Bild: Ricarda Lang/ Grüne Jugend
Das verrät Grüne-Jugend-Sprecherin Ricarda Lang, 25, im Interview

Bei der SPD rollte einst der Schulz-Zug, bei den Grünen ist es wohl eher ein E-Bike – aber mit sehr vielen PS. Die Partei hat im vergangenen Jahr so viele Mitglieder dazugewonnen, wie noch nie seit ihrer Gründungsphase. 75.311 Mitglieder sind es insgesamt (SPIEGEL ONLINE). In den Umfragen zum Wahltrend liegt die Partei bei etwa 17 Prozent – fast gleichauf mit der SPD.

Das beflügelt offenbar: Die Grünen-Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt und die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer beschäftigen sich bereits damit, was nach der nächsten Bundestagswahl in zwei Jahren sein könnte und philosophieren über ein schwarz-grünes Bündnis

Was halten die jungen Leute in der Partei davon? Kann schwarz-grün wirklich funktionieren? 

Und sind auch die "Fridays For Future"-Schülerproteste ein Grund für den hohen Zulauf? Wir haben Ricarda Lang, 25, zum Grünen-Hype befragt. Sie ist Sprecherin der Grünen Jugend. 

(Bild: Ricarda Lang/ Grüne Jugend)

Die Grünen verzeichnen ein Rekordhoch an Mitgliederzahlen. Wie sieht es bei der Grünen Jugend aus?

Wir haben fast jeden Tag zehn Neueintritte. Ende Januar lagen wir bei 9500 Mitgliedern – ein neues Rekordhoch. Selbst nach der Atomkatastrophe von Fukushima hatten wir nicht so viele Menschen, die bei uns aktiv waren. Damals lag die Zahl bei etwa 9300.

Was mich besonders freut: Das Interesse ist gerade auch an Orten groß, an denen wir nicht traditionell eh schon stark vertreten sind. In der vergangenen Woche war ich auf einer Veranstaltung in Jena mit 50 Interessierten, in der Lausitz gründet sich gerade eine neue Ortsgruppe.

Bei den Grünen hat sich der Alterdurchschnitt von 49,5 auf 49 gesenkt – eine beachtliche Verjüngung sieht anders aus.

Klar, das klingt erstmal nicht so erheblich. Aber wenn man bedenkt, dass alle Parteien in den letzten Jahren im Durchschnitt immer älter geworden sind, ist das ein Erfolg. 

Es gab Vorwürfe, dass die Fridays-for-Future-Proteste von den Grünen gesteuert würden. Welche Verbindung habt ihr zu den Schülerprotesten? 

Das ist völliger Quatsch. Wir solidarisieren uns mit den Menschen, die für Klimaschutz auf die Straße gehen. Wir bieten Schülerinnen und Schülern, die sich dort gerade politisieren, gerne eine Anlaufstelle, um sich weiter zu engagieren. Aber die Entscheidung, zu streiken, treffen sie ganz alleine.

Die Mutmaßungen zeigen doch nur, dass jungen Menschen oft nicht zugetraut wird, sich selbst eine politische Meinung zu bilden und für etwas zu kämpfen. Aber die Schülerinnen und Schüler lassen sich von denen, die ihnen ihre politische Eigenständigkeit absprechen wollen, nicht entmutigen. Diese jungen Menschen warten nicht mehr auf Veränderung, sie gestalten sie selbst. 

Was habt ihr für Feedback aus den Ortsverbänden – kommen mehr Schülerinnen und Schüler, die an Protesten teilnehmen, zu euch?

Ja, das hören wir schon. Es ist trotzdem immer schwierig, Mitgliederentwicklungen monokausal zu erklären. Die Fridays-For-Future-Bewegung spielt sicherlich mit rein. 

Ein Faktor sind die Europawahlen. Junge Menschen haben oft besonderes Verhältnis zu Europa. Auch für mich persönlich ist immer klar, meine Zukunft liegt nicht in Deutschland, in einem Nationalstaat, sondern in einem vereinten Europa. Und so geht es vielen. Aber junge Menschen haben auch keine Lust mehr, verarscht zu werden. 

Aber auch SPD, CDU, FDP wollen mit einer Pro-Europa-Politik überzeugen. Das ist kein Alleinstellungsmerkmal der Grünen. 

Während die AfD offen eine antieuropäische Position vertritt, drucken alle anderen Parteien auf ihre Wahlplakate, wie wichtig ihnen Europa ist. Aber wenn es dann um konkrete Schritte geht – wie eine europäische Arbeitslosenversicherung, einheitliche Regelungen für den Klimaschutz oder ein gemeinsames Vorgehen gegen Steuerschlupflöcher – blockieren sie immer wieder.

