Bild: Marc Röhlig
Und etwa 10.000 Schafe noch dazu

Die Golfstaaten Saudi-Arabien und Katar befinden sich seit Anfang Juni in einer schweren diplomatischen Krise. Saudi-Arabien behauptet, das Nachbarland unterstütze Terrorgruppen – und hat daher die Grenze geschlossen, den Flug- und Schiffsverkehr eingestellt und katarische Bürger außer Landes verwiesen (bento). 

Mehrere andere arabische Länder wie Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate haben nachgezogen – das kleine Katar ist mittlerweile in der Region isoliert, Beobachter befürchten gar einen Krieg.

Jetzt müssen im Streit der Staaten auch die Kamele dran glauben.

Denn Saudi-Arabien hat sämtliche Kamele und Schafe des Landes verwiesen, die katarischen Besitzern gehören (BBC). Insgesamt handelt es sich um rund 15.000 Kamele und 10.000 Schafe.

Katar und Saudi-Arabien teilen sich eine gemeinsame Wüstengrenze. Hirten waren zum Handel in beiden Ländern unterwegs – vor allem, weil das kleine Katar nicht genug Land hat. 

Auch wenn beide Staaten sehr fortschrittlich sind – der Handel mit den Tieren ist eine wichtige Lebensgrundlage für viele. Gerade zum Ende des Fastenmonats Ramadan werden Kamele und Schafe für Feiern geschlachtet. Züchter machen mit dem Verkauf ein gutes Geschäft.

Nun berichteten Hirten der Nachrichtenagentur Reuters, die Tiere wurden schon vor einigen Tagen ausgewiesen – aber bewusst an der Grenze mehrere Tage lang ohne Nahrung aufgehalten. "Die Kamele waren am verhungern", berichtet ein Katari, "einige Tiere sind in sehr schlechter Verfassung." Jetzt sind sie bei ihren Haltern in Katar.

Die Meldung mag absurd klingen – dahinter steckt ein ernster Streit.

Was stimmt: Katar beherbergt Anhänger der islamistischen Muslimbruderschaft und der radikalen Hamas. Ob Terrorgruppen wie er IS unterstützt werden, ist unklar. 

Was aber auch stimmt: Saudi-Arabien fördert selbst islamistischen Terror. Es gilt aber als enger Bündnispartner der USA und steht daher nicht im Fokus. Bei seiner ersten Auslandsreise hat US-Präsident Donald Trump Saudi-Arabien besucht und sich an die Seite des Königshauses gestellt. Er ist indirekt mitverantwortlich für die nun entstandene Krise, hat aber keine Probleme damit, weiter Waffen an Katar zu verkaufen (bento).

Hier erfährst du mehr über die Hintergründe:


Gerechtigkeit

Imamin gründet Frauenmoschee in Berlin – und wird nun von Radikalen angefeindet

Die Frauenrechtlerin Seyran Ates hatte eine ziemlich gute Idee: eine liberale Moschee für moderne Muslime. Vollverschleierung mit Burka oder Nikab sind in diesem Gotteshaus verboten, die Gebete werden nicht nur von Männern, sondern auch von Frauen geleitet. 

Der Koran selbst verbietet nicht, dass Frauen Gebete leiten dürfen – viele konservative Muslime sagen aber, dass nur Männer es dürfen. Ates prangert solche konservativen und frauenfeindlichen Haltungen an. "Muslimin zu sein und gleichzeitig Frauenrechtlerin, ist für mich kein Widerspruch", sagt sie dem SPIEGEL.

Die Moschee wurde am Freitag eröffnet – seitdem wird Ates von vielen Muslimen angefeindet.