Bild: Unsplash/Sam Manns

Deutschland ist mehrheitlich weiß. So weiß, dass schwarze Menschen jenseits der Großstädte immer noch für neugierige oder irritierte Blicke sorgt. Lehrer sind weiß, Kindergärtner sind weiß, Ärztinnen sind weiß. Shampoo ist für blondes Haar, Bodylotion für weiße Haut. 

Auf dem Twitterkanal "hrmpfm" zeigt Amalie Toyou, 30, dass schwarze Menschen dadurch bisweilen große Probleme bekommen könnenAmalie wuchs in Niedersachsen auf, in einer weißen Gegend, in einer weißen Familie. 

Auf dem Gymnasium war sie eines von zwei nichtweißen Kindern. "Dass alle immer weiß sind, mach einen Alien-artig", sagt Amalie zu bento. 

In der Schule und durchs Fernsehen sei das nur verstärkt worden: "Schwarze Menschen wurden im Unterricht immer aus weißer Sicht gezeigt, als 'edle Wilde' oder versklavte Menschen. Im Fernsehen gibt es entweder hungernde Kinder, Asylbewerber, Gangster oder sexualisierte Frauen zu sehen. Solche Bilder verstärken das Anderssein. Starke oder mittelmäßige, einfach nur existente oder professionelle Schwarze werden nicht oder wenig gezeigt."

Nicht nur Amalie gehe es so: "Das ist eine kollektive Erfahrung von Vereinzelung, die sehr viele schwarze Menschen in Deutschland machen."

Amalie Toyou(Bild: Privat)

Durch die fehlende Verbindung zu anderen Menschen der gleichen Hautfarbe verpasse man etwas, sagt sie: Denn viel Wissen über sich selbst, den eigenen Körper oder darüber, was "normal" ist, werde nicht vermittelt. Gar nicht aus böser Absicht, oft aus Unwissen – aber mit großen Auswirkungen. 

Ein gefährliches Beispiel: Während einer lang andauernden Behandlung wurde Amalie im Krankenhaus als "Junkie" beschimpft, weil die Ärzte davon ausgingen, dass "Schwarze ein geringeres Schmerzempfinden haben" und deshalb weniger Medikamente gaben. Ihre heftigen Reaktionen schob man auf eine Überdosis. "Niemand erkannte, dass ich blass und blutarm war, erst auf mein Drängen hin wurde das untersucht. Entschuldigungen gab es keine." 

Die Ärztinnen und Ärzte wussten es nicht besser, hatten es nie gelernt.

Über uns wird nichts gelehrt. Wir werden unsichtbar gemacht und damit herabgesetzt, trotz unserer Anwesenheit in diesem Land seit vielen Jahrhunderten.
Amalie
Amalie hat, um anderen Menschen solche Erlebnisse zu ersparen, eine Liste mit Tipps geschrieben.
Hier sind ihre Tipps: 
  1. Schwarze Haut neigt zu hyper- und hypotropher Narbenbildung. Narben werden oft Hügelchen oder Täler. Das ist wichtig zu wissen vor OPs, Piercings oder Tattoos.
  2. Schwarze Haut neigt bei Narben, auch von Kratzern oder Pickeln, zu Melanin-Einschüssen – auch Dark Spots genannt. Die sind nicht schlimm und regenerieren sich nach sechs bis 24 Monaten von allein.
  3. Weiße Handtücher sind kacke. Wenn du dich abtrocknest und das Tuch braun wird, heißt das nicht, dass du schmutzig bist. Das sind Hautschüppchen, die sich gelöst haben. Ist normal und nicht schlimm oder Grund zu Scham.
  4. Kaum jemand hat nur eine Hautfarbe. Es ist normal, dass deine Haut unter den Achseln, zwischen den Beinen... mal dunkler und an anderen Stellen heller ist.
  5. Alle in diesen Breitengraden neigen zu Vitamin D-Mangel. Mach eine Vitamin D-Kur.
  6. Benutze Sonnenmilch, auch wenn Sonnenbrand unwahrscheinlicher ist. Krebs diskriminiert nicht.
  7. Unsere lockigen Haare brauchen eine andere Pflege als Werbung suggeriert. Was hilft, ist seltener (und so warm wie möglich!) waschen und die Feuchtigkeit durch Öle/Cremes/Gels zu versiegeln.
  8. Schuppenflechte, Neurodermitis oder Ekzeme sind kein Grund, sich zu schämen. Ja, es fällt mehr auf. Das Allheilmittel bei mir: Kokosöl.
  9. Immer schön eincremen! Verwende am besten Kokosöl. Deine Haut wirds dir danken. Ausserdem ist es günstiger und ergiebiger als der DM-Shit.
  10. Aber: Kokosgeruch darf dich nerven. Du darfst Sheabutter kacke finden.
  11. Nein, du musst deine "Wurzeln" nicht finden. Manche findens heilsam. Andere überwältigend. You do you.
  12. Schwarze Menschen nicken dir zu und fragen dich, wie es dir geht. Sieh es als deinen persönlichen Harry Potter-Moment. Du gehörst in eine andere Welt und wirst erkannt. Wir sind eine Gemeinschaft.
  13. Lockiges Haar? Benutz einen Kopfkissenbezug aus Microfaser, Seide oder Satin. Entzieht weniger Feuchtigkeit und sorgt für weniger Knoten.
  14. Kämme deine Haare nicht täglich.
  15. Kämme sie nur nass und am besten mit Spülung drin. Beginn an den Spitzen. Arbeite dich hoch. Bestenfalls teilst du deine Haare in vier bis acht Abteilungen. Hilft.
  16. Du bist schwarz genug. Du bist wertvoll.
  17. Wir können nicht alle singen, tanzen, ballspielen. Wir sind nicht alle hypersexuell. Wir sind nicht alle natürlicherweise gut mit Kindern. Du bist okay.
  18. Such dir schwarze Freundinnen und Freunde. Wirklich. Es hilft. Dir wird erst dann wirklich bewusst, wie sehr Schwarzsein Leben prägt und wo überall.
  19. Es gibt keinen Bereich, in dem dein Schwarzsein nicht Belang hat.
  20. Du bist okay.
  21. Du bist okay.
  22. Du bist okay.
  23. Betablocker (blutdrucksenkende Mittel) haben bei manchen schwarzen Menschen eine paradoxe (gegenteilige) Wirkung. Wenn deine Ärztinnen und Ärzte das nicht wissen, suche dir andere.
  24. Dein Zahnfleisch ist nicht automatisch krank, nur weil es nicht rosa ist. Viele Schwarze Menschen haben dunkles bis schwarzes Zahnfleisch. Zahnärztinnen und -ärzte können sehen, ob es gesund ist.

Wir haben Amalie noch gefragt, was man tun kann, um die Situation schwarzer Menschen in Deutschland zu verbessern. Die Antwort ist offensichtlich: 

"Aufklärung. Immer wieder Aufklärung."

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