Bild: PayPal/Pixabay; Montage: bento
Niemand hat die Absicht, Terroristen zu unterstützen

Gernot ist eventuell ein Terrorist. Doch so genau weiß er das nicht, er weiß nur: PayPal hatte ihn an die US-Regierung verraten. Und erst mal sicherheitshalber sein Konto eingeschränkt.

 Alles, was er bekam, war diesen Hinweis:

„Möglicherweise kaufen oder verkaufen Sie Waren oder Dienstleistungen, die von der US-Regierung reguliert oder verboten sind.“

Aber von vorn.

Mitte November hatte sich Gernot eine Biografie des indischen Gelehrten und Dichters Muhammad Iqbal im Netz bestellt, verfasst von der deutschen Islamwissenschaftlerin Annemarie Schimmel. Die Bezahlung wickelte er über PayPal ab.

Kurz nach dem Kauf meldete sich die Transaktionsplattform mit dem Hinweis, die Zahlung müsse überprüft werden. Das Konto werde nicht beeinträchtigt. Zwei Tage später folgte eine weitere Mail, PayPal sei verpflichtet, "alle weltweit geltenden regulatorischen Vorschriften" einzuhalten, hieß es.

Aus "Sicherheitsgründen" wurde Gernots Konto eingeschränkt, die "US-Regierung" wurde angeführt. Gernot selbst wurde aufgefordert, das Geburtsdatum von Muhammad Iqbal einzureichen, sagt er zu bento.

Der Verdacht: Ein arabisch klingender Name reicht aus, um bei US-Geheimdiensten Alarmbereitschaft auszulösen.
  • Stimmt das? Wir haben bei PayPal nachgefragt.

Eine Sprecherin sagt, PayPal müsse sich als US-amerikanisches Unternehmen an die geltenden Handelssanktionen der USA halten. Nicht nur in den USA selbst, sondern weltweit. 

Bestehe bei einer Zahlung der Verdacht, gegen Sanktionen zu verstoßen, müsse PayPal nachforschen:

„In diesem Fall kann es dazu kommen, dass PayPal vorübergehend das PayPal-Konto des Kunden einschränkt, während parallel zusätzliche Informationen eingeholt werden.“

Bücher, Zeitschriften, CDs und DVDs sollten eigentlich nicht von Kontosperrungen betroffen sein, versichert PayPal. 

Wenn das passiere, sei das eine "irrtümliche Einschränkung".

Die zu beheben, sollte eigentlich schnell und reibungslos verlaufen – im Fall von Gernot hat es Wochen gedauert. "Ich habe mehrere Mails geschrieben und in der Hotline rumgehangen, ohne dass mir jemand klar beantworten wollte oder konnte, ob meine Daten an die US-Regierung übermittelt werden", sagt er.

Genau das passiere nicht, versichert PayPal: "Überprüfungen werden ausschließlich von PayPal-Mitarbeitern durchgeführt, und nicht durch die US-Regierung oder andere Regierungen."

Wieso sorgte ein harmloses Buch dann doch für so viel Ärger?

Wahrscheinlich, weil der Name Muhammad Iqbal doch nicht so harmlos ist. Der berühmte Dichter aus Indien hat einen Namensvetter – einen Terroristen aus Pakistan.

  1. Der erste Muhammad Iqbal lebte im späten 19. Jahrhundert. In der islamischen Welt wird er als "der Hochgelehrte" bezeichnet, seine Werke wurden in dutzende Sprachen übersetzt.
  2. Der zweite Muhammad Iqbal wurde mehr als 100 Jahre später aktiv und wird von den USA als Terrorist gesucht. Er führt die Islamistengruppe Lashkar E-Tayyiba an.

Die Sanktionen, an die sich PayPal halten muss, sind vom US Department of Treasury’s Office of Foreign Assets Control definiert, einer US-Behörde für Handelskontrolle. Hier hat die Behörde festgelegt, was überwacht werden muss – die Liste gilt für ganze Länder, aber auch für Einzelpersonen.

Der pakistanische Muhammed Iqbal befindet sich hier darunter. Auch wenn es also nur die von einer Deutschen verfassten Biografie des indischen Muhammad Iqbal ging – allein, weil der Name auftauchte, wurde das Buch verdächtig.

PayPal hat das Gernot bislang nicht erklärt. Auch nicht, was genau mit seinen Daten passiert – auf eine Antwort wartet er seit mittlerweile fünf Wochen.


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