Bild: dpa/AP/Yuri Kadobnov
Sie zeigen, wie Moskau auf maximale Verwirrung setzt.

Russland wählt einen neuen Präsidenten. Wahrscheinlich wird es wieder Wladimir Putin werden: Putin ist seit dem Jahr 2000 an der Macht, ernstzunehmende Gegenkandidaten hat er nicht zur Wahl zugelassen. 

Und eine besondere Art der Wahlkampfhilfe hat er in den vergangenen Tagen von Großbritannien, Deutschland und den USA erhalten.

Die Regierungen werfen der russischen Regierung vor, in den Mordanschlag auf einen Ex-Spion verwickelt zu sein. Aus den Anschuldigungen hat sich in den vergangenen Tagen ein diplomatischer Streit entwickelt, Russland inszeniert ihn als Angriff des Westens auf Russland. (Mehr dazu bei bento)

Darum geht es bei dem Anschlag:

  • Sergei Skripal hat als Doppelagent für Großbritannien gearbeitet, in Russland gilt er als Verräter. 
  • Skripal lebt seit Jahren im britischen Salisbury, vor knapp zwei Wochen wurden er und seine Tochter mit den Kampfstoff "Nowitschok" vergiftet.
  • In den vergangenen Jahren kamen bereits seine Frau, sein Bruder und sein Sohn unter zum Teil seltsamen Umständen ums Leben.
  • Großbritannien wirft nun Russland vor, den Ex-Agenten angegriffen zu haben.
  • Die Substanz, die für "Nowitschok" verwendet wurde, ist ein chemischer Kampfstoff, der in Russland entwickelt wurde. (MDR)
  • Zwei Gramm reichen aus, um bis zu 500 Menschen zu töten – es ist damit deutlich gefährlicher als das in Syrien eingesetzte Saringas.

Russland hat zunächst bestritten, in den Fall verwickelt zu sein. Da die britische Regierung weiter Druck macht – und auch Trumps US-Regierung mittlerweile neue Sanktionen gegen Russland ausgesprochen hat – liefern russische Medien nun ständig neue Versionen, was wirklich passiert ist. Die Seite Stopfake hat sie zusammengetragen.

So ist eine perfekte Desinformationskampagne entstanden. Diese 6 absurden Erklärungen wurden nach und nach verbreitet:

1. Die Briten waren es selbst!

Putins Pressesprecher Dimitri Peskow erklärte, dass das "Thema der Vergiftung in keinem Verhältnis zu Russland steht, weil Skripal für den britischen Geheimdienst arbeitet und dort ermordet wurde". (RBC)

Der russische Parlamentarier Vitaly Milonov legte nach: Die Geschichte sei ein inszeniertes Drama für das britische Fernsehen. Briten hätten "diese Fantasie" umgesetzt und den "den armen Rentner getötet, für uns ist er nutzlos". (Huffington Post)

Dann bemühte er einen Hitler-Vergleich: 

Es ist für das Verhalten von Hitler typisch – jemand für den Reichstagsbrand verantwortlich zu machen.

2. Oder es war die CIA!

"TV Zvezda" ist eine Propagandaseite des russischen Verteidigungsministeriums. In einem Kommentar behauptet sie, dass die US-amerikanische CIA hinter dem Mord steckt. Die Begründung: Die neue CIA-Chefin Gina Haspel sei eine gute Freundin der britischen Premierministerin Theresa May. "TV Zvezda" meint:

Es kann viele Darsteller geben, aber irgendwie drehen sich alle um die amerikanischen Spezialdienste.

3. Der Kampfstoff kommt in Wahrheit aus der Ukraine!

Die Ukraine und Russland sind seit längerem verfeindet, Russland hat die ukrainische Halbinsel Krim besetzt. In beiden Ländern wird die andere Nation gerne für Missstände verantwortlich gemacht.

"TV Zvezda" meint, der Mord lohne nicht für Russland, "hier ist es für jede Ziege klar". Also müsste jemand dahinterstecken, der Russland schaden will – "die Ukrainer und Balten". 

4. Oder aus Usbekistan? Schweden? Tschechien? 

Der Nachrichtensender "Rossija 24" zählte weitere Länder auf, die den Kampfstoff "Nowitschok" besitzen sollen. Demnach wurde das Mittel in Usbekistan getestet – Tschechien, die Slowakei, Schweden und eventuell die USA könnten es danach bekommen haben. 

Auch die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, brachte diese Länder ins Spiel. Die beschuldigten Länder dementierten umgehend und zeigten sich empört. (MDR)

5. Alles ist gelogen – nur, um die russische Präsidentschaftswahl zu diskreditieren!

Bei einem Auftritt bei "Rossija 24" behauptete Pressesprecherin Sacharowa, mit dem Fall soll nur die Wahl beeinflusst werden. Der Westen habe eine "Informations- und Propagandamaschine" gegenüber Russland gestartet.

6. Oder schlimmer noch: die Fußball-WM!

Diesen Sommer findet die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland statt. Der Moderator Dmitry Kiselev erklärte in einem News-Beitrag für "Rossija 24", dass Großbritannien ein "verdorbener Ort" sei, der vor lauter Russlandhass den Mord inszeniert hat – um die WM im Sommer boykottieren zu können.

Keine dieser Versionen klärt irgendetwas im Fall Skripal auf. Stattdessen tragen die Geschichten nur noch mehr zur Verwirrung bei. 

Was daran auffällt: Dafür, dass Russland mit dem Mord angeblich nichts zu tun hat, gibt es sich sehr viel Mühe, immer neue Erklärungen für dieses Nichts-zu-tun-Haben zu erfinden.


Fühlen

Dieses "Carpool Karaoke" mit Kindern mit Down-Syndrom rührt selbst James Corden zu Tränen
Das Video hat mehr als eine halbe Million Views.

Beim Carpool Karaoke sitzen unterschiedliche Menschen zusammen in einem Auto, singen, lachen, haben Spaß. Das ist auch in diesem Video so. Allerdings sind die Menschen nicht James Corden und irgendwelche Superstars – sondern Mütter und ihre Kinder mit Down-Syndrom.

Gedreht hat das Video eine Gruppe von Frauen aus Großbritannien. Sie haben sich über eine Online-Selbsthilfegruppe kennengelernt, in der sich Eltern von 2013 oder 2014 geborenen Kindern mit Down-Syndrom austauschen.

Für den Clip haben sich 50 von ihnen dabei gefilmt, wie sie den Song "A Thousand Years" im Auto mitsingen. Dabei benutzen sie Makaton, eine Form der Gebärdensprache. Dann hat einer der Väter die verschiedenen Aufnahmen zusammengeschnitten.

So schön ist das Ergebnis: