Bild: imago/Future Image/Van Tine

Rihannas Kosmetik-Kollektion "Fenty Beauty" wird seit ihrem Erscheinen dieses Jahr als großer Erfolg gefeiert. Time Magazine kürte die Kollektion zu einer der besten Erfindungen des Jahres 2017. Gelobt wurde sie vor allem wegen einer Make-Up-Foundation, die es in 40 verschiedenen Hauttönen zu kaufen gibt.

Frauen in allen Größen, allen Formen und aller Hautfarben sind vertreten und werden angesprochen. Diverser geht es kaum.

Einem Fan, dem Brasilianer Alberto Otero, fehlt allerdings eine Gruppe: Trans-Frauen. Also spricht er Rihanna in einer privaten Twitter-Nachricht darauf an – und bekommt eine Antwort, die er dann veröffentlicht: 

Rihanna erklärt, dass sie Trans-Frauen für ihre Werbekampagne nicht extra casten würde, genauso wenig, wie sie heterosexuelle Cis-Frauen (also Frauen, deren Geschlechtsidentität ihrem biologischen Geschlecht entspricht) casten würde. Ob jemand transgender sei oder nicht, gehe sie überhaupt nichts an, schreibt die 29-Jährige Sängerin.

Ich glaube nicht, dass es Trans-Menschen gegenüber fair ist, sie als Marketing-Tool zu benutzen. Zu viele Werbekampagnen tun das, um sich zu profilieren. Das ist traurig!
Viele Twitter-Nutzer – inklusive Otero, der die ursprüngliche Nachricht verfasst hat – sind von Rihannas Meinung überzeugt.
Andere sehen ihre Aussage kritischer: 

Rihannas Antwort auf den Tweet hat eine Diskussion angestoßen, in der sich zwei Positionen gegenüberstehen: 

1

Die einen meinen, es sei eben auch Diskriminierung, für Werbekampagnen gezielt nach Trans-Menschen zu suchen.

  • Man solle einfach genauso mit ihnen umgehen, wie mit alle anderen auch.
  • In Rihannas Fall hieße das, dass auch jede Trans-Frau einfach zu dem offenen Casting hätte kommen können und sie dort genauso behandelt worden wäre, wie die anderen Bewerberinnen.
  • Außerdem würden Trans-Frauen immer wieder von Unternehmen und Kampagnen benutzt, um sich als weltoffen zu inszenieren. So wie Rihanna es in ihrer Antwort kritisiert.

2

Die gegenteilige Position argumentiert, man müsse Trans-Menschen anders behandeln – damit sie endlich sichtbar werden.

  • Nur durch die stärkere Präsenz von Trans-Menschen – zum Beispiel in Medien – würden sie irgendwann ebenfalls als Teil der Gesellschaft akzeptiert werden – erst dann kann man von einer echten Gleichstellung ausgehen.
  • Bis es soweit sei, müssten sie anders behandelt werden. So könnten auch nur ansatzweise die Nachteile ausgeglichen werden, die sie tagtäglich erfahren.

Die Diskussion, die nun rund um Rihannas Werbekampagne geführt wird, betrifft nicht nur Transgender – sondern alle unterrepräsentierten Gruppen, etwa auch Schwarze, Homosexuelle oder Frauen. Wie viel "Sonderstatus" sollte diesen Gruppen zugeschrieben werden? Sollten Frauen in Unternehmen in Form einer Quote bevorzugt behandelt werden? Kann man in einer Welt, in der nicht alle die gleichen Chancen und Zugänge haben, wirklich alle gleich behandeln? 

Die Fragen sind nicht immer eindeutig zu beantworten. Allein die Diskussion darüber ist allerdings bereits wichtig – wenn sie richtig geführt wird. Denn viel zu oft wird gar nicht reflektiert, wie viel Nachteile Trans-Menschen in ihrem Alltag immer noch haben.

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Tech

Rayouf Alhumedhi hat das Hijab-Emoji erfunden, seitdem ist alles anders
Die 16-Jährige aus Wien zählt nun zu einflussreichsten Teenagern der Welt – und wird gehasst.

Alles begann mit einem Chat. Als sich Rayouf Alhumedhi vergangenes Jahr mit zwei Freundinnen unterhielt und die beiden ein Emoji nutzten, das ihnen ähnlich sah, suchte Rayouf vergeblich nach einem Bild, das zu ihr passt. "Es gab keins", sagt sie. "Kein Mädchen mit Kopftuch."

Wieso ist das Kopftuch so wichtig? "Weil ich eines trage", antwortet Rayouf. "Und ganz ehrlich: Ich trage es freiwillig und gern. Viele Leute in meiner Schule kennen mich nur als das Mädchen mit dem Kopftuch."

Rayouf – cremefarbenes Kopftuch, weißes Sweatshirt, Jeans, silberfarbene Sneakers – ist 16 und lebt in Wien. Sie ist die Tochter eines Diplomaten aus Saudi-Arabien, ihre Geschichte erzählt sie in der Cafeteria der Vienna International School.