Der Ramadan ist im Islam nicht nur ein heiliger Monat, bei dem Muslime fasten und beten – er ist in vielen muslimischen Ländern auch ein Monat voller TV-Events. Allabendlich versammelt sich die Familie zum Fastenbrechen vor dem Fernseher. 

Dann laufen aufwendig produzierte Blockbuster aus Ägypten, zuckersüße Daily Soaps aus der Türkei oder quietschbunte Castingformate vom Golf.

Seit einigen Jahren auch im Trend: Richtig aggressive Versteckte-Kamera-Formate.

Gleich mehrere arabische Sender spielen mit Klischees der von Krisen und Bürgerkriegen durchschüttelten Region. Es gibt Terror-Pranks und inszenierte Verhaftungen, es gibt Islamismus-Schwüre und Überwachungsstaat-Aktionen. Selbst Paris Hilton wird im arabischen TV hereingelegt.

Der bekannteste arabische "Pranker" ist der ägyptische Schauspieler Ramez Galal. Er entwirft oft sehr extreme Szenarien. 

Im jüngsten Beispiel lockt er Schauspieler, darunter den indischen Bollywood-Star Shah Rukh Khan in eine Treibsandfalle.

Und hetzt dann einen Komodowaran auf sie:

Bei einem anderen Streich lockt er Paris Hilton in ein Flugzeug und inszeniert einen Absturz. Die Maschine war wirklich in der Luft.

Und Paris Hilton ist am Ende sichtbar verstört:

Der wohl umstrittenste Scherz des Ägypters war eine inszenierte Geiselnahme 2012. Terroristen stoppten einen Touribus in der ägyptischen Wüste und schossen um sich.

Beim Überfall splitterte die Windschutzscheibe, alle kauerten sich panisch auf den Boden:

In anderen Pranks geht ein Boot unter und falsche Haie schwimmen auf die Ertrinkenden zu, oder IS-Terroristen stürmen eine Wohnung in Kairo und zwingen die Bewohner, Sprengstoffwesten anzuziehen (YouTube). 

Eine tunesische Show konfrontierte Betende mit einem besonders strengen Imam. Der Imam ist der Vorbeter in der Moschee, die Gläubigen richten sich nach ihm. Im Prank erschüttert ein Erdbeben die Moschee, aber der Imam zieht sein Gebet durch – und zwingt die anderen trotz Todesangst mitzumachen.

Die jüngste Ausstrahlung von Ramez Galas Show in Ägypten wurde in der arabischen Twitter-Community zum Trending Topic. Aber der harte Humor gefiel nicht jedem:

All diese Versteckte-Kamera-Formate sind extrem, viele spielen mit dem Thema Islamismus. Warum?

Es ist eine sehr makabre Art, sich mit der Gewalt in der Region auseinanderzusetzen. Normale Muslime distanzieren sich vom Hass der Islamisten, in Demonstrationen oder Gebeten zeigen sie, dass Terrorgruppen wie Al-Qaida oder der "Islamische Staat" nichts mit ihrem Religionsverständnis zu tun haben.

Trotzdem berufen sich Islamisten auf den Islam und führen für ihre Taten Koran-Zitate an. Die harten Prank-Shows sind eine Art, damit umzugehen: Sie ziehen den Fanatismus ins Absurde.

Auch andere Formate setzen sich mit dem Thema Islamismus auseinander. Seit Jahren ein Dauerbrenner im Nahen Osten ist der Comic "Ahmed wa Salim" über zwei Möchtegernterroristen: 

Und ganz ernst setzt sich aktuell eine Dramaserie mit dem Leben von Frauen im IS-Gebiet auseinander:

Das jüngste Beispiel der Prank-Formate ist eine Episode der Sendung "Rana Hkamnak!" ("Haben wir dich!") aus Algerien. Dort wurde der 75-jährige Schriftsteller Rachid Boudjedra von zwei falschen Polizisten dazu gezwungen, sich zum islamischen Glauben zu bekennen. 

Boudjedra ist kein strenger Gläubiger, aber sehr angesehen im Algerien. Das Land wird seit 1999 vom alterskranken Autokraten Abd al-Aziz Bouteflika regiert, er hat es in einen sehr strengen Polizeistaat verwandelt. Die Polizisten im Video warfen dem Schriftsteller nun "Atheismus und Spionage gegen den Staat" vor. Mit der Formel "Gott ist groß" sollte er sich bekennen.

Im Land hatte der Scherz für eine aufgeregte Debatte gesorgt. 

Nicht etwa, weil sich Muslime im Glauben verletzt fühlten – sondern weil viele Zuschauer der Meinung war, die Idee mit dem starken Staat ging zu weit und Boudjedra wurde für sein Alter extrem respektlos behandelt (BBC).

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Viele Menschen hören im Laufe ihres Lebens immer wieder Kommentare zu ihrem Äußeren, wie zum Beispiel "Du bist zu dick" oder "Du könntest so schön aussehen, wenn...". Nicht jedes Mal hat man darauf sofort eine gute Antwort. Leider.