Bild: Getty Images/Carl Court/Staff

Nach dem Terroranschlag in London am Samstagabend tauchte Sadiq Khan immer wieder in den Medien auf – weil er nur wenige Stunden nach dem Attentat ein Video-Statement bei Twitter postete, weil er bei der Mahnwache für die Opfer eine eindringliche Rede hielt – und weil er sich nebenbei auch noch mit US-Präsident Donald Trump anlegte.

Sadiq Khan ist seit einem Jahr Bürgermeister von London. Sein Gesicht und seinen Namen kennen inzwischen die meisten. Doch wer ist dieser Typ?

Wir haben acht Fakten über ihn gesammelt, die du vielleicht noch nicht kanntest.

1. Er bekam so viele Stimmen wie noch kein Politiker vor ihm.

Vor gut einem Jahr, am 5. Mai 2016, gewann Sadiq Khan die Wahl um das Amt des Londoner Bürgermeisters (bento). In der zweiten Runde stimmten mehr als 1,3 Millionen Menschen für ihn – so viele Stimmen hatte zuvor kein britischer Politiker bei einer einzigen Wahl bekommen. 

Khan gehört der Labour-Partei an. Er folgte auf den Konservativen Boris Johnson – Brexit-Befürworter und inzwischen britischer Außenminister. Der war acht Jahre lang Bürgermeister von London gewesen. (The GuardianBBC)

Zuvor hatte Khan mehr als zehn Jahre als Abgeordneter im britischen Parlament gesessen. Außerdem war er unter Gordon Brown Verkehrsminister. (Website von Sadiq Khan)

2. Er ist der erste Muslim an der Spitze einer europäischen Hauptstadt.

Sadiq Khans Eltern kommen aus Pakistan, in den 1960er Jahren zogen sie nach London. Sein Vater arbeitete als Busfahrer, seine Mutter als Schneiderin. 

Er wurde muslimisch erzogen, sein Glaube hat nach wie vor eine große Bedeutung für ihn – und dazu bekennt er sich auch öffentlich. (Website von Sadiq KhanBBC)

Im Wahlkampf war Khans Glaube immer wieder Thema. Sein konservativer Gegner Zac Goldsmith hatte wiederholt mit Vorurteilen gespielt (The Guardian).

3. Er kämpfte gegen den Brexit.

Sadiq Khan betonte immer wieder, dass ein Austritt aus der Europäischen Union für London eine wirtschaftliche Katastrophe wäre – noch ein Unterschied zu Goldsmith, einem Brexit-Befürworter (bento). Kurz vor dem Referendum am 23. Juni hielt er eine eindringliche Rede, in der er sich bei allen EU-Einwanderern bedankte:

4. Er bekam Todesdrohungen ...

... weil er im Parlament für die "Ehe für alle" gestimmt hatte und damit die Wut islamistischer Extremisten auf sich zog (New Statesman). Khan steht trotzdem weiterhin öffentlich zu seiner Meinung, im vergangenen Sommer sprach er auf der Hauptbühne des "Pride in London"-Festivals (The Guardian).

Kurz nach Khans Wahl zum Bürgermeister drohte auch die rechtsextreme Gruppe "Britain First" damit, die Orte ins Visier zu nehmen, wo er "lebt, arbeitet und betet". In einer Mitteilung der Gruppe hieß es: "Britain First betrachtet alle gewählten muslimischen Funktionäre als Besetzer." (Independent)

5. Seine Berufswahl wurde von einer Fernsehserie beeinflusst.

Eigentlich wollte Sadiq Khan Zahnarzt werden, aber dann studierte er Jura an der University of North in London (die inzwischen London Metropolitan University heißt). Grund für seinen Sinneswandel war ein Ratschlag seines Mathelehrers – und die Fernsehserie "L.A. Law", insbesondere Charakter Victor Sifuentes.

"In 'L.A. Law' ging es um Anwälte in LA, die interessante Fälle behandeln, sich für Außenseiter einsetzen, tolle Autos fahren, gut aussehen – und ich wollte Sifuentes sein", sagte Khan in einem Interview mit Business Insider.

6. Er bekam eine Auszeichnung von seinem Gegner Boris Johnson.

2005 wurde Sadiq Khan vom konservativen Magazin Spectator zum "Newcomer of the Year" gewählt. Herausgeber des Magazins war damals noch Boris Johnson, Tory-Politiker und späterer Brexit-Befürworter. 

Als Begründung für die Auszeichnung nannte das Magazin die "Hartnäckigkeit und Klarheit", mit der Khan über "die sehr schwierigen Themen des islamischen Terrors" gesprochen habe (Spectator). Khan hatte zusammen mit anderen Abgeordneten gegen den Plan des damaligen Premierministers Tony Blair gestimmt, Terrorverdächtige bis zu 90 Tage ohne Anklage in Haft zu nehmen (BBC).

7. Er bezeichnet sich als Feminist.

Sadiq Khan nennt sich selbst einen "stolzen Feministen" (The Guardian). Im vergangenen Dezember schrieb er einen Essay über Weiblichkeit für "Elle". 

In einem Interview mit der Zeitschrift sagte er:

"Wenn man Vater wird, erkennt man: Die Tatsache, dass dein Kind ein Mädchen ist, bedeutet, ihre Fähigkeit, ihr Potenzial zu erfüllen, ist beschränkt durch ihr Geschlecht. Ich war immer ein Feminist, aber als ich eine Tochter bekam, wurde das noch stärker."

8. Nach dem Anschlag in London legte er sich mit Trump an.

Am Sonntagmorgen gab Sadiq Khan ein Statement ab, in dem er den Anschlag auf der London Bridge und in Borough Market verurteilte; es gebe "keine Rechtfertigung" für die Tat. Außerdem machte er folgende Ankündigung: "Londoner werden heute und in den nächsten Tagen einer erhöhten Polizeipräsenz begegnen. Es gibt keinen Grund, beunruhigt zu sein." (The Telegraph)

Donald Trump löste den letzten Satz aus seinem Zusammenhang und schrieb bei Twitter, Khan würde den Anschlag herunterspielen: "Mindestens sieben Tote und 48 Verletzte in Terrorattacke und der Bürgermeister von London sagt, es gibt 'keinen Grund, beunruhigt zu sein'!"

In den sozialen Netzwerken machten sich Dutzende über Trumps Aussage lustig. Ein Sprecher Khans sagte später, der Bürgermeister habe Wichtigeres zu tun als auf Trumps schlecht informierten Tweet zu reagieren, der seine Aussagen absichtlich aus dem Zusammenhang löst. (The Telegraph)

Trump legte noch einmal nach – und sprach von einer "erbärmlichen Ausrede".

Am Dienstag forderte Khan die britische Regierung schließlich auf, den für Juni geplanten Staatsbesuch Trumps abzusagen. 

"Ich denke nicht, dass wir den roten Teppich für den Präsident der Vereinigten Staaten ausrollen sollten, in einer Situation, wo sich seine Politik gegen alles wendet, wofür wir stehen", sagt er. "Es gibt viele Dinge, wo Donald Trump falsch liegt." (The Guardian)


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