Bild: dpa/Daniel Maurer

Demonstrieren ist ziemlich sinnlos. Die einen laufen in Funktionsjacken durch sanierte Altstädte und wollen "hier bei uns" keine Flüchtlinge haben. Die anderen laufen mit Hoodies durch Villenviertel und zünden Autos an. 

Ist das wirklich so? Nein, ist es nicht. Millionen Deutsche gehen jährlich für die verschiedensten Themen auf die Straße – und schaffen es mit ihrem Protest tatsächlich, Dinge zu verändern. Wann eine Demo sinnvoll ist und was Protest in Deutschland wirklich bewirkt, erklären wir hier.

Bringt es überhaupt was, mit einem Schild durch die Gegend zu laufen?

Ja und nein, sagt Sebastian Haunss, der an der Uni Bremen Protestbewegungen untersucht: "Eine Demo allein erreicht nicht ihr Ziel, aber die Summe mehrerer Proteste kann schon etwas bewirken." Eine Demo sei immer dann sinnvoll, wenn Belange nicht von Politikern vertreten werden.

"Wenn ich etwas erreichen will, das mir die im Parlament vertretenen Parteien nicht ermöglichen, komme ich um eine Demo nicht herum", sagt Haunss. Proteste würden zuerst die Aufmerksamkeit auf ein Thema lenken – und so schließlich Debatten auch in die Politik bringen.

Diese Demos in Deutschland haben die Gesellschaft umgekrempelt:
Die FRAUENBEWEGUNG - Nach 1945 sorgten Frauen mit Protestaktionen für Veränderungen auf vielen Ebenen, darunter bei der Gleichstellung im Job, beim Eherecht und beim Recht auf Abtreibung.
Die SCHWULENBEWEGUNG – Schwule Männer forderten ab den Siebzigern ein Umdenken in der Öffentlichkeit. 1994 wurde schließlich der Paragraf 175 abgeschafft, der sexuelle Handlungen unter Männern unter Strafe stellte.
Die ANTI-ATOMKRAFT-BEWEGUNG – Die Akteure besetzten in den Siebzigern Atomkraftwerke und machten den "Atomkraft, Nein danke"-Aufkleber populär. Mittlerweile steht in Deutschland der Ausstieg aus der Atomkraft fest.
Die ANTI-IRAKKRIEG-DEMOS – 2002 und 2003 bereiteten die USA den Irakkrieg vor und wollte eine deutsche Beteiligung. Millionen von Demonstranten sagten "Nein" – die Bundesregierung folgte dem Wunsch der Bürger.
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Wie muss ich eine Demo organisieren, damit ich wahrgenommen werde?

Für eine erfolgreiche Protestbewegung gibt es kein einfaches Rezept – aber laut Haunss zwei wesentliche Dinge, die beim Erfolg helfen:

  1. Das sogenannte "Brain-Bridging": Wer ein Demo-Thema setzt, muss es für Mehrheiten interessant machen – also "Brücken zu den Vorstellungen anderer schaffen". Die großen Anti-TTIP-Proteste im vergangenen Jahr vereinten zum Beispiel Verbraucherschützer, Umweltschützer, Linke, Gewerkschaftler und Wirtschaftskritiker.
  2. Die eigentliche Mobilisierung: Ein Facebook-Event allein reicht nicht, nur Flyer verteilen auch nicht. Gute Demos erreichen dann Aufmerksamkeit, wenn sie sowohl online wie offline beworben werden. Die direkte Ansprache über Bekannte, Vereine oder Organisationen helfe laut Haunss auch mehr als jeder Hashtag. 
Wie viele Deutsche gehen überhaupt auf die Straße?

Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsinstitutes Ipsos für den Dienst Statista ist gut jeder zehnte Deutsche in den vergangenen fünf Jahren demonstrieren gegangen. Bei den Männern war die Marschbereitschaft etwas höher als bei den Frauen; etwas mehr als ein Drittel können sich jeweils vorstellen, demnächst demonstrieren zu gehen:

Infografik: Demonstrieren? Nein danke | Statista


Die Werte wirken zunächst niedrig, tatsächlich seien sie jedoch gut für Deutschland, sagt Protestforscher Haunss, schließlich sei Demonstrieren hierzulande insgesamt eine "Minderheitenpraxis". Grundsätzlich sei die Bereitschaft, sich zu engagieren – also auch in Vereinen oder Ehrenämtern – in Deutschland konstant hoch. Jeder Dritte würde sich regelmäßig einbringen. 

Ab wann wird ein Protest erfolgreich?

Das hängt von der Protestform ab. 

  • Regionale Demonstrationen – zum Beispiel für ein Naturschutzgebiet – können Politiker schnell zum Handeln zwingen. 
  • Bei generellen Themen – Protest gegen Kernkraft oder für Frauenrechte – dauert es oft Jahrzehnte, bis sich etwas ändert. 

Doch die Änderung komme mit Sicherheit, sagt Haunss. "Der Erfolg hat dann allerdings viele Väter und Mütter", auf die eine Demo lasse sich eine Veränderung selten zurückführen. 

In den Siebzigern wurde in Deutschland zum Beispiel die Schwulenbewegung groß. Ihre Belange sorgten erst für einen Diskurs in den Medien, dann in der Bevölkerung, zum Schluss schließlich in der Politik. Die handelte aber erst 1994 – mit der Abschaffung des umstrittenen Paragrafen 175, der sexuelle Handlungen zwischen Männern unter Strafe stellte.

Demonstrieren reicht dir nicht? Dann probier's mal hiermit:


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