Bild: dpa/Morukc Umnaber

Rakka ist gesichert. 

Die kleine Stadt im Osten Syriens galt über drei Jahre hinweg als das dunkle Herz des "Islamischen Staats". In der Stadt kamen wichtige Führungskader der Terrormiliz zusammen, die lokale Bevölkerung wurde unterdrückt und musste sich an strenge Gesetze halten. Wer sich nicht unterordnete, wurde hingerichtet, die Leichen hingen als Mahnmal auf öffentlichen Plätzen.

Nun haben arabische und kurdische Truppen Rakka nach monatelangen Gefechten zurückerobert. Am Dienstag gab das Bündnis "Demokratische Kräfte Syriens" (SDF) an, die Stadt komplett aus den Händen der Islamisten befreit zu haben. (Syria Direct)

1.

Was bedeutet die Eroberung für den IS?

Rakka zu verlieren, ist der bislang härteste Schlag für den "Islamischen Staat". Seit Langem sind die Schlächter auf dem Rückzug, seit 2014 haben sie mehr als 80 Prozent ihres ursprünglich eroberten Gebietes in Syrien und dem Irak wieder verloren. (bento)

Viele Verluste haben die Köpfe des IS weitestgehend ignoriert – darunter den Kampf um die irakische Großstadt Mossul (bento). Doch die Rückeroberung von Rakka können sie mit ihrer Propaganda nicht kleinreden. Es ist die bedeutungsschwerste Niederlage für die Dschihadisten überhaupt, sagen auch die Militärstrategen vom US-amerikanischen "Soufan Center".

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2.

Ist der IS nun besiegt?

Nein. Zwar kann der IS nicht länger als Gebilde bestehen, das seinen Anhängern einen realen Staat vorgaukelt. Aber als loses Terrornetzwerk wird der IS weiter existieren. Die Dschihadisten haben in den vergangenen Jahren schon mehrfach ihren Namen gewechselt (siehe Bildergalerie oben), vielleicht tauchen sie schon bald in neuer Struktur und unter neuem Namen wieder auf. 

Wirklich besiegt ist der IS nicht, wenn seine Gebiete erobert werden – sondern wenn seinen Anhängern ein Weg aus der Gewalt ermöglicht wird, wenn die jungen Männer sie bessere Perspektiven als den Sold der IS-Verführer erhalten.

3.

Aber ist der Syrienkrieg damit beendet?

Ja und nein. Der IS und andere islamistische Gruppen in Syrien sind weitestgehend vertrieben und zurückgeschlagen. Die Rebellen, die sich gegen den syrischen Diktator Baschar al-Assad aufgelehnt haben, sind ebenfalls zerrieben.

  • Die traurige Wahrheit: Assad hat den Krieg längst gewonnen.

Allerdings bleiben Assad nach sechs Jahren Krieg nur wenig Macht und kaum eine fähige Armee. Den Krieg haben iranische Soldaten, libanesische Söldner und russische Truppen für ihn gewonnen. Warlords regieren an mehreren Orten in Syrien.

  • Wahr ist also auch: Um Syriens Zukunft wird noch lange gekämpft werden.

4.

Droht Syrien das gleiche Schicksal wie dem Irak?

Wahrscheinlich. Im Irak bekämpfen sich ehemals Verbündete mittlerweile gegenseitig: 

  1. Kurden und Araber haben erst gemeinsam gegen den IS gekämpft, nun ist der Feind besiegt und jeder will den Sieg für sich. 
  2. Die Kurden hoffen auf einen eigenen Staat, der sich aus Teilen Iraks, Teilen der Türkei und Teilen Syriens ergibt.
  3. Die Länder wollen die Region aber nicht hergeben – vor allem wegen der Ölquellen, die dort liegen.

Die von Kurden besetzte Stadt Kirkuk wurde von irakischen Truppen angegriffen, die Bundeswehr hat als Reaktion ihre Unterstützung für die irakischen Kurden eingestellt (SPIEGEL ONLINE). So ein Chaos droht der gesamten Region:

Im IRAK droht ein neuer Krieg zwischen Schiiten und Sunniten. Bisher kämpfen beide gegen den IS.
Ist die Miliz besiegt, könnten sich beide Seiten gegeneinander richten – was extremistische Gruppen wieder stärkt.
In SYRIEN konzentriert sich der Krieg wieder auf die Kämpfe zwischen Assad und den Rebellen. Die Zivilbevölkerung wird dazwischen zerrieben.
Das gibt Islamisten neuen Auftrieb – sie können sich als Beschützer des Volkes inszenieren.
Die KURDEN wollen in Syrien und im Irak eigene Gebiete erobert. Die Chancen dafür stehen gut – aber sunnitische Familien müssen dafür weichen.
Auch das sorgt für neue ethnische Spannungen. Islamisten können das für antikurdische Stimmungen ausnutzen.
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5.

Was bedeutet das für uns?

Der Syrienkonflikt wird andauern, viele Familien, die geflohen sind, werden noch nicht in ihre Heimat zurückkönnen. Schlimmer noch: Je mehr sich Assad oder ein Nachfolger seines Machtapparates wieder etablieren kann, desto länger wird die Zukunft Syriens unberechenbar bleiben.

Die syrische Bevölkerung hat am meisten unter dem Krieg zu leiden. Städte, die nun von Islamisten befreit wurden – allen voran Rakka – müssen rasch wieder aufgebaut werden, Schulen müssen wieder eröffnet werden. Da kann die internationale Gemeinschaft helfen. 

Passiert das nicht, wächst eine ganze vom Krieg geprägte Generation in neuer Verzweiflung auf – und in neuer Wut.

Die Dschihadisten haben das längst bemerkt:


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