Die Stimmung kippt in Charlotte, North Carolina. Wieder protestieren Hunderte gegen Polizeiwillkür – wieder geht den Demonstrationen die Tötung eines Schwarzen durch die Polizei voraus.

Beamte hatten am Dienstagabend den 43-jährigen Keith Lamont Scott erschossen. Bei den darauffolgenden Protesten war es zu schweren Ausschreitungen zwischen Polizei und Bevölkerung gekommen (Reuters). Augenzeugen berichten, die Polizei hätte Tränengas eingesetzt. Die Polizei meldete zwölf verletzte Beamte:

Was war passiert?

Scott war am Dienstag in seinem Auto auf einem Parkplatz in Charlotte von einem Polizisten erschossen worden. Die Einzelheiten aber sind unklar: Die Polizei bestätigte, dass sie Scott fälschlicherweise für einen dringend Tatverdächtigen gehalten hatten und ihn deshalb umstellt hätten. Sie seien davon ausgegangen, dass er bewaffnet war (Al-Jazeera).

Die Familie bestreitet diese Version: Scott sei unbewaffnet gewesen. Er habe lediglich im Auto auf seinen Sohn gewartet. In der Hand habe er keine Waffe gehalten – sondern ein Buch.

In wenigen Stunden versammelten sich Menschen am Ort des Geschehens. Mit "Black Lives Matter"-Transparenten und auf Twitter bekundeten Hunderte ihre Solidarität.

Der Fall von Keith Lamont Scott reiht sich ein in eine traurige Liste: Insgesamt 709 Menschen sind allein in diesem Jahr in den USA durch die Polizei getötet worden (Washington Post). Dabei werden Schätzungen zufolge unbewaffnete Schwarze fünfmal so häufig von der Polizei erschossen als Weiße (Mappingviolence).

Eine Übersicht der wichtigsten Fälle von Polizeigewalt gegen Schwarze in den USA aus den letzten Jahren findet ihr hier:
Ein Polizist erschießt im August 2014 in Ferguson einen unbewaffneten Schüler. Es gibt keinen Gerichtsprozess - die "Black Lives Matter"-Bewegung wird bekannt.
Sechzehn Mal schießt ein Polizist im Oktober 2014 auf den 17-jährigen Labuan McDonald, der in Chicago über eine Straße rennt. Der Beamte wird des Mordes angeklagt.
Tamir Rice ist erst zwölf Jahre alt, als er beim Spielen mit einer Softairwaffe in den Straßen von Cleveland in Ohio im November 2014 von einem 26-jährigen Polizisten niedergeschossen wird.
Im Dezember 2014 wird Rumian Brisbon bei einer Personenkontrolle in Phoenix erschossen. Die Polizei glaubte, er sei bewaffnet - tatsächlich hatte er nur Medikamente in der Tasche.
Bei einer Verkehrskontrolle im April 2015 erschießt die Polizei den 50-jährigen Walter Scott in North Charleston, South Carolina. Zuvor gab es Streit - wegen eines kaputten Rücklichts.
Im Juli 2015 wird Samuel DuBose bei einer Verkehrskontrolle in Cincinnati, Ohio, erschossen. Sein Auto hatte vorne kein Nummernschild. Er war unbewaffnet.
Im Dezember 2015 tötet ein Polizist aus Chicago einen 19-jährigen Studenten und eine 55-jährige Frau. Der Jugendliche hatte zuvor seinen Vater bedroht, die Frau wird versehentlich getroffen.
Zeugen filmen mit ihren Smartphones, wie der 37-jährige Verkäufer Alton Sterling im Juli 2016 in einem Supermarkt in Louisiana auf dem Boden liegend erschossen wird.
Ein Live-Video der Freundin von Philando Castle zeigt, wie auf ihn geschossen wird, als er bei einer Fahrzeugkontrolle in Saint Louis, Missouri, im Juli 2016 seine Fahrzeugpapiere zeigen möchte.
1/12

Mehr zum Thema:


Future

Verkackt! Warum es kein Leben ohne Scheitern gibt
Auf FuckUp Nights berichten Menschen von ihren Niederlagen.

Donnerstagabend in Berlin. Vor der Mexikanischen Botschaft unweit des Tiergartens warten Frauen und Männer darauf, in das Diplomaten-Haus hineingelassen zu werden. Sie wollen zur FuckUp Night, um die Geschichten von Gescheiterten zu hören.

Irgendwann geht die schwere Eisentür auf. "Es kann losgehen!", ruft eine junge Frau durchs Mikro.

In den nächsten zwei Stunden werden vier Menschen die kleine Bühne im Foyer betreten, um darüber zu sprechen, was sie wie verkackt haben im Leben.