So erleben junge Menschen den Rechtsruck in ihren Familien

Die rechtspopulistische AfD sammelt in ganz Deutschland Wahlerfolge. Wütende Demonstrantinnen und Demonstranten gehen mit rassistischen Parolen auf die Straßen. Und auch auf YouTube und Instagram machen Neue Rechte Stimmung. 

Aber wer sind die Protestierenden, AfD-Wähler und Mitstreiter – und wie fühlt es sich an, wenn der eigene Vater, die eigene Mutter, Bruder, Schwester, Onkel oder Tante dazu zählen? Wie geht man damit um, wenn ein Mensch, den man liebt, seit man denken kann, plötzlich rassistische Witze im Netz teilt oder von rechten Verschwörungstheorien überzeugt ist?

Im Rahmen unserer Videoreihe "Nach den Rechten sehen" wollten wir wissen, welche Erfahrungen ihr in der Familie mit dem Rechtsruck gemacht habt.

Zur Recherche

Wir haben euch auf Instagram dazu aufgerufen, eure Geschichte zu erzählen.

Mit allen zitierten Personen haben wir persönlich gesprochen, aber keine schriftlichen Nachweise für ihre Geschichten verlangt. Einige von ihnen wollten in diesem Text lieber anonym bleiben – ihre Namen haben wir geändert. Die echten Namen sind der Redaktion bekannt.

Robert, 30

(Bild: privat)

Ich bin im Osten geboren und aufgewachsen, ebenso wie meine Eltern. Meine Mutter ist Ingenieurin im Staatsdienst, mein Vater führt ein kleines Handwerksunternehmen. Ich selbst habe nach der Schule in verschiedenen Klein- und Großstädten gelebt und wohne zurzeit mit meinem Freund in Berlin. 

Als meine Eltern mir eines Tages in einem Nebensatz mitteilten, dass sie die AfD unterstützen und auch wählen, war ich schockiert, irritiert, traurig und enttäuscht. Ich erkannte meine eigenen Eltern fast nicht wieder. Für mich ist das paradox: Wie kann man sich selbst für aufgeschlossen und weltoffen halten und das in vielen Aspekten auch zeigen – aber auch extrem islamophob sein? Auf der einen Seite einen schwulen Sohn haben, auf der anderen die traditionelle Familie als Leitbild okay finden? Inzwischen haben sie sich immer mehr radikalisiert und glauben selbst die absurdesten Verschwörungstheorien. 

Sie sind für Fakten einfach nicht mehr erreichbar, so sehr ich es auch versuche. Deshalb habe ich den Kontakt abgebrochen.
Robert

Wie ich weiter mache, weiß ich nicht. Ich bin Einzelkind und habe meine Eltern und Familie unglaublich lieb, auch jetzt noch. Ich weiß nicht, was mir schwerer fällt: nicht mit ihnen zu reden oder mir ihre fortschreitende, erschreckende Radikalisierung mit ansehen zu müssen. Das Thema belastet mich psychisch sehr. Auch deshalb will und muss ich öffentlich darüber sprechen, denn ich kann mir gut vorstellen, dass es auch vielen anderen so geht.

Sandra*, 27

(Bild: privat)

Zum Glück gibt es in meiner eigenen Familie keinen Rechtsruck – aber dafür in der Familie und im Freundeskreis meines Freundes. Es fällt mir mittlerweile sehr schwer, ihn auf Familienfeiern zu begleiten oder gemeinsam mit seinen Freunden etwas zu unternehmen.

Ich bin an einem Punkt angekommen, wo ich das nicht mehr hinnehmen kann und will.
Sandra*

Auf Familienfeiern, die sich tatsächlich nicht vermeiden lassen, stehe ich zu meiner Meinung. Das ist natürlich problematisch für meine Beziehung. Ich nehme dann einen Streit und emotionale Eiszeit zwischen meinem Freund und mir in Kauf. Ich weiß nicht, wie lange ich das noch aushalten kann und denke in letzter Zeit immer öfter über eine Trennung nach.

