Bild: dpa/Bernd Wüstneck

Die Stadt Rostock hat entschieden, eine Unterkunft für minderjährige Flüchtlinge zu schließen – und die Eröffnung einer geplanten zweiten Unterkunft für Familien abzusagen. Der Grund: Sicherheitsbedenken (SPIEGEL ONLINE). Im Netz bejubelten die einen die Entscheidung, andere bewerten sie als Kapitulation der Politik vor "besorgten Bürgern".

Beide Unterkünfte hätten Flüchtlinge im Stadtteil Groß-Klein untergebracht, einer Plattenbausiedlung neben dem Stadtteil Lichtenhagen. Lichtenhagen genießt bereits traurige Berühmtheit: Dort hatten im Sommer 1992 Hunderte Randalierer mehrere Tage lang eine Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für Vietnamesen angegriffen. (Der NDR mit einer Chronologie der Ereignisse).

Auch in Groß-Klein war es in den vergangenen Wochen immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen Flüchtlingen und Anwohnern gekommen. Eine organisierte Truppe von etwa 15 Rechtsextremisten habe mehrfach Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht, sagte der Rostocker Sozialsenator Steffen Bockhahn zu bento.

Steffen Bockhahn ist Mitglied der Partei "Die Linke". Wir haben ihn sowie einen Vertreter der Rostocker AfD und eine Anwohnerin aus Groß-Klein gefragt, wie sie zur Schließung der Flüchtlingsunterkünfte in Groß-Klein stehen. Hier schildern alle drei ihre Sicht auf die Ereignisse:

Steffen Bockhahn, Senator für Soziales in Rostock. Er hat die Entscheidung getroffen.
"Die Sicherheitslage hat eine weitere Unterbringung der Jugendlichen am Standort nicht zugelassen. Die Unversehrtheit der in Obhut genommenen Jugendlichen ist die erste Pflicht der Stadt. Daher musste so entschieden werden.

Geflüchtete sollten zunächst für drei bis sechs Monate in Gemeinschaftsunterkünften leben. Hier können eine besonders enge soziale Betreuung und erste Sprachkurse stattfinden, können Traumata am besten erkannt werden. Danach sollte es schnell in reguläre Wohnungen gehen, damit eine Integration in die Nachbarschaft und die Gesellschaft erfolgen kann.

Rostock hat in den vergangenen anderthalb Jahren mehr als deutlich bewiesen, dass es hilfsbereit und weltoffen ist: Allein im Herbst 2015 sind über 36.000 Menschen über Rostock nach Skandinavien gereist. Mit einer großartigen Welle der Hilfsbereitschaft wurden Übernachtungen organisiert, Mahlzeiten ausgegeben. Es gab bis zu den Vorfällen in Groß-Klein, die aus einer Gruppe von etwa 15 Personen heraus geschahen, keine Übergriffe. Auch das ist Rostock."

So reagiert das Netz auf Rostock

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Torsten Preuß, stellvertretender Vorsitzender des AfD-Kreisverbandes Rostock.
"Die Entscheidung der Stadt betrachten wir als völlig richtig. Schon die erste Unterkunft brachte diverse Probleme im Zusammenleben der Einwohner mit den Flüchtlingen, welche kurz vor der Eskalation standen. Angeheizt wurde die Stimmung noch zusätzlich von der linksautonomen Szene in Rostock, welche damit begann, die Einwohner Groß-Kleins bei spontan einberufenen Demonstrationen lautstark als 'Nazis' zu stigmatisieren und Anwohner zu bedrohen.

Wir sind für eine zentrale Unterbringung der Flüchtlinge: In entsprechend ausgestatteten Einrichtungen können sie dort auf das Leben hier in Deutschland vorbereitet werden. Niemandem ist damit geholfen, wenn zwei völlig verschiedene Wertesysteme unvorbereitet aufeinandertreffen. Das schürt Unruhe und bedroht den sozialen Frieden."
Eine Anwohnerin aus Groß-Klein, 30 Jahre alt. Sie möchte anonym bleiben.
"Ich finde das gut, dass die Stadt hier keine Unterkunft hinsetzt. Groß-Klein ist ein ziemlicher Brennpunkt, da kommt so was nicht gut an. Ich würde das hier jetzt nicht als richtiges Ghetto bezeichnen, denn es gibt hier viele schöne Ecken. Aber es gibt eben auch weniger schöne, in denen das Zusammenleben dann schwieriger wird. Vor allem, weil hier doch viele Hartz-IV-Empfänger leben.

Insgesamt klappt das Zusammenleben. Eine Apotheke vor Ort hat einen Syrer angestellt. Da gehen jetzt natürlich alle Flüchtlinge hin, weil ihnen auf Arabisch geholfen werden kann. Aber wie man Flüchtlinge besser unterbringen kann, weiß ich nicht. Da habe ich mir bislang keine Gedanken gemacht. Das ist auch generell kein Thema in Rostock: Vielen ist das Thema Integration im Alltag eher egal."

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