Zu makaber – oder wichtige Aufklärung?

Im britischen Fernsehen läuft seit Dienstag ein neues Comedy-Format: "The Real Housewives of ISIS". Der Sketch ist Teil der Satirereihe "Revolting" und läuft auf BBC Two. In der Reihe wird das Leben von jungen Frauen in den Hoheitsgebieten des "Islamischen Staats" persifliert.

"Es sind nur noch drei Tage bis zur Enthauptung und ich habe keine Ahnung, was ich anziehen soll", sagt eine Islamistin. Eine andere führt ihre neue Sprengstoffweste wie ein Accessoire vor: "Ahmed hat mich gestern damit überrascht, was haltet ihr davon?" Die Witze sind makaber, das Setting ist an die US-amerikanische "Real Housewives"-Reihe angelehnt.

So sieht "The Real Housewives of ISIS" aus:

Hier könnt ihr den Auszug auf der Facebook-Seite von BBC sehen. Embedding verbietet der Sender.

Im Netz gab es für das neue Format direkt Kritik.

Vor allem auf Facebook streiten sich viele BBC-Zuschauer. Und auch via Twitter kommen Beschwerden. Einige finden das Thema zu ernst, um sich darüber lustig zu machen:

Andere loben es gerade für die scharfe Satire – die gerade vor Islamisten nicht halt machen darf:

Wie wir mit der IS-Miliz umgehen

Wir verwenden bei bento die Bezeichnung "Islamischer Staat", weil es der gängigste Begriff für die Miliz ist. Mit den Anführungszeichen distanzieren wir uns zugleich vom selbst definierten Anspruch der Miliz, islamisch oder ein funktionierender Staat zu sein. Als Kürzel nutzen wir IS, in englischsprachigen Medien findest du oft auch ISIS oder ISIL.

Hinter der Show stecken die Comedians Heydon Prowse und Jolyon Rubinstein. Sie verteidigen ihren Ansatz: Sie würden sich nicht über die Opfer des "Islamischen Staates" lustig machen, sondern die Anwerbetaktiken der Terrormiliz kritisieren. "Es geht um die Menschen, die für diese Art der Kontaktaufnahme anfällig sind", sagt Rubinstein der "Sun".

Tatsächlich ist die Anwerbung junger Frauen durch den IS in Großbritannien ein großes Problem.

Die wichtigsten Fakten:

1. DER ISLAM IST FÜR TAUSENDE BRITINNEN SEHR ATTRAKTIV.
In Großbritannien konvertieren jedes Jahr mehrere Tausend Menschen zum Islam, 2011 sollen es rund 5000 gewesen sein ("The Economist").
Laut einer Studie der Cambridge University​ sind drei Viertel davon Frauen.
2. HUNDERTE MUSLIME SIND EMPFÄNGLICH FÜR RADIKALE IDEEN.
Seit Erstarken des IS im Sommer 2014 sollen rund 850 Briten nach Syrien und in den Irak ausgereist sein ("The Guardian").
Sie wollen dort für die Terrormiliz kämpfen oder erhoffen sich ein Leben im sogenannten "Kalifat".
3. VOR ALLEM BRITISCHE MUSLIMA WERDEN ALS FRAUEN FÜR KÄMPFER ANGEWORBEN.
Der IS verspricht eine Utopie vom perfekten Land, es gibt feste Löhne und Familienfürsorge. Ehefrauen von "Märtyrer" bekommen eine Rente.
Das begeistert vor allem junge Mädchen, die sich in der britischen Gesellschaft ausgegrenzt fühlen und keinen Job bekommen.
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Eine der aktivsten Anwerberinnen für den IS ist die Britin Sally Jones. Die 47-Jährige betreibt unter dem Alias "Umm Hussain al-Britannija" Propaganda für den IS, ruft zu Anschlägen auf und will junge Frauen in den Nahen Osten locken. Sie soll zudem die Anführern der IS-Frauenbrigade sein (Counter Extremism Project).

Eine andere berüchtigte britische Islamistin ist Samantha Lewthwaite, genannt "Weiße Witwe". Ihr Mann hat sich 2005 in der Londoner U-Bahn in die Luft gesprengt, sie selbst soll Drathzieherin eines Anschlags in Nairobi 2013 sein ("Daily Mail").

Nach diesen "Vorbildern" ziehen Dutzende Mädchen, zum Teil erst 14 oder 15 Jahre alt, nach Syrien und in den Irak.

Viele junge Mütter nehmen auch ihre Kinder mit ("The Independent"). Auch wenn der IS längst an Einfluss verliert und Hunderte Kämpfer fliehen (bento), bleibt die Miliz nach Ansicht britischer Sicherheitsexperten weiterhin für junge Frauen attraktiv.

Noch im vergangenen Sommer sollen Hunderte an eine Ausreise gedacht haben, sagt der Extremismusexperte Firaz Mughal. Das Leben in Großbritannien würde ihnen keine Perspektive bieten ("The Guardian").

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