Folge 3: #NachDenRechtenSehen

In Familien gehört Streit irgendwie dazu. Nach kurzer Zeit ist meist alles vergessen, immerhin hat man nur den einen Vater oder diese zwei Geschwister. Aber kann man auch darüber hinwegsehen, wenn die eigene Mutter Hitler-Cartoons bei Facebook teilt? Der Bruder sich in der Familien-WhatsApp-Gruppe über Geflüchtete aufregt, die gerade nebenan eingezogen sind? Kann man über rechte Einstellungen hinwegsehen, weil man mit der Person verwandt ist, die sie äußert?

Wir wollten wissen: Wie gehen junge Menschen damit um, die genau das in ihren Familien erleben? Wir haben euch nach euren Erfahrungen gefragt. 

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Wir haben euch auf Instagram dazu aufgerufen, eure Geschichte zu erzählen.

Mit allen zitierten Personen haben wir persönlich gesprochen, aber keine schriftlichen Nachweise für ihre Geschichten verlangt. Einige von ihnen wollten in diesem Text lieber anonym bleiben – ihre Namen haben wir geändert. Die echten Namen sind der Redaktion bekannt.

Eine Person erzählte, wie jemand aus ihrer Familie zum verurteilten rechtsextremen Gewalttäter wurde. Sie sagte uns zunächst, sie sei für ein Interview bereit. Dann zog sie das Angebot zwei Tage später zurück. Sie hatte Angst um ihre eigene Sicherheit. Sie kenne ihr Gegenüber, wisse, wozu es in der Lage sei, womit bereits gedroht worden war. 

Viele der Reaktionen auf unseren Aufruf erzählten vom Verhältnis zu älteren Familienmitgliedern, die sich neuerdings islamfeindlich äußern, sich Hitler zurückwünschen oder stolz verkünden, die AfD gewählt zu haben. Und davon, wie das diese eigentlich liebevollen Beziehungen belastet.

Auch die 25-jährige Janine hat sich bei uns gemeldet – und war bereit, vor der Kamera über ihre Erfahrungen zu sprechen.

Im Video seht ihr, was die Aussagen ihrer Verwandten mit ihr machen – und wie sie mit ihnen umgeht.

Oft wissen Betroffene in dieser Situation nicht mehr weiter. Wie sage ich meinen Verwandten, dass ich ihre Aussagen nicht hinnehmen kann – ohne die Beziehung zu gefährden? Spezialisierte Beratungsstellen für dieses Thema gibt es kaum. Die einzige bundesweite Fachstelle ist in Bremen. Hier haben sich Beratende auf den komplizierten Sachverhalt spezialisiert – eine von ihnen ist Lisa Hempel. 

Von ihr wollten wir wissen, ob Konflikte dieser Art zunehmen. 

Nach den Rechten sehen

Ein Bekannter postet rassistische Witze im Netz, Demonstrierende zeigen den Hitlergruß, Abgeordnete reden im Bundestag über eine angebliche "Umvolkung" – und verharmlosen die NS-Zeit.

Rückt Deutschland wieder gefährlich nach rechts?

Antworten auf diese Frage suchen wir in der Videoreihe "Nach den Rechten sehen". Wir haben uns in Deutschland auf die Suche gemacht. Mit den Rechten geredet – und mit jenen, die sich dem Rechtsruck entgegenstellen. 

Für Feedback, Fragen oder Kritik: Schreibt uns eine Mail an nachdenrechtensehen@bento.de.

In der nächsten Folge von #NachDenRechtenSehen geht es um das Thema, um das es an vielen Familientischen geht: Politik. Wie ist es, mit den Abgeordneten der AfD im Bundestag arbeiten zu müssen? Wie hat diese Partei sich so schnell radikalisiert und was bedeutet das für den Arbeitsalltag im Bundestag? 

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Gerechtigkeit

Was man bei einer Reise nach Tschernobyl lernt
Die Atomkatastrophe von Tschernobyl liegt über 30 Jahre zurück. Unser Autor hat den Ort 2016 besucht.

Noch eine Unterschrift. Fertig. Ein wenig beschissen fühle ich mich schon: Ich stehe in Victors Laden im Stadtzentrum von Kiew, gerade habe ich eine Sightseeingtour ins radioaktiv verseuchte Katastrophengebiet von Tschernobyl gebucht. Kosten: etwa 140 Euro.

Der Prospekt preist die Vorzüge des Tagesausflugs: Besuch der Stadt Tschernobyl, Mittagessen in einer Kantine innerhalb der verstrahlten Zone, Fahrt zum havarierten Reaktor und weiter nach Prypjat, früher Zuhause von 50.000 Menschen – und heute eine Geisterstadt.