Vanessa, 27

(Bild: privat)

Das beste Beispiel für einen Rechtsruck in der Familie sind meine Brüder. Bei jedem Zusammentreffen hoffe ich, dass ein Thema nicht aufkommt: Flüchtlinge. Denn, ich zitiere: "die nehmen uns die Arbeit weg", "die wollen Deutschland doch nur ausbeuten" und "ist doch klar, dass die alle nach Deutschland wollen". Das sind die Klassiker. Es geht aber auch noch heftiger unter die Gürtellinie.

Meine Brüder sind sehr belesen – nur lesen sie scheinbar auf den falschen Seiten. Ich schäme mich für viele Sätze, die an solchen Abenden fallen. Oft ist darunter auch sowas wie: "Wenn das Hitler erleben würde".

Das ist befremdlich, und ich kann einfach nicht verstehen, woher der Hass kommt.
Vanessa

Mir macht das Angst, denn ich denke, sie haben aus der Geschichte nicht gelernt. Früher waren es die Juden, jetzt sind es die Muslime.

Ich bin überhaupt nicht so, ganz im Gegenteil. Unser Verhältnis ist trotzdem gut, ich vertrete einfach nur nicht die gleiche Meinung. Wenn diese Themen aufkommen, geht es manchmal ordentlich zur Sache. Erfreulicherweise gibt es aber auch Situationen, in denen meine Brüder mir zustimmen. Trotzdem kann ich sie meist nicht komplett überzeugen.

Patrick, 19

(Bild: privat)

Der Freund meiner Mutter sagt gerne sowas wie "beim Adolf wären die Habaks nie rein gekommen" oder "Scheiß Flüchtlinge". Sein Klingelton ist "SMS von der Ostfront" und als ich sagte, das sei zum Glück vorbei, meinte er nur: "Das wird hoffentlich bald zurückkommen."  Er hat keinen Plan vom AfD-Wahlprogramm – Hauptsache gegen Ausländer hetzen. Wenn man ihn dann darauf aufmerksam macht, was die AfD alles gesagt hat, getan hat und tun will, dann ist ihm das egal. Das sei ja gar nicht wahr.

Meine Mutter war auch eine Zeit lang AfD-Wählerin. Bis ich ihr gesagt habe, dass ich schwul bin.
Patrick

Ich habe ihr gesagt: Das erste, was die AfD im Parlament versucht hat, war die Homo-Ehe wieder zu verbieten. Dann hat sie sich mehr mit der Partei auseinandergesetzt. Sie hat verstanden, dass die AfD keine Alternative ist, sondern die Zeit auf 1930 zurückstellen will. Das ist jetzt auch immer mehr Streitthema zwischen den beiden, meiner Mutter und ihrem Freund.

Bei Familienfeiern kommen natürlich die "bösen Ausländer" zu Gespräch, wobei mein Bruder, seine Freundin und ich immer die gleiche Reaktion haben: mit den Augen rollen und schnell das Thema wechseln. 

Es ist einfach ätzend. Man kann mit solchen Leuten nicht diskutieren. Egal welche Argumente man hat, um aufzuzeigen was die AfD wirklich ist, sie sind vollkommen nutzlos, da die "bösen, bösen Ausländer" Schuld sind. Egal an was. 


Style

Gesucht, gefunden: 15 coole Badeshorts für den Sommer 2019

Ein muskelbepackter Daniel Craig erhebt sich aus dem Wasser, bekleidet mit einer enganliegenden, blauen Badehose – so zu sehen im James-Bond-Film "Casino Royale". Der Film macht den britischen Schauspieler zum Sex-Symbol und die Badehose zum Verkaufsschlager. 

Später sagte Craig in einem Interview mit dem "Playboy", dass er die besagte Szene bereue, weil sie sich "sehr, sehr merkwürdig" angefühlt habe – und dass er sich davor fürchte, im nächsten Film wieder halbnackt vor der Kamera stehen zu müssen.

Der Punkt ist: Die Zurschaustellung des eigenen Körpers fällt einigen Menschen leichter als anderen. Das gilt auch für Promis. Und wer im Sommer die Hüllen fallen lässt, sollte sich wohl fühlen in seiner Badehose, ob muskelbepackt wie Daniel Craig oder nicht.

Für alle, die dafür noch nicht das passende Modell gefunden haben, kommen hier 15 Vorschläge, aufgeteilt in die drei Trendsdes Jahres: