Bild: Getty Images/Joe Raedle
"Wir Erwachsenen machen die Gesetze. Wir besitzen die Weisheit."

Stell dir vor, du überlebst einen Amoklauf an deiner Schule, startest eine Kampagne für strengere Waffengesetze, die sogar den Präsidenten deines Landes unter Druck setzt – und dann kommt eine Politikerin und vergleicht deine Forderungen mit dem Wunsch, keine Hausaufgaben mehr machen zu wollen. Weil du halt ein Kind seist. Und sie, die Politikerin, sei die Erwachsene.

Im US-Bundesstaat Florida ist genau das passiert.

Die republikanische Politikerin Elizabeth Porter griff die Überlebenden des Parkland-Massakers in einer Rede scharf an:

"Uns wurde gesagt, dass wir den Kindern zuhören sollen und tun sollen, was sie fordern. Machen Kinder etwa Gesetze? Erlauben wir den Kindern, uns zu sagen, dass wir ein Gesetz verabschieden sollen, das die Hausaufgaben abschafft? Oder lassen wir sie die Highschool mit 12 abschließen, nur weil sie es wollen? Nein."

Der Vergleich allein ist natürlich geschmacklos und irrsinnig, aber Porter setze noch einen drauf:

"Wir Erwachsenen machen die Gesetze, weil wir alt genug sind. Wir besitzen die Weisheit. Und wir haben die Erfahrung, um diese Gesetze zu verabschieden. Wir müssen diese Gesetze mit unseren Köpfen machen und nicht mit unseren Emotionen. Emotionen werden uns in die Irre führen. Unser gesunder Menschenverstand und unsere Rationalität werden das nicht tun."

Was ist in Parkland passiert?

Ein 19-Jähriger hatte am 14. Februar 17 Menschen erschossen, darunter zahlreiche Schülerinnen und Schüler. Der Schütze wurde festgenommen. Er hatte die Waffen legal gekauft, obwohl bekannt war, dass er seit langer Zeit psychische Probleme hatte und verhaltensauffällig war.

Wo soll man anfangen?

Natürlich kann man Porters Rede einfach ignorieren. Sie ist eine weitere US-Politikerin, die stets im Sinne der Waffenlobby stimmt. Die National Rifle Association (NRA) stellte ihr jüngst ein perfektes Zeugnis aus, Porters Positionen und ihr Abstimmungsverhalten lobte die Organisation mit einem 100-Prozent-Rating bei votesmart.org. Auf der Seite können sich Wähler darüber informieren, wie verschiedene Interessengruppen die Positionen von Politikern bewerten.

Andererseits ist die Rede bemerkenswert frech. Porter stellt die Überlebenden des Amoklaufs als kleine Kinder dar, die nicht wissen, wovon sie reden. Ihr Argument: Wir sind erwachsen, die Stimmen der Teens zählen nicht, sie sind zu dumm, nicht reif genug, zu emotional.

Das Gegenteil dürfte der Fall sein. In den USA sind Teenager gerade dabei, die Waffengesetze der USA zu verändern, weil sie die besseren Argumente haben. Ihre Kampagne ist in aller Munde. Sie zielen ganz bewusst auf die Spendengelder der Waffenlobby für US-Politiker ab.

(Bild: dpa/Amy Beth Bennett/South Florida Sun-Sentinel)

Die Schüler aus Parkland und ihre Unterstützer zeigten sich auf Twitter empört:

Tatsächlich war die Woche für die politisch aktiven Parkland-Überlebenden trotz Porters Rede ein Erfolg: In Florida unterschrieb der Gouverneur ein neues Waffengesetz. Es ist ein Kompromiss zwischen Befürwortern und Gegnern schärferer Waffenkontrollen:

  • Das Mindestalter für Waffenkäufer liegt nun bei 21 Jahren statt wie bisher bei 18 Jahren.
  • Wer eine Waffe kauft, muss drei Tage warten, bevor er sie erhält.
  • Außerdem sind Aufsätze verboten, sogenannte "bump stocks", mit denen halbautomatische in vollautomatische Gewehre umfunktioniert werden können.

Trauer in Parkland – die Bilder

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Das ist natürlich nur ein Anfang, aber selbst der ist in den USA umstritten.

Die NRA hat schon Klage vor einem Bundesgericht in Tallahassee eingereicht. Die Begründung: Die Anhebung des Mindestalters verstoße gegen das in der Verfassung verankerte Recht auf Waffenbesitz sowie den Gleichbehandlungsgrundsatz, schließlich werden nun jüngere Erwachsene anders behandelt als etwas ältere. (SPIEGEL ONLINE)


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