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Fünf Deutsche erzählen von ihren Erfahrungen

Es ist die Frage nach der Herkunft, das Lob für die gute Aussprache, die Zurückweisung an der Clubtür: Alltagsrassismus schleicht sich in vielen Facetten in unser tägliches Leben ein. Und er bewirkt immer, dass Menschen zu etwas "Anderem" erklärt werden, zu einem Fremden, zu jemandem, der eigentlich nicht dazugehört. 

Viele, die in Deutschland geboren und aufgewachsen sind, sind diesem Rassismus tagtäglich ausgesetzt. Weil ihre Haut ein wenig dunkler ist, weil sie ihre Haare mit einem Kopftuch bedecken, weil der Name etwas unvertraut klingt.

Wir haben mit fünf von ihnen gesprochen und sie nach ihren Erfahrungen mit Alltagsrassismus gefragt. 

Amina, 27, ist in Hannover geboren und aufgewachsen. Da ihr Vater Pakistaner und ihre Mutter Britin ist, können viele nicht glauben, dass sie Deutsche ist.
Ich habe mich früher oft gefragt, ob ich einfach nicht hierhin gehöre.

 Alltagsdiskriminierung begegnet mir oft. Zum Beispiel einmal, als ich im ICE auf einem Platz saß, der für Inhaber der bahn.comfort-Karte reserviert war. Da ich viel mit der Bahn reise, hatte ich mir eine solche Karte zugelegt. Ich saß an meinem Laptop, als ein Mann neben mir stehen blieb. Er sagte, dass ich hier nicht sitzen könne. Als ich erwiderte, dass ich das sehr wohl könne, wollte er meine Karte sehen, die ich ihm aber nicht zeigte. Er ging wütend weiter und nuschelte etwas vor sich hin. Ich war die einzige in dem Gang, die nicht  so aussah, wie sich viele immer noch "typisch deutsch" vorstellen. Jeder andere hätte angesprochen werden können, aber der Mann hat mich ausgesucht. 

In solchen Situationen zeige ich den Menschen, dass ihr Verhalten nicht in Ordnung ist. Ich nehme auch meine Freunde in die Verantwortung: Wenn ich mit ihnen unterwegs bin, ist es auch ihre Aufgabe, solche Situationen offen anzusprechen. Auch Menschen, die nicht von Rassismus betroffen sind, sollten sich einmischen. Das geht jeden etwas an.

Mustafa, 22, studiert in Essen Lehramt. Seine Eltern kommen ursprünglich aus der Türkei.

Ich habe eine Zeit lang als Fotograf gearbeitet. Da sollte ich die Teilnehmer eines Workshops fotografieren. Die Kursleiterin stellte mich so vor: "Das ist übrigens unser Fotograf. Aber habt keine Angst, er ist nicht vom IS – auch wenn er einen Bart trägt." Zum Glück fand das keiner der Kursteilnehmer lustig. Als ich sie später darauf ansprach, meinte sie nur, dass es doch witzig gewesen sei. Bei einem späteren Termin war ich mit einem Koffer da und sie fragte mich, ob der gleich explodiere. Da habe ich gekündigt.

Hier findest du mehr Texte zu Ausgrenzung, Diskriminierung und Rassismus:
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Manchmal versteckt sich Diskriminierung aber auch in einem Lob: In der neunten Klasse wechselte ich die Schule und kam in einen Jahrgang mit einem sehr geringen Migrantenanteil. Meine damalige Geschichtslehrerin schrieb unter einen meiner Aufsätze, dass sie es bemerkenswert fände, wie gut mein Deutsch sei. Ich weiß, sie meinte das nicht böse, aber ich habe sie am Ende des Unterrichts darauf hingewiesen, dass ich in Deutschland geboren und aufgewachsen bin und dass auch meine Mutter hier aufgewachsen ist. Meine Muttersprache ist Deutsch. 

Viele meinen, "sowas" dürfe man ja wohl noch sagen. Das sehe ich anders: Die Grenze ist da, wo man andere in eine Schublade steckt, sie vorverurteilt oder Menschen kurzerhand mit Extremisten oder Terroristen gleichsetzt. Ich fände es auch nicht ok, wenn jemand sagen würde, alle Deutschen seien Nazis. 

Esim, 26, ist in Deutschland geboren und lebt seit kurzem in Wien. In ihrer Heimatstadt Karlsruhe hat ein Mann versucht, ihr das Kopftuch abzuziehen. 
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Vor einigen Jahren hat ein Mann beim Vorbeigehen versucht, mein Kopftuch runterzureißen. Er lief sofort weg. Zwei Passanten kamen zu mir und fragten, ob alles in Ordnung sei. Ich stand unter Schock. 

