Das hat eine neue Debatte über Frauenrechte im Land ausgelöst.

Kann Kleidung politisch sein? Ja – wenn man sie in einem Land trägt, das der Hälfte der Gesellschaft vorschreibt, wie sie sich kleiden darf. Saudi-Arabien ist so ein Land. Für Frauen gelten dort strenge Kleidervorschriften, sie müssen ihre Haare bedecken und ihr Gesicht verschleiern.

Nun hat eine junge Frau ein Video auf Snapchat veröffentlicht, auf dem sie durch eine Gasse spaziert – mit Minirock, Sonnenbrille und Top bekleidet.

"Wäre sie eine Ausländerin, wären alle von ihrer schönen Taille und ihren Augen fasziniert", schreibt die Nutzerin.

Der Clip soll in Saudi-Arabien aufgenommen worden sein. Im Netz kursieren noch weitere Videoschnipsel aus dem Snap. Demnach heißt das Model Khulud, weitere Szenen zeigen, wie sie im Wüstensand spielt und weitere Ecken des Ortes erkundet.

Bei dem Ort handelt es sich laut Snap-Ortsmarke um Uschaiqir. Das Dorf liegt in einer besonders konservativen Provinz des Landes (SPIEGEL ONLINE).

Egal, ob die Szene wirklich dort spielt – auf jeden Fall wird sie seither hundertfach im saudischen Netz geteilt und intensiv diskutiert.

Es gibt Gegner, die ihr vorwerfen, Gesetze zu brechen:

Und es gibt – gerade unter jungen saudischen Frauen – viel Zustimmung. Viele bewundern ihren Mut und sehen es als Zeichen einer sich langsam öffnenden Gesellschaft. "Tolle Revolution", schreibt eine Nutzerin, "und starkes Zeichen unserer Mädels":

Manche ziehen die Diskussion auch ins Lächerliche – um zu zeigen, mit welcher Doppelmoral die saudische Regierung arbeitet:

"Genug jetzt! Das Problem ist gelöst", steht neben dem Bild, auf das Model wurde das Gesicht von Ivanka Trump gebastelt. Trump war Ende Mai zu seiner ersten Auslandsreise in Saudi-Arabien (bento). Seine Frau Melania und seine Tochter Ivanka begleiteten ihn – ohne Kopftuch. Die Kleidungsvorschriften galten für die Frauen ausnahmsweise nicht.

Saudi-Arabien ist eine Monarchie, die Königsfamilie regiert das Land mit Härte – und legt den Bürgern strenge Regeln auf. 

Vor allem die Rechte von Frauen sind stark beschnitten: In der Öffentlichkeit müssen sie sich verhüllen, Autofahren ist ihnen verboten. Ohne Begleitung von Männern dürfen Frauen auch nicht verreisen. Die Regierung gründet all diese Gesetze auf islamischen Regeln – auch wenn sich im Koran so explizite Verbote gar nicht finden lassen.

Im Privaten durchbrechen jedoch immer mehr Frauen diese Regeln. Es gibt verbotene Partys mit Alkohol, es gibt heimliche Treffen am Strand. Und hinter verdunkelten Autoscheiben setzen sich auch immer mal wieder Frauen als Steuer.

Im Netz tauchen immer wieder Videos auf, in denen saudische Frauen ihre kleinen Revolutionen dokumentieren. Und auch Influencer arbeiten an einem Umdenken:

Das hat Einfluss auf das Denken der Regierung, die das Land langsam öffnet:

  • Auf lokaler Ebene wurde ein Mädchenrat gegründet, in dem die Interessen von Jugendlichen gefördert werden sollen (bento).
  • Eine Regierungsinitiative will in den kommenden drei Jahren mehr als 140.000 Jobs für Frauen schaffen ("Arab News").
  • Und ein neues Dekret von König Salman regelt, dass Frauen nicht länger ihre Männer um Erlaubnis bitten müssen, wenn sie arbeiten wollen (bento). 
Im Falle des Models im Minirock sieht es jedoch düster aus.

Inzwischen hat die Polizei eine Frau festgenommen, bei der es sich um das Model handeln soll. Laut einer Erklärung des Amtes für öffentliche Sicherheit sitzt sie nun vorläufig im Gefängnis. (SPIEGEL ONLINE)

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