Sabrina ist Bloggerin und twittert unter @lillablossblau.

Sabrina: Ich betreibe einen kleinen Blog und ich twittere. Mehr braucht man auch nicht, um im Internet gehasst zu werden. Ich weiß nicht, ob man sich an Trolle irgendwann gewöhnt – ich bin jedenfalls mit ein paar Handvoll schon restlos bedient. Ich lese jede einzelne, nehme mir jedes einzelne zu Herzen, mein Unterbewusstsein schreit reflexartig: "Er/sie hat recht!“. So habe ich es von klein auf gelernt und so ist es immer noch in mir verankert - aber nur bis der Verstand den Autopilot deaktiviert und die Schutzmechanismen einsetzen.

Besonders Kurioses screenshotte ich und teile es auf Social Media, um die Last nicht mit mir alleine herumzutragen und um aufzuzeigen, was hinter den Kulissen abläuft, denn meistens werden die Nachrichten an mich persönlich gesendet. Neben gemäßigter Empörung gibt es auch Reaktionen wie: "Ich bin so froh, dass ich keine Frau im Internet bin“.

Ich möchte keine "Frau im Internet“ sein, zumindest nicht in in diesem Frau=Opfer-Zusammenhang.

Ich möchte kein Opfer sein, keine wandelnde Zielscheibe nur aufgrund des Geschlechts. Ich bin eine Person, die etwas erzählen will und dabei nicht belästigt werden möchte, nicht mehr und nicht weniger.

Ich will persönliche, traurige, lustige feministische, gesellschaftskritische Geschichten schreiben können, ohne dass umgehend die obligatorische Täter-Opfer-Umkehr, Victim-Blaiming und Fotzenhurenbetitelungen folgen. I have a dream! (um bei der Gelegenheit gleich einen Mann zu zitieren).

"Du geile Sau. Ficken?"
"Danke, dass du an mich gedacht hast, ich hab schon. Vielleicht nächstes Mal."
"Hure!"

Sabrina: Penisbilder per DM zu verschicken sind ja mittlerweile Running Gag auf Twitter. Also die Andeutung, dass dieses Ritual viele praktizieren. Ich halte das für eine urban legend, noch nie hatte ich oder jemand, den ich kenne, ein abfotografiertes Geschlechtsteil im Posteingang. Liebesgeständnisse wie oben sind da schon häufiger. Bei solchen gar nicht so flirty Anmachen ploppt vor mir immer das Hologramm eines 13-jährigen, pickeligen, vor dem Laptop masturbierenden Teenies auf, der mal ausprobieren will, wie weit er im Internet so gehen kann.

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