Bild: Annika Krause

Warum manche Menschen heute einen Mitgliedsantrag für eine politische Jugendorganisation unterschreiben? Weil sie dann gemeinsam ein Bierchen trinken können. Sterni, Astra, Augustiner oder Tannenzaepfle scheint für viele Grund genug, sich zu binden. Eine Klausurfahrt als Alternative für Wacken, Hurricane und Natur One.

Aber was haben die JU, Jusos, Julis und wie sie alle heißen sonst auch zu bieten?

Politischen Jugendorganisationen fehlt es an Macht. Sind sind zwar formell eigenständig, aber keine Partei. Im Grunde haben sie überhaupt nichts zu sagen. Sie treten nicht einmal selbst zu Wahlen an, sondern müssen kämpfen, um ihre Kandidaten auf einer Wahlliste unterzubringen.

Ich kann deshalb verstehen, wieso politische Jugendorganisationen ständig versuchen, ihre Mutterparteien links oder rechts zu überholen. Wer keine Bedeutung hat, muss immer etwas zu stark auf die Trommel hauen, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

Wer ist Jenna Behrends?

Unverdrossen engagiert sich Jenna Behrends, 26 und CDU-Mitglied, in der Berliner Kommunalpolitik. Auch wenn das manchmal anstrengend ist, ist sie überzeugt, dass es etwas bringt sich einzumischen. Sie ist Mutter einer kleinen Tochter und studiert Jura an der FU Berlin.

So dürfte es kaum einen JU-Landesvorsitzenden geben, der sich nicht wünscht, das "konservative Profil" der Union stärker zu betonen. Welche Forderungen dabei herauskommen? Die doppelte Staatsbürgerschaft müsse abgeschafft werden (bento) und in Deutschland solle bei Kundgebungen gefälligst Deutsch gesprochen werden (RP online). Versammlungsfreiheit ohne Kenntnis der deutschen Sprache? Natürlich nicht!

Interessant auch ein aktueller Beschluss der Grünen Jugend Bayern: Darin fordern sie unter anderem die Abschaffung des geistigen Eigentums und Enteignung durch 100 Prozent Erbschaftssteuer ab einer Millionen Euro (Grüne Jugend).

Nicht erst seitdem die Juso-Vorsitzende Johanna Uekermann ihrem damaligen Parteichef Sigmar Gabriel eine "4 minus" gab (SPIEGEL ONLINE), gelten auch die Jusos als eine Art institutionelle Daueropposition in der SPD. Da kommen die Jungsozialisten schon mal auf die meiner Meinung nach realitätsfernen Ideen, Bremens Polizisten künftig ohne Schusswaffen auf Streife zu schicken (Jusos) oder ein "globales Recht auf Migration" zu fordern ("Die Welt"). Auch Asylbewerber ohne Bleiberecht sollten nicht abgeschoben werden.

In einem sind sich die Jugendorganisationen alle ähnlich:

Mit dem gemeinsamen Bier kommt der notwendige Stallgeruch. Viele Ehemalige, die in irgendwelchen Kreisen, Pakten und Freundschaften verbunden bleiben, haben zumindest später die Macht, um sich gegenseitig zu wichtigen Posten zu verhelfen und ihre Forderungen innerparteilich durchzusetzen.

Aber warum erst später. Warum nicht jetzt?

Ja, Nachwuchsorganisationen dürfen in ihren Forderungen radikaler und in ihren Politaktionen frecher sein, dann müssen sie diesen Welpenschutz aber auch richtig nutzen – und sich dabei auf die wesentlichen Probleme und Fragen konzentrieren.

Wirklich provokant wäre es, sich in Renten-, Umwelt- und Bildungsfragen lautstark gegen die eigenen Mutterparteien zu stellen, denn die Jungpolitiker kommen gerade von der Schule oder aus dem Studium und wissen jetzt schon: Eigentlich kann unsere Generation nicht schultern, was im Leben von uns erwartet wird. Zu wenige von uns Jungen werden zu viele Rentner finanzieren müssen und zeitgleich sollen wir selbst Kinder bekommen. Das kann alles nicht klappen.

Aber wo waren die Jugendorganisationen als die Rente mit 63 kam? Gehört habe ich höchstens sehr leisen Protest. Aber vielleicht kommt beim nächsten Bier die Erkenntnis: "Uns reicht's, Oma und Opa!".

Auf den Widerstand gegen die Alten warte ich jedenfalls gespannt.


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