I bims, die Polizei – wir Beamten sind übrigens übelst fly vong Coolness her!

"Bitte melde dich bei unserm Kollegen! Dein Lächeln hat ihn verzaubert", so ein Aufruf in der aktuellen Story. Weiter unten im Instagram-Profil ein brandneues Auto, "der Chuck Norris unter den Dienstwagen". Außerdem ein Video von einer Liegestütz-Challenge an der Siegessäule, #bizepsbrennt! 

Dieses Profil gehört nicht etwa einem Rapper oder Fitnessblogger – sondern der Polizei Berlin. Die fällt seit einiger Zeit im Netz nicht nur durch (Miss-)Erfolge in der Polizeiarbeit, sondern vor allem durch – sagen wir – originelle Posts in sozialen Netzwerken auf. 

Aber sind witzige Instagram-Storys wirklich das, was wir uns von der Polizei wünschen?

Die Polizei Berlin ist nicht die einzige Polizeidienststelle, die auf Instagram und Twitter setzt. Mehr als 330 Social Media-Profile hat die Polizei inzwischen, mehr als 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind allein für die Pflege dieser Accounts zuständig (NDR). Sie sollen ansprechbar sein, über aktuelle Ereignisse informieren und Präventionsarbeit leisten. Wie genau das aussieht, bleibt dabei den einzelnen Behörden überlassen: "Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt", heißt es beispielsweise von der zentralen Polizeidirektion Niedersachsen gegenüber dem NDR. 

Grundsätzlich ist es natürlich erst einmal schön, wenn ein staatliches Organ im 21. Jahrhundert angekommen ist und auf digitale Medien statt 30-seitige Antragsformulare setzt. 

Mit Social Media begegnet die Polizei Menschen dort, wo sie tatsächlich unterwegs sind – eigentlich eine Chance auf Transparenz und besseren Kontakt zwischen Staat und Bürgerinnen und Bürgern.

Doch das, was die Polizei auf ihren Accounts so treibt, irritiert häufig eher. Denn statt Informationen über Straßensperren und Gefahrenlagen oder Hinweisen, wie man sein Haus besser vor Einbrechern schützt, findet man inzwischen auf den Accounts der Polizei immer häufiger Inhalte, die mit Polizeiarbeit wenig bis nichts zu tun haben. 

Während des Oktoberfests zum Beispiel twitterte die Polizei München besonders intensiv – und ließ dabei von "Lauch" bis "vong" keinen Modewitz aus:

Hier sehen wir den bereits erwähnten Liegestütz-Wettkampf zwischen Berliner Polizei und Sportlergruppe:

Und hier antwortet die Polizei Frankfurt auf eine bescheuerte Anfrage ebenso bescheuert.

Schlagfertig, witzig, cool – so inszenieren sich die Beamtinnen und Beamten in diesen Posts. 

Dass auch der Staat sich um die öffentliche Wahrnehmung seiner Organe sorgt, ist dabei prinzipiell erst mal nicht verkehrt. Schließlich hängt auch einiges davon ab, ob die Kommunikation mit den Bürgern glückt. Tatsächlich dürfte das im Fall der Polizei besonders gelten: Polizistinnen und Polizisten stehen täglich im direkten Kontakt mit Bürgerinnen und Bürgern. Dieser Kontakt fällt natürlich deutlich angenehmer aus, wenn sie in der Bevölkerung Respekt statt Verachtung genießen.

Dass sich die Polizei da um ein menschlicheres Image bemüht, ist deshalb sogar verständlich. Trotzdem sollte man sich zwischendurch vielleicht noch einmal daran erinnern, was eigentlich ihr Auftrag ist

Die Polizei ist nun mal die Exekutive des Staates und nicht irgendein hippes Startup. Ihre Aufgabe ist es, die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und Straftaten zu verfolgen. 

Ziel von Öffentlichkeitsarbeit sollte deshalb eigentlich eher der Eindruck sein, dass sie diese Aufgabe gescheit erledigt. Ihre Auftritte – auch in sozialen Netzwerken – sollten Eigenschaften vermitteln, die man sich von einer Polizei wünschen würde: Zuverlässigkeit, Fairness, Transparenz.

bento per WhatsApp oder Telegram

Dass die Polizei aber stattdessen auf Schlagfertigkeit, Humor und Coolness setzt, lässt auch einen weiteren, unangenehmen Schluss zu: 

Denn indem man mit guten Punchlines oder vermeintlich romantischen Aktionen viral geht, kann man natürlich von Problemen ablenken. 

Wenn alle über die schlagfertige Antwort auf irgendeinen Idioten lachen, kann man dieses Video, in dem Polizisten einen mutmaßlichen Fahrraddieb bei einer Festnahme extrem hart angehen, schnell vergessen. So lässt sich die Aufmerksamkeit ganz elegant von Punkten lenken, bei denen die Polizei nicht so gut weg kommt – zum Beispiel struktureller Rassismus oder Verflechtungen mit Rechtsextremen. Probleme, die man nicht so einfach im Kumpelton wegtwittern kann.

Es ist gut, wenn die Polizei mit der Zeit geht und für Bürgerinnen und Bürger ansprechbar ist. Es ist auch gut, wenn sie menschlich und vertrauenswürdig erscheint. (Noch besser natürlich, wenn sie das auch tatsächlich ist.)

Aber witzige Insta-Storys und geile Punchlines brauche ich von der Polizei nicht.

Mir wäre es deshalb lieber, wenn die Polizei sich auf dem Oktoberfest darauf konzentriert, Frauen vor sexuellen Übergriffen zu schützen und Schlägereien zu verhindern, anstatt mit fünf(!) Beamten "vong"-Witze auf Twitter zu machen.


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