Die aktuelle Rentendebatte darf uns Jungen nicht egal sein.

Arbeitsministerin Andrea Nahles will das Rentenniveau hoch halten und die Beiträge niedrig – finanziert mit Steuergeld. Gut, dachte ich zunächst, soll sie mal machen. Das Thema ist so unsexy, dass ich lieber dreimal hintereinander "Das Slimani-Prinzip" lesen würde, als mich mit irgendwelchen Rentenplänen auseinanderzusetzen.

Tatsächlich aber ziehen die Alten uns Junge gerade ab – und wir sind daran nicht mal ganz unschuldig. Denn unsere Antwort lautet bislang: Alles klar, kein Ding, bitteschön.

Damit sollten wir aufhören.

Der Plan von Andrea Nahles geht so:

Sie will das Rentenniveau bis 2045 bei mindestens 46 Prozent halten. Finanziert werden soll das einerseits durch höhere Beitragssätze, die laut Plan aber nicht über 25 Prozent steigen. Andererseits fordert Nahles einen "Demografiezuschuss" ab 2030, den die Steuerzahler aufbringen sollen. (Mehr dazu bei bento)

Was ist von dem Plan zu halten?

Der Ökonom Marcel Fratzscher nennt die Pläne "Augenwischerei" und eine "Umverteilung zu Lasten junger Menschen". In der Tat hilft Nahles' Konzept den Mitzwanzigern von heute nicht.

Wir werden die zusätzlichen Steuern zahlen müssen, mit denen Nahles ihre Beruhigungspille für die Rentner finanzieren will; wir werden auch die höheren Beitragssätze zahlen müssen, um der Generation unserer Eltern die Rente zu sichern. Und was springt für uns dabei raus? Das weiß niemand so genau, denn für die Zeit unserer Rente gibt es noch nicht mal einen Plan.

Nach 2045, so fürchten Experten, könnte das Rentenniveau deutlich sinken. Wer für diese Zeit noch an eine sichere Rente glaubt, ist gnadenloser Optimist. Daran hat Nahles' Konzept nichts verändert – im Gegenteil.

Wir Jungen werden finanziell bluten.

Obwohl wir im Schnitt ohnehin weniger verdienen werden als unsere Eltern. Obwohl viele von uns unbefristete Verträge eh nur vom Hörensagen kennen. Und obwohl es die Generation von Nahles, Gabriel und Seehofer war, die das Schlamassel am ehesten zu verantworten hat.

Das ist dreist und das Gegenteil von Generationengerechtigkeit.

Die bittere Wahrheit ist: Wir tragen eine Mitschuld. Was die SPD tut, ergibt aus SPD-Sicht Sinn. Die Sozialdemokraten brauchen Stimmen, das heißt sie brauchen die Alten.

Ohnehin gibt es in Deutschland mehr alte als junge Menschen. Und die Alten gehen auch zur Wahl – unsere Generation hingegen vergleichsweise selten. Bei der letzten Bundestagswahl haben 80 Prozent der 60- bis 70-Jährigen gewählt und nicht einmal 60 Prozent der 21- bis 25-Jährigen.

Dazu kommt: Wer von uns entscheidet schon aufgrund der Rentenpolitik, welche Partei er wählt?

Das Thema spielt in der fernen Zukunft. Wer Anfang oder Mitte 20 ist, hat genug damit zu tun, den ganz normalen Wahnsinn des eigenen Lebens auf die Reihe zu kriegen. Studium, Ausbildung, die Suche nach einem ordentlichen Arbeitgeber – diese Probleme erscheinen tatsächlich viel drängender. Aber in der aktuellen Rentendebatte stehen eben auch die Interessen unserer Generation auf dem Spiel.

Wenn wir unsere Meinung jetzt nicht kundtun, kann sie auch nicht gehört werden.​

Dabei bekämen auch SPD und CDU ein Problem, wenn wir im Wahlkampf klar unseren Standpunkt vertreten würden. Dann würde nämlich mindestens eine Partei erkennen, dass sie mit einem Rentenplan, der uns nicht völlig außer Acht lässt, in unserer Zielgruppe richtig punkten kann. Das wäre ein Anfang.

Bis zur Bundestagswahl 2017 ist es nicht mehr lang. Höchste Zeit also, dass wir uns einmischen – auch wenn das Thema zunächst langweilig scheint.


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