Die SPD hat vor der Bundestagswahl einen ähnlichen Hype erlebt und ist dann abgestürzt. Drohen den Grünen und der Grünen Jugend ein ähnliches Schicksal?

Bei uns geht es um mehr als einen Personenhype, wie damals bei Martin Schulz. Wir geben die stärksten Antworten auf die Fragen der Zukunft. Die SPD versucht das gerade, in dem sie soziale Gerechtigkeit durch eine Reform des Sozialstaats wieder mehr als Thema voranstellt. Das ist gut. Aber es reicht noch nicht. 

Wir müssen uns auch fragen: Sollte der Wert eines Menschen von seiner Lohnarbeit abhängen? Bietet die Digitalisierung nicht auch die Chance, dass wir alle weniger arbeiten müssen? Wie funktioniert soziale Sicherung über den Nationalstaat hinaus? Und wie können wir eine Gesellschaft schaffen, in der Wohlstand nicht mehr auf der Zerstörung unserer natürlichen Lebensgrundlage und der Ausbeutung großer Teile der Welt beruht? Wir stellen diese Fragen, binden Menschen ein. Bei uns musst du nicht zehn Jahre lang Plakate geklebt und Mitglied im Kreisverband gewesen sein, damit deine Meinung gehört wird.

In einem Interview haben Katrin Göring-Eckardt und Annegret Kramp-Karrenbauer erklärt, dass sie sich eine schwarz-grüne Koalition vorstellen könnten. Kann das funktionieren?

Für mich ist gerade nicht die Zeit für Farbspiele auf Bundesebene. Wir haben die wichtigste Europawahl in der Geschichte vor uns. Dabei geht es um eine Richtungsentscheidung: Fallen wir zurück in den Nationalismus und kapitulieren vor einer globalisierten Welt oder können wir Demokratie und Rechtsstaatlichkeit retten und sichern.

Die Konservativen sind bei dieser Auseinandersetzung kein sinnvoller Partner. Gerade auf europäischer Ebene ist die Union nicht in der Lage, sich grundsätzlich von Rechtspopulisten zu distanzieren. Im Europäsichen Parlament bilden sie eine gemeinsame Fraktion mit den Antidemokraten der Europäischen Volkspartei um den ungarischen Politiker Viktor Orbán und in Österreich koaliert ihre Schwesterpartei mit der antisemitischen und rechtsextremen FPÖ. 

Wir wollen Europa erhalten, indem wir es verändern. Kuschelkurs mit der Stillstandpolitik ist da nicht hilfreich.

Die SPD müht sich seit Jahren ab, die CDU innerhalb der Großen Koalition zu einer grüneren Politik zu bewegen. Zermürbt die CDU demnächst die Grünen?

Bevor wir über Koalitionen in über zwei Jahren sprechen, sollten wir uns damit beschäftigen, wie wir gesellschaftliche Mehrheiten für unsere politischen Anliegen mobilisieren. Mehrheiten sind nicht in Stein gemeißelt. Das sieht man gerade in der Debatte um Klimaschutz. Dass jede Woche Zehntausende Menschen für den schnellstmöglichen Kohleausstieg auf die Straße gehen, hätte vor einem Jahr auch noch niemand erwartet.

Geht es also vor allem um persönliche Machtinteressen, wenn Göring-Eckardt und Kramp-Karrenbauer von einer möglichen Koalition sprechen?

Ich kann nur so viel sagen: In unserer Partei und bei der Grünen Jugend geht es gerade um den Kampf für ein demokratisches Europa. Nicht um Bundestagswahlen in zwei Jahren. Für uns sind die Europawahlen keine Wahlen zweiter Klasse.


Streaming

Errätst du diese Disney-Charaktere nur an ihren Farben?
Sieht fast aus wie Kunst, sind aber Disney-Figuren.

Arielles Haarfarbe oder Dschinnis Hautton? Die haben wir sofort vor Augen: knallrot und tiefblau. Denn das typische Aussehen von Disney-Charakteren bleibt oft auch über Jahrzehnte hinweg unverkennbar.

Ob leuchtend rote Haare, blaues Fell oder ein ausladendes, gelbes Ballkleid.

Aber selbst wenn du ein Disney-Fan bist und viele der berühmten Animationsfilme gesehen hast, wird dich wahrscheinlich überraschen, wie viele der Charaktere du allein an ihrem Farbschema erkennst.

Wie gut kennst du die Figuren aus den Disney-Filmen? Und kannst du sie nur an ihren typischen Farben erraten?