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Rechter Hass am 9. November in deutschen Straßen - war da nicht was?

Kein Datum in der deutschen Geschichte ist so aufgeladen wie der 9. November – im besten wie im schlechtesten Sinne. Es ist der Tag des Mauerfalls, als eine friedliche Revolution 1989 das DDR-Regime hinwegfegte. Es ist jedoch auch der Tag, an dem Nazi-Horden 1938 durch die Straßen deutscher Städte marodierten, um die Gebetsstätten, die Geschäfte und die Leben von Tausenden Juden zu zerstören.

Deshalb protestiert der Intendant des Dresdner Staatsschauspiels, Robert Koall, gegen eine Pegida-Demo, die am Montag, 9. November, auf dem Theaterplatz vor der weltberühmten Semperoper stattfinden soll. Koall kritisiert auf Facebook Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert für die Entscheidung seiner Verwaltung, den Platz Pegida zu überlassen und eine Gegendemo des Bündnisses "Herz statt Hetze" nicht zu zulassen.

Ein Appell und offener Brief von Chefdramaturg Robert Koall, die Pegida-Demonstration am 9. November, dem Jahrestag der...

Posted by Staatsschauspiel Dresden on Samstag, 7. November 2015


"Entweder, die Stadtverwaltung ist auf kaum zu begreifende Weise gedankenlos und geschichtsvergessen. Oder sie tut das wissend und willentlich. Einen guten Grund für die Entscheidung gibt es nicht", schreibt Koall.

Die genauen Gründe der Stadt sind nicht bekannt. Es wäre wohl kein Platz gewesen, um am selben Ort für beide Demonstrationen Sicherheit zu gewährleisten. Dass der zentrale Platz nun Pegida überlassen wird, regt die Initiatoren von "Herz statt Hetze" richtig auf: Die Initiatoren hätten erleben müssen, dass den Dresdner Behörden ein „wirksamer und deutlicher Protest nicht genehm ist“, sagten sie den Dresdner Neuesten Nachrichten.

Die Pegida-Demonstranten, denen sie nun das Feld räumen müssen, treten in den vergangenen Wochen immer radikaler auf. Journalisten wurden dort tätlich angegriffen, der Schriftsteller Akif Pirinçci pöbelte auf einer Bühne auf vulgärste Art und Weise gegen Muslime. Diesen Demonstranten erlaubt die Stadt Dresden, am 77. Jahrestag der Reichspogromnacht mit ihren fremdenfeindlichen Botschaften durch die Straßen zu ziehen.

Hätte sich die Stadt überhaupt wehren können? Immerhin gilt Versammlungsfreiheit in Deutschland. Kommentatoren unter Koalls Posting verweisen aber auf das sächsische Versammlungsrecht, das es der Stadtverwaltung erlaube, Pegida in die Schranken zu weisen: Eine Versammlung könne verboten oder von bestimmten Beschränkungen abhängig gemacht werden, etwa wenn sie an einem Ort stattfindet, der an die Opfer der nationalistischen Gewaltherrschaft erinnert. Die Stadt München hat eine Pegida-Demo auf dem Odeonsplatz verboten, auch mit Verweis auf das geschichtsträchtige Datum (Süddeutsche Zeitung)

Es ist nicht klar, ob der Dresdner Theaterplatz - zu Nazizeiten der "Adolf-Hitler-Platz" - diese Voraussetzung erfüllt. Eine bittere Ironie ist die Erlaubnis in jedem Fall: In der Nacht zum 10. November 1938 wurde in Dresden eines der damals größten jüdischen Gebetshäuser Deutschlands niedergebrannt: Die Semper-Synagoge des legendären Architekten Gottfried Semper. Berühmt ist Semper vor allem für eben jene nach ihm benannte Oper der Stadt.

Vor der dürfen die Fremdenfeinde nun marschieren – die Gegendemonstranten nicht.