Bild: Immo Fuchs
Deshalb freuen wir uns auf 2019 mit der Gründerin von nuruCoffee.

2009 gewann Sara Nuru die vierte Staffel von Germany's Next Topmodel. Heute ist die 29-Jährige mehr als nur Topmodel: Sie ist Botschafterin der deutschen NGO "Menschen für Menschen", sie unterstützt Hilfsprojekte in Äthiopien, sie macht sich für einen bewussteren Umgang mit der Umwelt stark. 

Gemeinsam mit ihrer Schwester Sali gründete sie 2016 das Unternehmen nuruCoffee und verkauft fair gehandelten Kaffee aus ihrer Heimat Äthiopien. Mit den Erlösen unterstützt sie Frauen vor Ort. Dieses Jahr konnten die ersten Projekte angestoßen werden.

Wir haben mit Sara über 2018 geredet und darüber, was sie sich für das kommende Jahr vorgenommen hat.

Was war dein größter Erfolg im vergangenen Jahr? 

2018 haben wir mit nuruCoffee unsere ersten Mikrokredite vergeben können – aus den Erlösen vom Verkauf des Kaffees. Im April sind wir nach Äthiopien geflogen und haben die Frauen getroffen, die wir mit unserem Projekt unterstützen. Viele widmen sich dem sogenannten "Animal Fattening" – sie kaufen sich ein Tier, mästen es und verkaufen es gewinnbringend. Wir konnten das Versprechen einlösen, das wir ihnen ein Jahr zuvor gegeben hatten. Das war ein tolles Gefühl. 

Wie fördert nuruCoffee?

Die Erlöse aus nuruCoffee fließen in die Stiftung nuruWomen e.V. – die ebenfalls von Sara Nuru und ihrer Schwester gegründet wurde –, die Mikrokredite an Frauen in Äthiopien vergibt. Sie bekommen Schulungen über Buchhaltung und Finanzplanung und erhalten eine finanzielle Starthilfe, mit der sie ihre eigenen Geschäftsideen verwirklichen können. Außerdem ist das Ziel, die Frauen zu einer Gemeinschaft zu verbinden, die sich gegenseitig unterstützt. 

Welche Herausforderungen gab es dabei – und wie hast du sie gemeistert?

Neben nuruCoffee und unserem kürzlich gegründeten Verein nuruWomen e.V. arbeite ich ja immer noch als Model. Das Modeln ermöglicht es mir erst, meine Herzensprojekte umzusetzen. Mit diesen drei Bällen muss ich die ganze Zeit jonglieren. Manchmal, wenn ich für einen Modeljob unterwegs bin, fühlt es sich so an, als würde ich mein Baby vernachlässigen, das eigentlich nuruCoffee ist. Wir haben uns hohe Ziele gesteckt, denen wir auch gerecht werden wollen. Was mir in solchen Momenten hilft, ist Prioritäten zu setzen. Auch mal Nein zu sagen, um das zu machen, was mir wirklich wichtig ist.

(Bild: Immo Fuchs)

Was ist dein persönlicher Wunsch für 2019?

Ich möchte in Deutschland ein Bewusstsein für Frauen in Äthiopien schaffen, eine neue Perspektive aufzeigen. Meine Schwester und ich verstehen uns als Brücke zwischen den beiden Ländern. Frauen in Äthiopien haben ganz ähnliche Bedürfnisse wie deutsche Frauen. Bei unserem Projekt geht es nicht nur um humanitäre Hilfe, um Überleben, es geht um Selbstverwirklichung. Darum spenden wir auch nicht, sondern vergeben Mikrokredite. Es geht um Augenhöhe: Wir profitieren von gutem Kaffee, dafür sollen die Menschen dort auch entlohnt werden. 

Was brauchst du, um das umzusetzen? 

Vor allem Geduld. Nichts verändert sich von heute auf morgen. Und wir brauchen Unterstützung. Wir brauchen Menschen, die anderen erzählen, dass man mit einer Tasse Kaffee Gutes tun kann.

19 für 2019

Sie helfen Menschen in Not, retten Bäume für das Klima, kämpfen für faire Löhne, engagieren sich gegen Rechts, streiten für Gerechtigkeit und sind ganz einfach Vorbilder: Wir stellen 19 junge Menschen vor, die uns 2018 inspiriert haben – und von denen wir 2019 noch viel hören werden. Hier geht es zur Übersicht


Fühlen

Was ich meinen Freunden schon immer zu ihrem Drogenkonsum sagen wollte

Dominik* sitzt im Schneidersitz auf der Matratze in einer Ecke, vor ihm ein Teller, der mal voll mit Weihnachtsplätzchen war. Mit einem Fünf-Euro-Schein umgeht er geschickt die restlichen Kekskrümel, während er die dritte Line Ketamin des Abends zieht. Er lehnt sich schniefend zurück, kichert wie ein kleines Kind, das gerade seine Geschenke unter dem Weihnachtsbaum gesehen hat. Es ist der 22. Dezember, ich bin zu Besuch in meiner alten Heimat. Während Dominik, den ich noch aus Schulzeiten kenne, den Teller weiterreicht, wird mir klar: Ich halte diesen Konsum nicht mehr aus.

Dabei war er lange Teil meines Alltags:

Ich war 15 Jahre alt, als ich Marie* auf einer Klassenfahrt kennenlernte. Sie war anders als meine Mitschüler: Während ich auf Dorfpartys rumhing, machte sie in Großstadtclubs die Nächte durch. Das Einzige, was jeder in unserer kleinen Stadt über Marie weiß, ist die Tatsache, dass sie Drogen nimmt. Marie hatte eine abgefuckte Coolness an sich, die mich faszinierte. 

Auch wenn ich Marie überhaupt nicht kannte, wollte ich, dass sie mich mag. Wir kamen in die gleiche Klasse, saßen nebeneinander, freundeten uns an. Durch sie lernte ich weitere Leute kennen, gab mein Bestes, um Teil dieser Clique zu werden.