Ich weiß nicht, was ich heute in so einer Situation tun würde. Aber wenn man mich verbal angreift, wehre ich mich und ignoriere es nicht einfach – obwohl ich das früher sehr oft getan habe. Ich wurde schon viel beschimpft ­– von "Kopftuchschlampe" bis "IS-Tochter". Ich drehe mich dann um und bitte die Leute, mir das noch einmal ins Gesicht zu sagen. Die meisten trauen sich nicht.

Vor einigen Jahren bin ich nach Österreich gezogen und habe hier meinen Master angefangen. Mir fällt auf, dass die Österreicher mutiger in ihrem Rassismus sind. Sie trauen sich mehr als die Deutschen und verteidigen ihre fremdenfeindlichen Einstellungen auch noch.           

Ich wurde schon als vieles beschimpft ­– von "Kopftuchschlampe" bis "IS-Tochter".
Esim

Früher war ich noch sehr naiv und habe immer versucht, ihre Positionen zu verstehen, die Dinge aus ihrem Blickwinkel zu betrachten. Ich habe ihnen zugehört, wenn sie gesagt haben: "Aber kannst du uns nicht verstehen? Es gibt doch diese Fälle!"

Heute denke ich, dass es überhaupt keine Legitimation für Diskriminierung oder Rassismus geben kann. Die Schuld liegt beim Täter, nicht bei den Opfern.

Jeffrey, 19, wurde in Dortmund geboren und lebt auch dort. Seine Mutter ist in Deutschland geboren, sein Vater kommt aus Ghana.

Ich wurde schon oft wegen meiner Hautfarbe diskriminiert – auch von der Polizei. Als ich jünger war sahen ein Freund und ich, dass kleine Kinder in der Nachbarschaft auf den Dächern spielten. Wir wollten sie dort runterschicken, weil das gefährlich war. Das fanden nicht alle um uns herum gut, es wurde etwas lauter und eine Menschenmenge bildete sich.

Die Polizei muss in der Nähe gewesen sein – als die Polizisten kamen, liefen sie sofort auf meinen Freund und mich zu. Wir waren die einzigen Farbigen in der Menge. Wir sollten unsere Personalausweise zeigen. 

Auch hier werden Personengruppen gezielt herausgegriffen und kontrolliert.
Jeffrey

Man könnte meinen, dass seien einfach Missverständnisse. Aber ich habe solche Erfahrungen schon oft gemacht. Ich habe viele farbige Freunde, aber auch viele weiße. Wenn ich mit meinen farbigen Freunden unterwegs bin, werden wir einfach aus dem Nichts kontrolliert. Das Problem habe ich mit meinen weißen Freunden nicht.

Die USA haben ein offensichtliches Problem mit Polizeigewalt gegen Schwarze. Es mag in Deutschland zwar nicht so ausgeprägt sein, aber auch hier werden Personengruppen gezielt herausgegriffen und kontrolliert.

Sara, 21, ist in Bochum geboren und aufgewachsen. Seit drei Jahren trägt sie ein Kopftuch.

Ich frage mich oft, wie es sein kann, dass ich in diesem Land geboren und aufgewachsen bin, mich sozial engagiere, studiere und trotzdem nicht als Teil der Gesellschaft wahrgenommen werde.

Ich saß mit einer Freundin in einem Café, als wir ihre Gesangslehrerin trafen. Sie grüßte mich kurz. Da es ein Gespräch zwischen den beiden war, sagte ich nichts mehr. Am Ende verabschiedete sie meine Freundin mit den Worten: "Ich finde es übrigens toll, dass du jetzt auch Flüchtlingen Deutsch beibringst." 

Meine Freundin und ich waren geschockt und konnten gar nichts sagen. Die Gesangslehrerin dachte wegen meines Kopftuches, dass ich geflüchtet sei, kein Deutsch spreche und eben keine Deutsche sei. Obwohl sie es sicher nicht böse gemeint hat, hat mich die Situation verletzt. 

Unsere Geschichten zu Kopftuch, Hijab und Burka:
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Ich trage das Kopftuch erst seit etwa drei Jahren. Ich dachte: Damit zeige ich meine religiöse Überzeugung, auch nach außen. Aber wenn man immer wieder wegen des Kopftuches diskriminiert wird und als unterdrückt und rückständig verstanden wird – man sich selber aber überhaupt nicht so sieht – dann macht es einen nachdenklich. 

Ich wünschte, ich könnte einfach ich selbst sein, und nicht repräsentativ für jemanden stehen.
Sara

Ich bin immer in der Position, mich erklären zu müssen: Ich bin nicht unterdrückt, ich bin nicht rückständig. Ich kann für mich sprechen. 

Ich wünschte manchmal einfach, dass ich nur ich selbst sein kann und nicht repräsentativ für jemanden stehe. Man lernt damit umzugehen, aber das heißt nicht, dass es einfacher wird. 


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