Bild: Sedat Suna/dpa

Murat Sabuncu ist kein freier Mann mehr. Die türkische Polizei hat den Chefredakteur von "Cumhuriyet" festgenommen. Neben Sabuncu hat die Staatsanwaltschaft von Istanbul noch weitere Mitarbeiter der Zeitung ins Visier genommen. Die Begründung für den Schlag gegen das regierungskritische Medium: Verdacht auf Unterstützung einer Terrororganisation.

Was ist passiert?

Am Montag wurden mehrere Mitglieder der Redaktion von "Cumhuriyet" festgenommen. Redakteurin Ayse Yildrim und die Nachrichtenagentur Anadolu bestätigten die Polizeiaktion. Neben Chefredakteur Murat Sabuncu wurden noch zwölf weitere Mitarbeiter festgenommen (SPIEGEL ONLINE I). Die Staatsanwaltschaft hat auch die Festnahme von Redaktionsmitgliedern angeordnet, die sich auf der Flucht befinden. Zu ihnen gehört auch der ehemalige Chefredakteur Can Dündar, der mittlerweile im Exil in Deutschland lebt.

"Sie greifen die linke Festung an"
Can Dündar
Was ist "Cumhuriyet“ eigentlich?

Eine türkische Tageszeitung, die Redaktion sitzt in Istanbul. Im September wurde "Cumhuriyet" mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet (bento I). Für "unerschrockenen investigativen Journalismus" und "das Bekenntnis zur Meinungsfreiheit trotz Unterdrückung, Zensur, Gefängnis und Morddrohungen“.

Viele oppositionelle Redaktionen wurden nach dem Militärputsch im Juli von der Regierung geschlossen. "Cumhuriyet" ist die letzte große Zeitung, die sich kritisch zu Präsident Recep Tayyip Erdogan und seiner Regierung äußert. Gegründet wurde das Blatt 1924.

Türkische Polizisten bei der Aktion gegen die Redaktion von "Cumhuriyet"
Was wird den Mitarbeitern von "Cumhuriyet" vorgeworfen?

Ihre journalistische Arbeit, genauer: Artikel, die angeblich den gescheiterten Militärputsch Mitte Juli "legitimieren" sollen. Außerdem sollen die Redakteure die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK und Fethullah Gülen unterstützen (SPIEGEL ONLINE II).

Der islamische Prediger Gülen ist ein früherer Vertrauter von Präsident Erdogan. Die türkische Regierung beschuldigt ihn, den Militärputsch vom Juli angezettelt zu haben. Die PKK und die Anhänger Gülens sind in den Augen türkischer Behörden Terrororganisationen.

Wie reagiert die Internationale Gemeinschaft?

Ziemlich entsetzt. Politiker und Medien sind erschrocken über den erneuten Angriff auf die Pressefreiheit in der Türkei. Der EU-Parlamentspräsident Martin Schulz schrieb auf Twitter, mit der Festnahme sei eine "weitere rote Linie gegen freie Meinungsäußerung" überschritten. Auch andere reagieren auf die Verhaftung:

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Ein Sprecher des US-Außenministeriums forderte die Türkei auf, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechte zu schützen. Auch der CDU-Politiker Michael Brand mahnte, es dürfe Deutschland und der EU "nicht egal sein, dass in der Türkei gerade eine Diktatur entsteht". Brand ist Vorsitzender des Menschenrechtsausschusses im Bundestag.

Proteste gegen die Festnahmen in der "Cumhuriyet"-Redaktion
Ist die freie Presse in der Türkei jetzt erledigt?

"Cumhuriyet" ist mit seiner kritischen Berichterstattung der Regierung Erdogan schon länger ein Dorn im Auge. Schon vor einem Jahr wurden der damalige Chefredakteur Can Dündar und der Leiter des Hauptstadtbüros verhaftet. Wegen Verrat von Staatsgeheimnissen bekamen beide mehrjährige Haftstrafen – sie hatten aufgedeckt, dass der türkische Geheimdienst Waffen an den "Islamischen Staat" geliefert hat (bento II).

Mit dem Schlag gegen "Cumhuriyet" hat sich die Situation der Presse im Land weiter verschärft. Doch die Redakteure lassen sich nicht unterkriegen. "Wir geben nicht auf" titelte die Zeitung am Tag nach den Festnahmen.

Wo sonst die Kolumnen der festgenommenen Journalisten Kadri und Hikmet Çetinkaya im Innenteil stehen, war aber nur weiße Leere zu sehen. Aus Protest.

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Wen darf man heute eigentlich noch von ganzem Herzen hassen? Veganer natürlich!
Alles Liebe zum Weltvegantag.

Am 1. November ist seit 1994 jedes Jahr der Weltvegantag. Eigentlich passiert an diesem Tag nicht viel: Hier und da gibt es ein paar Infostände in Fußgängerzonen, Freunde treffen sich zum gemeinsamen kochen, einige Menschen pflanzen Bäume – friedlicher Ökokram halt.

Online sieht das allerdings ganz anders aus. Schaut man sich beispielsweise mal auf Twitter den Hashtag #Weltvegantag an, erfährt man relativ schnell, was die Mehrheit der Nutzer dort vom veganen Dasein hält. Nichts.