Bild: PETA

Einmal im Jahr kommen Hunderttausende Touristen in die nordspanische Stadt Pamplona, wenn am 6. Juli das "San Fermines"-Fest beginnt. Acht Tage lang werden dann zur Erheiterung der Zuschauer und Einwohner Stiere durch die Engen Straßen in die Stierkampfarena getrieben.

Der besondere Kick besteht für die meisten Zuschauer darin, bei der Hatz nicht von einem der Stiere zertrampelt zu werden: Jedes Jahr machen "Fail-Videos" die Runde, auf denen Abenteuerlustige von einem der Bullen attackiert werden oder bei der Flucht verunglücken. Am Ende landen die Tiere immer in der Arena, wo sie von euphorischen Teilnehmern aufgespießt werden, bis sie durch einen Stich ins Rückenmark erlöst werden.

Die über vierhundert Jahre alte Tradition findet nicht nur Zuspruch: Seit Jahren demonstrieren Aktivisten in sehr expliziter Art und Weise gegen die Treibjagd. Eine von ihnen ist die 30-jährige Christiane Schulze. Die gebürtige Leipzigerin lebt seit sechs Jahren in Barcelona. Wir haben mit ihr über den blutigen Protest gesprochen.

(Bild: PETA)

Was habt ihr in diesem Jahr gemacht?

Wir, das sind etwa 70 bis 80 Leute aus der ganzen Welt, haben uns auf dem Plaza Major in Pamplona aufgestellt. Dort werden während des Festes auch die Stiere festgehalten. Wir waren selbst bis auf die Unterhosen ausgezogen und trugen Stierhörner. Nach einer Megaphon-Ansprache und einer Erklärung, warum wir das tun, haben wir uns mit künstlichem Blut übergossen. Auf den mit Kunstblut gefüllten Eimern stand in der jeweiligen Sprache des Aktivisten der Satz "Pamplona: Blutbad für Stiere".

Was bringt so eine Aktion?

Ich habe vor Ort nur gutes Feedback bekommen, auch während der Ansprachen gab es viel Applaus. In diesem Jahr waren auch sehr viel mehr Journalisten anwesend als in den Vorjahren. Es scheint sich also ein Interesse für das Thema zu entwickeln. In der Berichterstattung kamen dann natürlich auch Kritiker zu Wort, die das Fest verteidigt haben. Vor Ort haben wir aber keine Kritik abbekommen.

Ich glaube, dass viele Menschen oder sogar ein Großteil dagegen sind. In manchen Gebieten – wie Katalonien – wurde der Stierkampf bereits komplett verboten, auch dort haben vorher viele demonstriert. Ich gehe natürlich nicht davon aus, dass im nächsten Jahr einfach der Stierlauf in Pamplona abgesagt wird. So langsam tut sich aber etwas. Der Hauptantrieb, warum das Fest immer noch stattfindet, sind die hohen Einnahmen durch den Tourismus. Wenn weniger Touristen wegen des Fests herkommen würden, würde sich das finanziell nicht mehr lohnen.

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Wenn weniger Touristen wegen des Fests herkommen würden, würde sich das finanziell nicht mehr lohnen.

Du gehörst zur Tierrechtsorganisation PETA. Ihr macht besonders krasse Aktionen und werdet stärker von der Öffentlichkeit kritisiert als andere Umwelt- oder Tierschützer. Woran liegt das?

Ich habe nicht das Gefühl, dass das wirklich so ist. Man hört bei der Kritik immer mal wieder von irgendwelchen Geschichten aus amerikanischen Tierheimen. Das wird aber meiner Meinung nach dann von Leuten vorgebracht, die etwas gegen unser Engagement haben. Ich habe über PETA immer nur sehr nette und herzliche Menschen kennengelernt, die gegen Tierquälerei sind und etwas verändern wollen. Als Beispiel: Für mich aus Barcelona ist es ja fast kein Problem, zwei Tage frei zu nehmen und mit dem Zug nach Pamplona zu fahren. Aber andere kommen aus England oder Australien her, nur um zu demonstrieren. Und wir machen das natürlich auch auf eigene Kosten. So etwas tut man aus Überzeugung.

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