In Rumänien protestieren seit Wochen Hunderttausende Menschen. Zuerst wehrten sie sich so gegen eine Eilverordnung – mittlerweile fordern die meisten den Rücktritt der Regierung (bento).

Warum? In Kürze: Ein neues Dekret der Regierung sah vor, dass Amtsmissbrauch und Korruption dann nicht mehr mit Gefängnis bestraft wird, wenn der Schadenswert unter umgerechnet rund 44.000 Euro liegt. Die sozialdemokratische PSD-Regierung zog nach den heftigen Protesten das Dekret vorläufig zurück. Was viele besonders ärgert: Dem PSD-Parteichef Liviu Dragnea hätte dieses Dekret genutzt, denn er steht wegen mutmaßlicher Anstiftung zum Amtsmissbrauch vor Gericht. Bislang ist der Justizminister Florin Iordache zurücktreten (Romania Insider).

Hier erzählen Rumänen, was sie in ihren Protesten fordern – und wie weit sie gehen würden:
Catalina, 27, Marketingberaterin aus Bukarest

Ich war vom ersten Tag der Proteste an dabei. Und zwar jeden Abend, direkt vor dem Regierungssitz in Bukarest. Am Anfang ging es mir nur um die Verordnung – ich wollte nicht, dass die Politiker der PSD sich einfach aus der Affäre ziehen können. Und tatsächlich soll ja nun das Dekret noch mal zur Abstimmung kommen. Aber das habe ich nur als kleinen Sieg empfunden.

Mittlerweile gehe ich wegen viel Grundsätzlicherem auf die Straße: Ich will von den Politikern wahrgenommen und nicht länger belächelt werden. Korruption geht alle an, das ist nicht nur ein Problem innerhalb der PSD. So lange ich keine richtige Veränderung sehe, so lange höre ich nicht auf, auf die Straße zu gehen.

Der Protest in Rumänien in Bildern:
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Das Plakat richtet sich an PSD-Chef Dragnea: "Liviu, wir haben dir lange Unterhosen eingepackt!"
Ciprian, 28, Programmierer aus Bukarest

Am Anfang waren wir alle sehr wütend. Die Stimmung auf der Straße hätte schnell in Gewalt umschlagen können – wie die Regierung mit uns umgeht, regt mich wirklich auf. Aber mittlerweile hat der Protest eine neue Qualität erreicht. Viele zügeln sich und wollen jetzt zeigen, dass sie einen ernsthaften und friedlichen Protest hinbekommen.

Großartig finde ich, dass viele Rumänien in ihrem Protest so kreativ sind.

Es geht ja auch um viel: Die Regierung hat uns mit dem Korruptionsdekret vor den Kopf gestoßen, jetzt bleiben wir so lange auf der Straße, bis sie zurückgetreten ist!

Großartig finde ich, dass viele Rumänien in ihrem Protest so kreativ sind. Ich sehe sehr viele Plakate mit Wortspielen oder mit lustigen Bildern der Politiker. Der Aufstand ist zu einer Art social event geworden – Freunde treffen sich nach der Arbeit und gehen gegen die Regierung auf die Straße! Am Anfang waren es vor allem die jungen Rumänien, jetzt sieht du Menschen allen Alters und aller Klassen. Zum ersten Mal seit Jahren sind alle Rumänen eins!

Erklärt: Die Hintergründe zum Protest

Auf Alexandras Plakat steht: "Zurücknehmen und zurücktreten" – das bezieht sich auf das Dekret und die Regierung.
Alexandra, 31, Psychologin aus Sibiu

Ich bin schon auf die Straße gegangen, als das Dekret noch in Arbeit war. Seit sie es tatsächlich verabschiedet haben, demonstriere ich jeden Abend – auch bei Minusgraden. Ich kann einfach nicht daheim bleiben und ruhig rumsitzen. In Sibiu waren es erst 10.000 Menschen, am vergangenen Sonntag sogar 45.000. Das heißt, jeder vierte Einwohner der Stadt war auf der Straße! Die Energie war einfach überwältigend.

Jeder hat jetzt einen Crashkurs in Verfassungsrecht hinter sich.

Unsere wichtigste Forderung ist der Rücktritt der Regierung – dass der Justizminister gegangen ist, reicht nicht. Die Politiker denken, wir würden sie nicht durchschauen. Aber jeder hat jetzt einen Crashkurs in Verfassungsrecht hinter sich.

Wovor ich Angst habe? Dass die Stimmung in Gewalt umschlägt. Hin und wieder spüre ich Aggressivität unter den Demonstranten. Bisher hat immer der Sarkasmus gesiegt – bei Sprechchören zum Beispiel. Das sollte so bleiben.

Mircea, 32, Bukarest

Ich bin in einer Familie aufgewachsen, die mir beigebracht hat, immer aufrecht zu sein und für meine Rechte einzustehen. Die Partei, die jetzt an der Macht ist, haben wir nie unterstützt. Jetzt war das Maß aber voll, deshalb bin ich auf die Straße gegangen. Das Dekret wäre ein fataler Rückschritt gewesen.

Außerdem fotografiere ich viel, greife die Stimmung im Land auf. Deshalb wollte ich auch dabei sein. Ich bleibe so lange auf der Straße, bis dieses Dekret aus der Welt ist – auch wenn es bis zum Sommer dauert. Die Korruption muss ein Ende haben.

Ich träume von einem Rumänien, in dem es keine Korruption mehr gibt. Das fängt bei uns schon im Krankenhaus an. Wenn man nicht wohlhabend ist, wird man schlechter behandelt oder ganz vergessen. Wenn ich bei der Behörde ein offizielles Papier brauche, habe ich am besten kleine Geschenke oder Geld dabei. Das muss aufhören.

Bogdan, 34, Kommunikationstrainer aus Bukarest

Ich habe schon vorher an Demonstrationen teilgenommen und für Gerechtigkeit gekämpft. Zum Beispiel habe ich mich gegen den Bau einer Mine eingesetzt, sie wäre für die Umwelt und die Gesundheit der Arbeiter sehr schlecht gewesen. Aber bei diesen Demonstrationen geht es um mehr: Die Korruption in unserem Land muss endlich ein Ende haben. Die jetzige Regierung darf ihre Macht nicht ausnutzen und sich selbst bereichern.

Wir sind eine neue, junge Generationen, die für ihre Rechte kämpft.

Und noch etwas Entscheidendes ist anders. Die Menschen verlassen sich nicht mehr allein auf das, was ihnen im Fernsehen erzählt wird. Das Internet verschafft uns Zugang zu anderen Quellen, die ausgewogener berichten. Wir sind eine neue, junge Generationen, die für ihre Rechte kämpft. Das lässt mich positiv in die Zukunft blicken.

Ich wünsche mir, dass Rumänien für Firmen interessant wird, die hier investieren. Ich wünsche mir, dass mehr Touristen zu uns kommen, wir sind ein sicheres Land. Ich wünsche mir bessere Bildung für unseren Nachwuchs, deshalb arbeite ich auch ehrenamtlich an Schulen und Universitäten.

Warum der Protest in Rumänien auch für uns inspirierend ist:


Style

Das haben die Leute auf der New York Fashion Week Donald Trump zu sagen

Zwischen Glitzer, hochhackigen Sandalen und Abdeckstiften stellen sie eine Sache klar: Donald Trump kann uns mal. Die Abneigung gegen den neuen US-Präsidenten steht auf Unterhosen und Oberteilen geschrieben, und sie dröhnt aus Lautsprecherboxen.

Auf der New York Fashion Week hat er nichts zu suchen – das symbolisieren Models und Designer in dieser Woche immer wieder.