Mädchens – das zu einem Hupkonzert tanzt:

Diese Frau schreibt:

Das ganze Königreich tanzt vor Freude!

Und diese Frau teilt ein Foto ihrer ersten Fahrt mitten in der Nacht – und dankt ihrer Familie und "den Entscheidungsträgern", die das Fahrverbot gekippt haben:

Dass Frauen fahren dürfen, liegt vor allem an Kronprinz Salman, dem neuen starken Mann in Saudi-Arabien. Der 32-jährige Millennial hatte im September 2017 überraschend angekündigt, dass Frauen hinters Steuer dürfen. (bento

Er will damit dem jungen Land etwas Modernität verpassen. 70 Prozent der Saudis sind unter 30, das Durchschnittsalter liegt bei 27 (CNN). Viele Bürgerinnen und Bürger leben längst sehr viel moderner, als es ihnen die Greise im Königshaus vorschreiben wollen. Außerdem geht Saudi-Arabien das Öl aus. Um zukunftsfähig zu bleiben, muss sich das Land öffnen und auch Frauen in Jobs bringen. 

Ideengeber ist Salman allerdings nicht – das sind die Frauen, die seit Jahren für ihre Rechte gekämpft haben. 

Zum Beispiel Manal ash-Sharif. Die Frauenrechtlerin hat immer wieder für die Fahrerlaubnis gekämpft, lebt mittlerweile in Australien. In der Nacht zum Sonntag teilte sie nun ein Video, dass eine Kollegin bei ihrer ersten Fahrt zeigt. Die Wache am Tor überreicht zur Feier eine weiße Rose:

Oder Muna Abu Suleyman. Als Uno-Botschafterin setzt sie sich seit Jahren für die Emanzipation von Frauen in Saudi-Arabien ein. Am Sonntagmorgen teilte sie ein Foto von sich am Steuer:

Und die Illustratorin Malika Favre begleitet die saudische Frauenbewegung seit Jahren mit kräftigen Bildern – jetzt auch hinterm Steuer:

Aber obwohl nun viele jubeln – ganz so einfach funktioniert der Wandel in Saudi-Arabien nicht.

  • Vor wenigen Wochen wurden Frauenrechtlerinnen eingesperrt, der Staat wirft ihnen "Terrorismus" vor. (bento)
  • Andere Frauen berichteten, ihnen werde die Fahrprüfung schwer gemacht, die Preise seien deutlich höher als für Männer. (bento)

Wie viel Freiheiten sich Frauen in Saudi-Arabien erkämpfen können, hängt also leider immer noch davon ab, ob sie Männer haben, die sie unterstützen. Im saudischen Königshaus ist das vor allem Prinz Walid ibn Talal. Er ist einer der reichsten Männer der Welt, gilt seit Jahren als Frauenrechtler – ein Amt im Staatsapparat bekleiden darf er allerdings nicht. Hier postet er die erste Ausfahrt mit seiner Tochter:

Vielleicht wird aber auch egal, was die alten Saudis sagen – und die röhrenden Motoren sind schon jetzt der Sound des Wandels.

Oder wie es diese Frau beim Drehen des Zündschlüssels sagt: "Hier kommt das neue Saudi-Arabien!"

Hinweis: In der ersten Version hatten wir geschrieben, dass die Aktivistin Manal ash-Sharif ein Video von sich gepostet hat. Das stimmt nicht – es zeigt eine andere Fahrerin. Wir haben den Fehler korrigiert.


Today

Italien hilft nicht mehr bei Flüchtlings-Rettungsaktionen auf dem Mittelmeer

Wieder schickt Italien Schiffe voller Flüchtlinge weg: Die "Lifeline" hatte am Donnerstag nach eigenen Angaben mehr als 239 schiffbrüchige Migranten in internationalen Gewässern an Bord genommen. Das dänische Containerschiff "Alexander Maersk" hatte am Freitag 113 Flüchtlinge aufgenommen.

Die neue italienische Regierung will nicht mehr bei Rettungsaktionen für Flüchtlinge auf dem Mittelmeer helfen. 

Der italienische Innenminister Matteo Salvini schrieb auf Facebook: 

"Diese Schiffe können es vergessen, Italien zu erreichen. Ich will die Geschäfte von Schleppern und Mafiosi unterbinden."

Italien und Malta hatten vor mehr als einer Woche das Rettungsschiff "Aquarius" mit 629 Flüchtlingen an Bord weggeschickt. Spanien erlaubte dem Schiff schließlich, einen spanischen Hafen anzulaufen. (bento)