Fünf Fakten zu dem Projekt, das trotzdem weitergeht.

Von einem geheimen Ort in einem unbekannten Land sendet "Nsawya FM" ("Feminismus FM") wöchentlich die "Stimme der schweigenden Mehrheit", die von Frauenrechten in Saudi-Arabien berichtet. So kündigte sich der feministische Radiosender auf seinem Twitter-Account an. Jetzt wurde der Sender innerhalb Saudi-Arabiens gesperrt.

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Einmal die Woche wird eine Stunde über die Rechte von Frauen gesprochen.

Der Sender hat seit Anfang des Monats online drei je ein- bis zweistündige Programme ausgestrahlt. Die Tonqualität ist mäßig, es wirkt alles sehr improvisiert.

Wie die BBC berichtet, erzählt in den Beiträgen eine Moderatorin von Fällen aus Saudi-Arabien, in denen Frauen unterdrückt wurden.

  • Von Hanan Shahri, die sich im Jahr 2013 umgebracht haben soll, nachdem ihr Vater und ihr Bruder sie geschlagen und ihr verboten haben sollen, ihren Verlobten zu heiraten.
  • Und von Sara, die einen Uniabschluss und einen Job hatte und bei ihren Eltern lebte. Sie wollte einen Mann aus dem Jemen heiraten und soll daraufhin von ihrem Bruder getötet worden sein – obwohl ihre Eltern mit der Heirat einverstanden waren.

Der feministische Radiosender hat zwei Moderatorinnen und neun Mitarbeiterinnen, die Inhalte produzieren. Alle bis auf zwei der Frauen sind saudische Staatsbürgerinnen, und einige der Frauen leben sogar in Saudi-Arabien.

Die Werbung für den Radiosender findet auf Twitter statt, weil es die beliebteste Social-Media-Plattform in Saudi-Arabien ist. Viele saudische Frauen sind dort sehr aktiv.

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Der Online-Radiosender soll die aktuellen Geschehnisse in Saudi-Arabien dokumentieren.

In einem Telefoninterview mit der BBC erklärt die 27-jährige Moderatorin, die aus Angst vor Strafe anonym bleiben will, obwohl sie aus einem anderen Land sendet, warum es zu dem Projekt "Nsawya FM" kam: 

"Wir begannen dieses Projekt, um diese Phase in der Geschichte zu archivieren, damit die Leute wissen, dass wir real sind, dass wir existieren." 

Denn: "Die saudischen Behörden könnten Twitter jederzeit verbieten und wir würden das Archiv unserer Gedanken verlieren. Das Radio hingegen gibt uns die Möglichkeit, Programme aufzunehmen und sie auf anderen Plattformen zu übertragen."

Die Moderatorin, die sich selbst das Pseudonym "Ashtar" gegeben hat, bezeichnete sich selbst als "eine Aktivistin, die die Medien benutzt, um ihre Ideen auszudrücken". Doch die Medien wollten ihr nicht immer Gehör geben. Sie sagte, sie habe in den letzten Jahren Artikel an eine Reihe von führenden libanesischen Medien geschickt, aber keine von ihnen habe sie veröffentlicht. Sie glaube, dass die Zurückweisungen das Ergebnis ihrer "konfrontativen" Ideen über Gesellschaft, Religion und Politik waren.

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Die Angst vor Strafe ist nicht unberechtigt.

Kronprinz Mohammed bin Salman hatte überraschend angekündigt, dass Frauen bald Autofahren dürfen (bento). Das war ihnen in dem erzkonservativen Königreich Jahrzehnte lang verboten, angeblich aus religiösen Gründen.

Doch im Mai, zwei Wochen bevor das neue Gesetz in Kraft treten sollte, wurden plötzlich sieben Aktivistinnen und Aktivisten, die sich seit Längerem für ein Frauenfahrrecht einsetzten, von Beamten der Staatssicherheit festgenommen. Ihnen wurde vorgeworfen, gemeinsam mit "ausländischen Kräften" versucht zu haben, Saudi-Arabien und seine Gesellschaft zu destabilisieren. 

Dieses Vorgehen ist in arabischen Autokratien und Monarchien weit verbreitet: Wenn es innenpolitische Probleme gibt, behaupten die Herrscher häufig, "fremde Agenten" seien dafür verantwortlich. (bento)

Die Verhaftungswelle und die Schmierenkampagne gegen Aktivisten und Aktivistinnen macht deutlich, dass ein echter Wandel in Saudi-Arabien noch lange nicht in Sicht ist, sagen auch Menschenrechtler von Amnesty International.

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Erste Reaktionen auf den Radiosender bestätigen nur die Befürchtungen.

In dem BBC-Interview berichtet "Ashtar", dass einige Hörer sie und ihre Mitarbeiterinnen tatsächlich als "Spione" und "nicht Saudis" bezeichneten. Andere haben sie aufgefordert, zu warten und dem König und seinen Reformen erst mal eine Chance zu geben.

"Das ist bloße Propaganda. Wir sind Saudis und wir wissen es", sagt Ashtar dazu. "Hätte er es gewollt, hätte der König das männliche Vormundschaftssystem abschaffen können. Das braucht keine jahrzehntelangen Diskussionen und Beratungen. Alles was es braucht, ist eine Unterschrift."

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Nun wurde der Radiosender "Nsawya FM" offenbar tatsächlich innerhalb Saudi-Arabiens gesperrt.

Aus anderen Ländern kann der Online-Radiosender aber weiterhin hier empfangen werden.


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